#81: Die verrückteste Gründungsidee ever? (Sommergespräche 2025)

Der Podcast

Warum unkonventionelle Gründungen oft lehrreicher sind

Was macht eine Gründung wirklich außergewöhnlich? Manchmal sind es nicht die innovativsten Technologien oder die disruptivsten Geschäftsmodelle, sondern einfach Ideen, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Eine “Leiwand gründen” Gründungsberatung mit einem Sexpuppenverleih zeigt, wie wichtig es ist, Geschäftsideen nicht vorschnell zu bewerten – und was man aus jedem Gründungsprojekt lernen kann.

Die Macht der opportunistischen Gründung

Bei der wohl außergewöhnlichsten Gründung in der Beratungspraxis handelte es sich um einen jungen Unternehmer, der einen Sexpuppenverleih etablieren wollte. Auf den ersten Blick mag das skurril klingen, doch dahinter steckte eine professionelle Marktanalyse und ein durchdachtes Geschäftskonzept.

Der Gründer war ein klassisches Beispiel für eine opportunistische Gründung: Er hatte persönlich kein Interesse an dem Produkt, erkannte aber eine Marktlücke. Seine Analyse zeigte, dass es in Deutschland bereits einen Anbieter gab, in Österreich jedoch noch nicht. Die Zielgruppe war klar definiert und über spezielle Foren leicht erreichbar.

Das Geschäftsmodell: Einfach in der Theorie, komplex in der Praxis

Die Grundidee schien bestechend einfach: Anstatt teure Sexpuppen zu kaufen, könnten Kunden diese on-demand bestellen – ähnlich wie eine Pizza. Das Geschäftsmodell war klar strukturiert:

  • Umsatzmodell: Verleihgebühr plus Zuschlag für Expressbestellungen 
  • Zielgruppe: Gut erreichbar über spezielle Online-Foren 
  • Marktposition: Pionier in einem unerschlossenen österreichischen Markt

Wenn die Realität die Theorie einholt

Doch wie so oft bei Gründungen zeigte sich erst in der Umsetzung, wo die wahren Herausforderungen lagen. Das größte Problem war nicht die Nachfrage oder die Vermarktung, sondern die Leistungserstellung selbst.

Die unerwarteten Herausforderungen:

  • Intensive Reinigung und Aufbereitung nach jeder Verwendung
  • Reparaturen und Wartung der Produkte
  • Hygienische Standards und Qualitätssicherung
  • Hoher Zeitaufwand für die Wiederherstellung

Was ursprünglich als relativ passives Einkommen gedacht war, entpuppte sich als arbeitsintensives Reinigungsgeschäft. Der Gründer stellte fest, dass sein eigentlicher Job das professionelle Reinigen von Sexpuppen war – eine Tätigkeit, die nicht seinen ursprünglichen Vorstellungen entsprach.

Der Prestigefaktor: Wenn das Business das Image prägt

Ein weiterer interessanter Aspekt war die Frage des Images. Der Gründer wollte nicht in seinem Bekanntenkreis als “der mit dem Sexpuppengeschäft” bekannt werden. Das führte zu praktischen Problemen:

  • Anonymisierung des Impressums auf der Website
  • Sorge um die Online-Reputation
  • Auswirkungen auf das persönliche und berufliche Umfeld

Diese Überlegungen zeigen, dass bei jeder Gründung auch die persönlichen Konsequenzen mitgedacht werden müssen.

Die Lösung: Geschäftsmodell-Pivot

Anstatt das Projekt komplett aufzugeben, entwickelte der Gründer sein Geschäftsmodell weiter. Er wechselte vom Verleih zum Handel und nutzte sein erworbenes Branchenwissen für den klassischen Verkauf. Dabei erkannte er auch, warum es den Verleih bisher nicht gab – die praktischen Herausforderungen waren einfach zu groß.

Learnings für Gründer und Berater

Diese außergewöhnliche Gründung brachte wichtige Erkenntnisse:

Für Gründer:

  • Marktlücken haben oft einen guten Grund
  • Das eigentliche Business kann sich während der Umsetzung völlig verändern
  • Geschäftsmodelle müssen flexibel anpassbar sein
  • Persönliche Konsequenzen sollten von Anfang an mitgedacht werden

Für Berater:

  • Keine Geschäftsidee vorschnell bewerten oder abschreiben
  • Zuhören und Raum für Reflexion schaffen
  • Professionelle Vorbereitung ist wichtiger als die Idee selbst
  • Jede Gründung birgt wertvolle Lernmöglichkeiten

Die Kunst des Zuhörens

Ein guter Gründungsberater zeichnet sich dadurch aus, dass er auch ungewöhnliche Ideen ernst nimmt und sie nicht vorschnell bewertet. Oft werden Dinge klarer, wenn man sie ausspricht – und allein das Zuhören kann bereits ein wertvoller Beitrag sein.

Der Fokus liegt nicht auf der Bewertung der Idee, sondern auf der Begleitung des Prozesses. Es geht darum, dem Gründer Impulse für weitere Handlungsoptionen zu geben und bei der Reflexion zu unterstützen.

Das eiserne Gesetz des Marktes

Letztendlich gilt: Alles, was gebraucht wird, besteht am Markt. Alles, was nicht gebraucht wird, verschwindet wieder. Wenn es für eine Idee einen Markt gibt, dann gibt es auch Kunden, die davon profitieren. Die Herausforderung liegt in der professionellen Umsetzung und der realistischen Einschätzung aller Faktoren.

Fazit: Keine Idee ist zu außergewöhnlich

Diese Geschichte zeigt, dass selbst die ungewöhnlichsten Geschäftsideen ihre Berechtigung haben können, wenn sie professionell durchdacht und umgesetzt werden. Wichtig ist, offen zu bleiben, flexibel zu reagieren und aus jeder Erfahrung zu lernen.

Der Schlüssel liegt darin, Geschäftsideen nicht nach ihrer Außergewöhnlichkeit zu bewerten, sondern nach ihrer Durchdachtheit und Umsetzbarkeit.

Manchmal führen die kuriosesten Ideen zu den wertvollsten Erkenntnissen – sowohl für Gründer als auch für ihre Berater.

Ein Wort zum Schluss

Unkonventionelle Geschäftsideen können durchaus erfolgreich sein – aber sie brauchen eine realistische Planung und die Bereitschaft, das Geschäftsmodell anzupassen, wenn die Realität andere Herausforderungen bringt als ursprünglich gedacht.

Übrigens: Wenn auch du eine ungewöhnliche Geschäftsidee hast, über die du dich mit niemandem zu sprechen traust – wir sind neugierig! In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir uns gemeinsam an, ob deine außergewöhnliche Idee das Potenzial für ein erfolgreiches Business hat.

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#80: Zwischen Applaus und Einnahmen: Musiker gründen anders (Sommergespräche 2025)

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Musiker gründen anders: Die besonderen Herausforderungen kreativer Selbstständigkeit

“Musiker gründen anders” – diese Erkenntnis aus der Gründungsberatungspraxis bringt die Besonderheiten kreativer Selbstständigkeit auf den Punkt. Was macht eine Gründung in der Musikbranche so einzigartig? Welche Herausforderungen erwarten angehende Musikunternehmer und wie lassen sich diese meistern?

Die Realität der Musikbranche

Wer als Musiker, Sängerin oder Tontechniker den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, betritt ein Terrain mit ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Anders als in klassischen Branchen funktionieren hier die bewährten BWL-Konzepte oft nicht. Die Musikszene tickt fundamental anders – und das spüren Gründungsberater wie Gründer gleichermaßen.

Das Finanzierungsdilemma: Wenn Leidenschaft auf Realität trifft

Eine der größten Herausforderungen liegt in der Finanzierungsstruktur der Branche. Selbst bekannte Künstler haben nicht automatisch ein gesichertes Einkommen. Die Realität sieht oft so aus: Budgets sind knapp, Honorare niedrig und Investitionen in professionelle Dienstleistungen wie Marketing oder Beratung kaum möglich.

Typische Szenarien in der Musikbranche:

  • Solokünstler, die bei mehreren Vereinen als Substitute arbeiten
  • Musiklehrerinnen mit Stunden an verschiedenen Schulen
  • Tontechniker mit eigenem Equipment-Verleih
  • Opernsänger mit zusätzlichem Business-Standbein
  • Bandmitglieder mit parallelen Einkommensquellen

Die Kunst des “Anderen Standbeins”

Fast alle erfolgreichen Musikgründungen haben eines gemeinsam: Sie benötigen eine zusätzliche Einkommensquelle. Das ist keine Schwäche, sondern schlicht Realität. Die Opernsängerin, die sich ein zweites Business aufbaut, um ihre Kunst zu finanzieren, handelt strategisch klug.

Besondere Herausforderungen für Musikunternehmer

Der Übungsaufwand: Zeit für Proben und Üben lässt sich nicht in Rechnungen einpreisen, ist aber essentiell für die Qualität.

Nicht skalierbare Leistungen: Ein Auftritt bleibt ein Auftritt – anders als bei digitalen Produkten gibt es hier keine Skalierungseffekte.

Projektbasierte Honorare: Oft wird für eine zweistündige Performance bezahlt, nicht für die wochenlange Vorbereitung.

Equipment und Technik: Investitionen in Instrumente oder Technik müssen sich über unregelmäßige Einnahmen amortisieren.

Der emotionale Aspekt: Höhen und Tiefen der kreativen Selbstständigkeit

Künstlerische Gründer durchleben oft intensivere emotionale Schwankungen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Die ständige Hinterfragung “Gründen oder nicht gründen?” ist typisch für diese Branche. Hier können systemische Beratungsansätze wie die Tetralemma-Aufstellung helfen, Klarheit zu gewinnen.

Der große Vorteil: Unerschütterlicher Purpose

Was Musikerinnen und Künstler als enormen Vorteil haben, ist ihr klarer “Warum”. Wenn sie auf der Bühne stehen, ihre Musik spielen oder ihr Publikum begeistern, wissen sie genau, wofür sie alle Schwierigkeiten in Kauf nehmen. Dieser starke Purpose trägt sie durch schwierige Phasen.

Erfolgsfaktoren für die Musikgründung

Realistische Planung: Akzeptiere, dass der Weg länger dauert und ein zusätzliches Standbein meist notwendig ist.

Netzwerk aufbauen: Connections sind in der Musikbranche besonders wichtig – investiere Zeit in Beziehungen.

Flexibilität entwickeln: Sei bereit, verschiedene Einkommensquellen zu kombinieren.

Professionelle Unterstützung: Hol dir Hilfe bei Bereichen wie Steuern, Marketing oder Businessplanung.

Verschiedene Wege zum Erfolg

Jeder Musikunternehmer muss seinen individuellen Weg finden. Was für den einen funktioniert, passt nicht zwangsläufig zum anderen. Wichtig ist, ehrlich zu sich selbst zu sein und die eigenen Stärken und Grenzen zu kennen.

Fazit: Anders gründen heißt nicht schlechter gründen

Eine Gründung in der Musikbranche ist zweifellos herausfordernd – aber keineswegs zum Scheitern verurteilt. Mit der richtigen Herangehensweise, realistischen Erwartungen und professioneller Unterstützung lassen sich auch in diesem speziellen Umfeld erfolgreiche Unternehmen aufbauen.

Der Schlüssel liegt darin, die Besonderheiten der Branche zu akzeptieren und darauf aufbauend eine individuelle Strategie zu entwickeln.

Wer als Musiker, Sängerin oder anderer Kunstschaffender mit dem Gedanken der Selbstständigkeit spielt, sollte sich bewusst machen: Du gründest anders – und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass du deinen ganz eigenen Weg findest und gehst.

Ein Wort zum Schluss

Eine kreative Selbstständigkeit kann der perfekte Weg sein, um deine künstlerischen Träume zu verwirklichen – aber sie ist kein Selbstläufer. Wichtig ist eine realistische Einschätzung deiner Situation und eine sorgfältige Planung, die die Besonderheiten der Musikbranche miteinbezieht.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup analysieren wir gemeinsam, ob eine Selbstständigkeit als Künstler der richtige Weg für dich ist. Lass uns zusammen herausfinden, welches Modell optimal zu deiner kreativen Vision und Lebenssituation passt!

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#79: Ein Atelier, zwei Standbeine – Pippa Parragh über Siebdruck, Selbstständigkeit und Struktur

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Better Done Than Perfect: Vom Workshop in der Dusche zum eigenen Siebdruck-Atelier

Manchmal beginnt eine Liebesgeschichte mit einem einzigen Workshop. Bei Pippa Parragh war es ein Siebdruck-Workshop vor zehn Jahren, der den Grundstein für ihr heutiges erfolgreiches Atelier legte. Ihre Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie aus einer Leidenschaft eine nachhaltige Selbstständigkeit werden kann – und warum “Better Done Than Perfect” oft der bessere Weg ist.

Vom Hobby zur Profession: Ein zehn Jahre langer Weg

Pippas Reise begann, wie viele Erfolgsgeschichten: mit Neugier. “Ich war schon davor irgendwie so komisch interessiert am Siebdruck, weil ich es noch nicht ausprobiert hatte”, erzählt sie. Ein Workshop vor zehn Jahren wurde zur Initialzündung – sie verliebte sich sofort in diese alte Handwerkskunst.

Doch statt überstürzt zu gründen, ging sie den methodischen Weg: von der Praktikantin zur Druckassistentin, dann zur Hauptdruckerin, später Arbeit in verschiedenen Werkstätten. Diese Jahre der Ausbildung und des Sammelns von Erfahrungen erwiesen sich als unschätzbar wertvoll für ihre spätere Selbstständigkeit.

Der kreative Start: Siebdruck in der Dusche

Bevor Pippa ihr professionelles Atelier eröffnete, richtete sie sich zu Hause ihre erste kleine Werkstatt ein – in der Dusche. “Das hat alles tiptop funktioniert. Aber war natürlich auch immer ein bisschen ein Aufwand, erstens nachher die Dusche wieder zu putzen”, schmunzelt sie heute.

Diese Phase zeigt: Man muss nicht gleich mit der perfekten Ausstattung starten. Kreativität und der Mut zum Beginnen sind oft wichtiger als die idealen Rahmenbedingungen. Selbst mit einem kleinen Hochdruckreiniger ließ sich das Setup realisieren.

Das Siebdruck-Atelier: Handwerk im 6. Bezirk

Heute betreibt Pippa ihr eigenes Siebdruck-Atelier im 6. Wiener Bezirk, wo sie ausschließlich Handsiebdruck praktiziert – ohne Maschinen, nur mit eigener Kraft und traditioneller Technik. Ihr Angebot umfasst zwei Hauptbereiche:

Auftragsarbeiten

  • Zusammenarbeit mit KünstlerInnen, DesignerInnen und Kulturinstitutionen
  • Vom Band-Shirt bis zur hochwertigen Edition auf Papier
  • Individuelle Lösungen für verschiedenste Druckträger

Workshops

  • Monatliche Workshops für Interessierte jeden Alters (17-50 Jahre)
  • Vermittlung der Siebdruck-Technik
  • Begleitung vom ersten Entwurf bis zum fertigen Produkt

Das Erfolgsrezept: Zwei Standbeine

Eine besondere Stärke von Pippas Geschäftsmodell liegt in der Kombination zweier Standbeine: neben ihrem Atelier unterrichtet sie ein bis zwei Tage pro Woche an einer Universität – ebenfalls Siebdruck.

Die Vorteile dieser Kombination:

  • Struktur und Freiheit: “Das eine Standbein gibt mir Struktur, dadurch schätze ich die anderen drei Tage noch viel mehr”
  • Finanzieller Puffer: Fixes Einkommen reduziert den Druck auf jeden einzelnen Auftrag
  • Qualitative Auswahl: “Ich bin nicht auf jeden Auftrag angewiesen” – das ermöglicht wählerischer zu sein
  • Synergie-Effekte: Workshop-Abläufe können in beiden Bereichen perfektioniert werden

Dokumentation als Marketing-Tool

Ein Schlüssel zu Pippas erfolgreichem Start war die konsequente Dokumentation ihres Aufbaus auf Instagram. “Ich habe von Anfang an voll viel gepostet und den ganzen Aufbau von der Werkstatt hergezeigt”, erklärt sie.

Diese Strategie brachte mehrere Vorteile:

  • Frühe Kundenbindung durch “Mitnahme” auf der Reise
  • Authentische Einblicke in den Entstehungsprozess
  • Wertvolle Dokumentation der eigenen Entwicklung
  • Aufbau einer Community von Interessierten

Die Magie der Workshops: Mehr als nur Technik

Was Pippa an ihren Workshops besonders schätzt, geht über die reine Wissensvermittlung hinaus: “Ich sehe immer noch dieses Glitzern in ihren Augen, wenn sie sich jedes Mal freuen, dass das, was sie sich vorher überlegt haben, dann auf einem T-Shirt ist.”

Die Workshops schaffen:

  • Haptische Erfahrungen abseits der digitalen Welt
  • Stolz und Erfolgserlebnisse bei den Teilnehmern
  • Gruppendynamik zwischen völlig fremden Menschen unterschiedlichen Alters
  • Gemeinschaftsgefühl und gegenseitige Unterstützung

Herausforderungen im dritten Jahr

Nach drei Jahren Selbstständigkeit reflektiert Pippa ehrlich über neue Herausforderungen:

Der nachlassende Anfangsschwung

“Es ist sicher ein Unterschied im dritten Jahr als beim ersten, weil man diesen Schwung vom Anfang nicht mehr hat.” Das ständige Dokumentieren des Neuen wird schwieriger, wenn die Abläufe etabliert sind.

Bewusste Weiterentwicklung

Um dem entgegenzuwirken, entwickelt Pippa neue Formate: limitierte Kunsteditionen mit KünstlerInnen, die die Grenzen des Siebdrucks ausloten. “Mir soll ja nicht langweilig werden, weil ich das machen will.”

Better Done Than Perfect: Der wichtigste Rat

Pippas wichtigster Tipp für angehende Selbstständige: “Better Done Than Perfect. Vor allem in Bezug auf Sachen herzeigen.” Statt endlos zu perfektionieren, empfiehlt sie:

  • Einfach machen und zeigen
  • Nicht zu viel Zeit in die Perfektion eines einzelnen Posts investieren
  • Lieber mehr Content produzieren als weniger perfekten
  • Durch das Zeigen lernen, was die Menschen interessiert

Strategien für Zwei-Standbein-Modelle

Aus Pippas Erfahrung ergeben sich wertvolle Erkenntnisse für andere Gründer:

Empfehlenswerte Kombinationen:

  1. Synergie-Modell: Beide Standbeine sehr ähnlich (wie bei Pippa)
  2. Kontrast-Modell: Standbeine völlig verschieden (z.B. Kreativarbeit + Café-Job)

Zu vermeiden:

  • Zwei emotional und energetisch sehr anspruchsvolle Standbeine
  • Kombinationen ohne klare Abgrenzung oder Synergie

Innovation und Weiterentwicklung

Pippa zeigt, wie wichtig es ist, das eigene Business kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ihre limitierten Kunsteditionen sind ein Beispiel dafür, wie man:

  • Die eigene Expertise erweitert
  • Neue Zielgruppen erschließt
  • Das Geschäftsmodell interessant hält
  • Kreative Grenzen auslotet

Ein Wort zum Schluss

Pippas Geschichte illustriert mehrere wichtige Prinzipien erfolgreicher Selbstständigkeit: die Bedeutung einer soliden Ausbildung, den Mut zum kreativen Start, die Kraft der Dokumentation und die Weisheit, Perfektion nicht zum Feind des Fortschritts werden zu lassen.

Ihr Weg vom Workshop in der heimischen Dusche zum etablierten Atelier im 6. Bezirk zeigt: Mit Leidenschaft, Ausdauer und der richtigen Balance zwischen Sicherheit und Risikobereitschaft lassen sich auch traditionelle Handwerke erfolgreich in die Moderne überführen.

Für alle, die mit einer eigenen Geschäftsidee liebäugeln, ist Pippas wichtigste Botschaft klar: “Better Done Than Perfect” – und einfach anfangen.

Übrigens: Falls du selbst mit einer handwerklichen oder kreativen Geschäftsidee spielst, unterstützen wir dich gerne in einem kostenlosen Gründungs-Checkup dabei, die richtige Strategie für deinen Start zu entwickeln!

Die Links

Kontakt zu Pippa Parragh:

  1. www.siebdruckatelier.at – Pippas Website
  2. Instagram-Account von Pippa
  3. LinkedIn-Profil von Pippa

Erwähntes Buch:

  • “Siebdruck zu Hause” von Pippa Parragh, erschienen im Verlag Hermann Schmidt (2021) (Amazon)

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#78: Ist Gründen mit 40 das neue 30?

Der Podcast

Ist Gründen mit 40 das neue 30? Der Trend der Midlife-Founder

Während Startups und junge Gründer medial viel Aufmerksamkeit bekommen, entwickelt sich still und leise ein anderer Trend: Immer mehr Menschen um die 40 machen sich selbstständig. Diese “Midlife-Founder” bringen andere Voraussetzungen mit als die typischen 20-jährigen Gründer – sowohl Herausforderungen als auch einzigartige Vorteile.

Das Phänomen der Midlife-Founder

Wer sind diese Menschen, die mitten in der Karriere noch einmal neu anfangen? Es sind oft erfolgreiche Angestellte zwischen 35 und 45 Jahren, die eine beachtliche Laufbahn hinter sich haben. Sie stehen an einem Punkt, wo sie sich fragen: “Wie geht es jetzt weiter? Was will ich noch vom Leben? Welche neuen Herausforderungen suche ich?”

Diese Gruppe zeichnet sich durch besondere Charakteristika aus:

  • Sie haben bereits Karriere gemacht und waren erfolgreich im Job
  • Die Selbstständigkeit schwirrt oft schon jahrelang im Kopf herum
  • Sie suchen neue Herausforderungen und mehr Sinnhaftigkeit
  • Oft kommen sie zu der Erkenntnis: “Das könnte ich selbst (besser) machen”

Die besonderen Herausforderungen

1. Die Lebenssituation

Mit 40 steckt man oft mitten in einer komplexen Lebensphase:

  • Kinder im schulpflichtigen Alter
  • Hausbau oder Immobilienfinanzierung
  • Etablierte Lebensstile und höhere Lebenshaltungskosten
  • Weniger Risikobereitschaft durch Verpflichtungen

Diese Faktoren machen es schwieriger, das Risiko einer Gründung einzugehen, besonders wenn gleichzeitig andere große finanzielle Belastungen anstehen.

2. Das “Angestellten-Mindset”

Nach 20 Jahren erfolgreicher Angestelltentätigkeit hat man bestimmte Spielregeln verinnerlicht:

  • Wie funktioniert Hierarchie?
  • Wie agiert man erfolgreich im Unternehmen?
  • Welche Verhaltensweisen führen zu Beförderungen?

Das Problem: In der Selbstständigkeit gelten völlig andere Regeln. Was einen 20 Jahre lang erfolgreich gemacht hat, kann in der Selbstständigkeit sogar hinderlich sein:

  • Kundenkommunikation funktioniert anders als interne Kommunikation
  • Selbstmanagement statt Fremdführung
  • Eigenverantwortung für alle Entscheidungen
  • Direkter Umgang mit Risiko und Unsicherheit

3. Der Neuanfang als “Lehrling”

Trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung muss man in vielen Bereichen wieder von vorn anfangen. Dieses “Umlernen” oder teilweise sogar “Verlernen” braucht Zeit und kann frustrierend sein, wenn die Dinge nicht so schnell vorangehen wie erhofft.

Die einzigartigen Vorteile

1. Ein reichhaltiger Fundus an Erfahrungen

20 Jahre Berufserfahrung sind ein enormer Schatz:

  • Branchenkenntnisse: Tiefes Verständnis für Marktmechanismen und Kundenbedürfnisse
  • Netzwerk: Connections zu Kunden, Kollegen, Lieferanten und Experten
  • Praktische Erfahrung: Wissen darüber, was funktioniert und was nicht

Besonders bei Gründungen innerhalb der bisherigen Branche ist dieser Vorsprung kaum zu überschätzen.

2. Substanz statt Spontaneität

Midlife-Founder gründen nicht auf Basis einer spontanen Idee vom Wochenende. Ihre Geschäftsideen haben oft jahrelang gereift und wurden durchdacht:

  • Langjährige Beobachtung von Marktlücken
  • Realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten
  • Durchdachte Herangehensweise statt “Trial and Error”

Diese Substanz gibt Gründungen eine solidere Basis als spontane Eingebungen.

3. Ruhe und Gelassenheit

Mit 40 muss man nicht mehr die Welt revolutionieren. Diese Gelassenheit bringt Vorteile:

  • Weniger Neigung zu überstürzten Entscheidungen
  • Realistischere Erwartungen an den Gründungsprozess
  • Fokus auf nachhaltige Lösungen statt schnelle Exits

4. Finanzielle Stabilität

Oft haben Midlife-Founder etwas angespart und stehen finanziell stabiler da:

  • Weniger unmittelbarer Umsatzdruck
  • Möglichkeit, die Gründung langfristiger zu planen
  • Puffer für die Anlaufphase

5. Das perfekte Timing

Aus zeitlicher Sicht ist das Alter um die 40 oft ideal:

  • Bei einem Scheitern bleiben noch 10-15 Jahre für einen Neustart im Angestelltenverhältnis
  • Die Kinder werden selbstständiger und brauchen weniger intensive Betreuung
  • Gesundheitlich und energetisch noch voll leistungsfähig

Warum gerade jetzt?

Die Frage “Wann, wenn nicht jetzt?” wird mit 40 besonders relevant. Drei bis fünf Jahre für einen Gründungsversuch sind im Verhältnis zur Gesamtlaufbahn überschaubar – etwa so lang wie eine Ausbildung oder ein berufsbegleitendes Studium.

Gleichzeitig wächst oft der innere Drang nach mehr Selbstbestimmung:

  • “Für wen arbeite ich hier eigentlich?”
  • “Was tue ich hier wirklich?”
  • “Könnte ich das nicht besser?”

Diese Sinnfragen werden mit zunehmendem Alter drängender und finden in der Selbstständigkeit oft eine Antwort.

Der unterschätzte Trend

Midlife-Founder sind weniger sichtbar als die medial gehypten jungen Startup-Gründer, aber sie sind zahlreich und oft sehr erfolgreich. Sie gründen typischerweise:

  • Beratungsunternehmen in ihrer Branche
  • Spezialisierte Dienstleistungen
  • Handwerksbetriebe mit innovativen Ansätzen
  • Soziale oder nachhaltige Projekte

Diese Gründungen sind oft weniger spektakulär, aber nachhaltiger und profitabler als manches Startup.

Besondere Zielgruppen bei Midlife-Foundern

Besonders häufig gründen:

  • Frauen nach der Familienphase: Wenn die Kinder älter werden, entstehen neue Möglichkeiten, frühere Interessen oder Ausbildungen zu reaktivieren
  • Fachexperten: Menschen, die in ihrer Branche zu Experten geworden sind und diese Expertise selbstständig vermarkten wollen
  • Führungskräfte: Ehemalige Manager, die ihre Führungserfahrung in eigene Beratungsunternehmen einbringen

Selbstständigkeit als Lebenserfahrung

Ein wichtiger Aspekt: Sich selbstständig zu machen ist eines der intensivsten Selbsterfahrungsprogramme überhaupt. Man lernt sich selbst in einer Art kennen, die kein Coaching oder Klettergarten erreichen kann. Diese Erfahrung ist wertvoll – unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg.

Praktische Überlegungen für Midlife-Founder

Wenn du zu dieser Gruppe gehörst oder darüber nachdenkst, beachte folgende Punkte:

  1. Finanzplanung: Plane konservativer als ein 25-Jähriger – du hast mehr Verpflichtungen
  2. Timing: Vermeide parallele große Lebensereignisse (Hausbau, Familiengründung)
  3. Netzwerk nutzen: Deine 20 Jahre Berufserfahrung sind Gold wert – nutze sie
  4. Umlernen einplanen: Rechne damit, dass vieles anders läuft als im Angestelltenverhältnis
  5. Familie einbeziehen: Sorge für Unterstützung im privaten Umfeld

Ein Wort zum Schluss

Der Trend der Midlife-Founder zeigt: Es ist nie zu spät für einen Neuanfang. Die Kombination aus Erfahrung, Gelassenheit und dem Mut, noch einmal etwas Neues zu wagen, kann zu besonders nachhaltigen und erfüllenden Gründungen führen.

Gründen mit 40 ist vielleicht tatsächlich das neue 30 – nur mit mehr Substanz, besserer Vorbereitung und einem solideren Fundament. Wenn du schon länger mit dem Gedanken spielst: Vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup besprechen wir gerne mit dir, wie sich deine jahrelange Berufserfahrung optimal in eine Gründung einbringen lässt und welche spezifischen Herausforderungen und Chancen sich in deiner Lebenssituation ergeben!

Die Links

Podcast Folge #21: Bin ich zu jung zum Gründen?

Podcast Folge #76: Wie halte ich die Angst vor dem Scheitern in Schach?

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#77: Wie starte ich ein Unternehmen mit wenig Kapital?

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Wie starte ich ein Unternehmen mit wenig Kapital?

Die Frage nach dem nötigen Startkapital beschäftigt fast alle angehenden Gründer. Während manche von Anfang an über Kredite oder Investoren nachdenken, um ihr Vorhaben zu finanzieren, lohnt es sich, zunächst einen Schritt zurückzutreten und grundsätzlich zu überlegen: Brauche ich wirklich viel Kapital für meine Geschäftsidee? Die Antwort könnte überraschend ausfallen.

Die passende Größe für deine Geschäftsidee finden

Jede Geschäftsidee hat eine natürliche, passende Größe. Ein Grafikdesigner kann als Solopreneur starten, zu zweit arbeiten oder eine große Agentur aufbauen. Ein Flughafen hingegen lässt sich nicht “klein” anfangen – hier ist von vornherein eine bestimmte Infrastruktur und damit ein hohes Kapital erforderlich.

Das Geheimnis liegt darin, die zu deinen aktuellen Möglichkeiten passende Größe zu finden. Wenn deine Geschäftsidee zwingend viel Kapital benötigt, du aber nur wenig zur Verfügung hast, ist möglicherweise die Idee zu groß für deine derzeitige Situation – nicht umgekehrt.

Die Risiken von zu viel Fremdkapital am Start

Gerade in der Gründungsphase, wenn noch nicht bewiesen ist, dass die Geschäftsidee funktioniert, kann zu viel Fremdkapital problematisch werden:

Das neue Hamsterrad

Wer von Beginn an hohe Fixkosten durch Kredite, Mieten oder Leasingraten hat, baut sich möglicherweise ein neues Hamsterrad. Die Flexibilität, die eigentlich ein Hauptvorteil der Selbstständigkeit ist, geht verloren, weil jeden Monat bestimmte Summen erwirtschaftet werden müssen.

Druck statt Kreativität

Hohe Fixkosten erzeugen Druck. Statt kreativ und experimentell an die Geschäftsentwicklung heranzugehen, stehen Gründer unter dem Zwang, schnell Umsätze zu generieren – oft nicht die beste Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg.

Unvorhergesehene Krisen

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie schnell sich Märkte verändern können. Gründer mit hohen Fixkosten standen plötzlich vor existenziellen Problemen, während flexiblere Solo-Businesses oft besser durch die Krise navigieren konnten.

Zwei strategische Ansätze

Wenn du vor der Frage stehst, wie du mit wenig Kapital starten kannst, gibt es grundsätzlich zwei Wege:

Ansatz 1: Die Geschäftsidee verkleinern (Downscaling)

Überlege, ob sich deine Idee in einer kleineren, kapitalarmen Variante umsetzen lässt:

  • Statt einem eigenen Café vielleicht zunächst ein mobiler Kaffeestand
  • Statt einem großen Lager zunächst Drop-Shipping oder Just-in-Time-Lieferung
  • Statt einem eigenen Büro zunächst Homeoffice oder Coworking

Ansatz 2: Kapital beschaffen

Wenn sich die Geschäftsidee nicht sinnvoll verkleinern lässt, führt kein Weg daran vorbei, das nötige Kapital zu beschaffen.

Förderungen: Der oft übersehene Weg

Bevor du an Kredite oder Investoren denkst, solltest du Fördermöglichkeiten prüfen. In Österreich gibt es verschiedene Anlaufstellen:

  • Wirtschaftskammer: Erste Anlaufstelle für Informationen
  • Wirtschaftsagenturen der Länder
  • AWS (Austria Wirtschaftsservice): Förderungen für innovative Projekte
  • FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft): Speziell für forschungsintensive Vorhaben

Was wird typischerweise gefördert?

  • Investitionen in Infrastruktur (Lokale, Maschinen)
  • Anlagevermögen
  • Konkrete, greifbare Investitionen

Wichtiger Hinweis: Förderungen gibt es nicht einfach “fürs Gründen”, sondern für spezifische Investitionen und Projekte.

Vorsicht bei Förderungen

Förderungen haben auch ihre Kehrseiten:

  • Bürokratischer Aufwand
  • Förderrichtlinien müssen erfüllt werden
  • Steuerliche Behandlung variiert
  • Nicht alle Förderungen sind steuerfrei

Kredite vs. Investoren: Ein wichtiger Unterschied

Wenn Förderungen nicht ausreichen und zusätzliches Kapital benötigt wird, stehen zwei Hauptoptionen zur Verfügung:

Bankkredite: Der pragmatische Weg

Vorteile:

  • Einfacher Deal: Geld gegen Zinsen
  • Bank mischt sich nicht ins Geschäft ein
  • Volle unternehmerische Kontrolle bleibt erhalten
  • In Österreich der absolut übliche Finanzierungsweg (90-95% aller Finanzierungen)
  • Planbare Kosten durch feste Zinssätze

Nachteile:

  • Regelmäßige Rückzahlungen nötig
  • Eventuell Sicherheiten erforderlich
  • Zusätzliche Fixkosten

Investoren: Der komplizierte Weg

Nachteile:

  • Investoren wollen mitreden
  • Anteile müssen abgegeben werden
  • Komplexe Verträge und Abhängigkeiten
  • Schwer wieder “loszuwerden”
  • Mögliche Interessenskonflikte

Wann sinnvoll: Investoren sind hauptsächlich für Geschäftsmodelle sinnvoll, die sehr kapitalintensiv sind und schnell skalieren sollen – typischerweise Tech-Startups mit Wachstumspotenzial.

Der Stufenplan: Eine Geschäftsidee finanziert die nächste

Ein kreativer Ansatz ist der stufenweise Aufbau:

  1. Stufe 1: Mit vorhandenem Know-how und geringem Kapital eine erste Geschäftstätigkeit starten
  2. Stufe 2: Mit den Erlösen aus Stufe 1 die nächste, größere Geschäftsidee finanzieren
  3. Stufe 3: Schritt für Schritt zum ursprünglich geplanten Ziel

Beispiel: Anstatt sofort ein Restaurant zu eröffnen, könnte man zunächst als Caterer starten, später einen Food-Truck betreiben und schließlich das Restaurant realisieren.

Praktische Schritte für kapitalarme Gründungen

  1. Ehrliche Größeneinschätzung: Welche Mindestgröße braucht deine Geschäftsidee wirklich?
  2. Kreative Verkleinerung: Wie lässt sich die Idee mit weniger Kapital umsetzen?
    • Digitale statt physische Produkte
    • Services statt Produkte
    • Outsourcing statt eigene Infrastruktur
  3. Förderungsrecherche: Systematische Prüfung aller Fördermöglichkeiten
  4. Lean Startup Methoden: Mit minimalen Mitteln testen, ob die Idee funktioniert
  5. Partnerschaften: Kooperationen statt Konkurrenz – gemeinsam nutzen statt einzeln kaufen

Die Realität akzeptieren

Manche Geschäftsideen lassen sich einfach nicht mit wenig Kapital umsetzen. Ein Kaffeehaus schrittweise aus eigenen Mitteln aufzubauen, wird nicht funktionieren. In solchen Fällen sind nur drei Optionen realistisch:

  1. Das nötige Kapital beschaffen (Förderungen, Kredite)
  2. Partner mit Kapital ins Boot holen
  3. Die Idee (vorerst) nicht verfolgen

Ein Wort zum Schluss

Die Frage “Wie starte ich mit wenig Kapital?” lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt stark von der spezifischen Geschäftsidee ab. Der Schlüssel liegt darin, ehrlich zu bewerten, was wirklich nötig ist und was nur “nice to have”.

Oft zeigt sich: Viele Geschäftsideen lassen sich kleiner und kapitalarmer starten als zunächst gedacht. Die Kunst liegt darin, den Kern der Idee zu bewahren, während man die Ausführung an die verfügbaren Ressourcen anpasst.

Denke daran: Jedes große Unternehmen hat einmal klein angefangen. Manchmal ist der bescheidene Start sogar ein Vorteil – er zwingt zur Kreativität, hält die Kosten niedrig und bewahrt die Flexibilität, die gerade in der Anfangsphase so wertvoll ist.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup helfen wir dir gerne dabei, die richtige Größe für deine Geschäftsidee zu finden und realistische Finanzierungsoptionen zu entwickeln. Gemeinsam schauen wir, wie sich deine Vision mit deinen aktuellen Möglichkeiten bestmöglich in Einklang bringen lässt!

Die Links

Podcast Folge #48: Gründen ohne Eigenkapital: Geht das?

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#76: Wie halte ich die Angst vor dem Scheitern in Schach?

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Wie halte ich die Angst vor dem Scheitern in Schach?

Die Angst vor dem Scheitern ist wohl eine der universellsten Erfahrungen im Gründungsprozess. Sie beginnt oft schon bei den ersten Gedanken an die Selbstständigkeit und kann uns während der gesamten unternehmerischen Reise begleiten. Diese Angst ist aber nicht nur normal – sie ist sogar ein Zeichen dafür, dass uns unser Vorhaben wichtig ist. Die Frage ist: Wie gehen wir konstruktiv mit ihr um?

Angst und Euphorie: Das untrennbare Paar

Ein wichtiger erster Schritt ist das Verständnis, dass Angst und Euphorie zusammengehören. In dem Moment, wo wir uns für eine Geschäftsidee begeistern und denken “Das ist eine großartige Sache, das möchte ich machen!”, meldet sich meist eine kleine Stimme: “Ja, aber was, wenn es doch nicht funktioniert?”

Diese Dynamik ist völlig natürlich. Glauben und Zweifel sind Zwillingsbrüder – sie ergänzen sich und wechseln sich ab. Der Zweifel kann sogar produktiv sein, wenn er uns dazu bringt, unsere Ideen kritisch zu hinterfragen und durchzudenken. Problematisch wird er erst, wenn er uns lähmt oder in Panik versetzt.

Strategischer Umgang: Management-Techniken nutzen

Ein bewährter Ansatz im Umgang mit der Angst vor dem Scheitern ist die Anwendung von Management-Techniken – ähnlich wie sie in etablierten Unternehmen verwendet werden:

1. Risikomanagement und Szenarioplanung

  • Erstelle verschiedene Szenarien: Was ist der Best Case, was der Worst Case?
  • Entwickle für jedes Szenario konkrete Maßnahmen (Plan A, B, C)
  • Notiere dir diese Überlegungen schriftlich – so hast du sie in schwierigen Momenten zur Hand

2. Der “leistbare Verlust” (aus der Effectuation-Theorie)

Frage dich: Was setze ich wirklich aufs Spiel? Was wäre, wenn dieses Investment verloren wäre? Würde mich das “umbringen”? Meist lautet die Antwort: Nein. Diese Erkenntnis kann sehr befreiend wirken.

3. Salami-Taktik

Statt alles auf eine Karte zu setzen, wage dich schrittweise weiter hinaus. Teste deine Idee in kleinen Schritten und reduziere so das Gesamtrisiko.

Der psychologische Aspekt: Wann und warum die Angst besonders stark wird

Die Angst vor dem Scheitern meldet sich nicht konstant, sondern zu bestimmten Zeitpunkten besonders intensiv:

  • An müden, anstrengenden Tagen
  • Nach schlechten Erfahrungen mit Kunden
  • Wenn Dinge nicht wie geplant laufen
  • In emotionalen Tiefphasen

In solchen Momenten ist es wichtig, nicht aus der Emotion heraus zu handeln. Hier helfen die bereits erarbeiteten Pläne und Szenarien – sie verhindern, dass wir in Panik verfallen und überstürzte Entscheidungen treffen.

Die Kraft des Gesprächs: Mit wem reden?

Über die eigenen Ängste und Zweifel zu sprechen, kann sehr entlastend sein. Doch Vorsicht: Mit wem du sprichst, macht einen großen Unterschied.

Wenig hilfreich sind:

  • Oberflächliche Motivationssprüche (“Es wird schon alles gut”)
  • Gespräche mit Menschen ohne unternehmerische Erfahrung
  • Personen, die deine Sorgen nicht ernst nehmen

Wirklich hilfreich sind:

  • Andere Selbstständige, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben
  • Menschen aus dem Gründer- und Unternehmerumfeld
  • Professionelle Berater oder Coaches mit systemischem Hintergrund
  • Sparringspartner, die reflektiert nachfragen und dir helfen, deine Ängste zu durchleuchten

Wenn die Angst berechtigt ist: Ein wichtiger Hinweis

Manchmal kann die Angst vor dem Scheitern auch ein berechtigtes Signal sein – nämlich dann, wenn die Geschäftsidee tatsächlich noch nicht ausgereift ist. Nicht jede Angst sollte “weggemanagt” werden. Wenn sich beim intensiven Durchdenken einer Idee alles in dir sträubt und du keine solide Basis erkennst, kann das ein Hinweis darauf sein, dass noch wichtige Elemente fehlen.

Der Rat lautet dann nicht “Sei einfach mutiger”, sondern: Arbeite weiter an deiner Idee, hole dir Expertise, tausche dich aus und schaffe eine bessere Grundlage für dein Vorhaben.

Was bedeutet “Scheitern” eigentlich?

Ein wichtiger Schritt im Umgang mit der Angst ist es, sich klar zu machen, was “Scheitern” konkret bedeuten würde. Bei einem Solo-Business in Österreich ist das oft weniger dramatisch als befürchtet:

  • Gewerbeschein abmelden
  • Finanzamt und Sozialversicherung informieren
  • Bei vorheriger Anstellung: Anspruch auf Arbeitslosengeld

Das Sicherheitsnetz in Österreich ist relativ engmaschig. Ein gescheiterter Gründungsversuch ist kein Weltuntergang, sondern ein Lernprozess, der neue Möglichkeiten eröffnen kann.

Mut: Die entscheidende Zutat

Letztendlich ist Mut die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiches Unternehmertum. Nicht, weil erfolgreiche Unternehmer keine Angst hätten, sondern weil sie trotz der Angst handeln. Sie haben verstanden, dass Sicherheit im klassischen Sinne beim Gründen nicht existiert – wir planen immer in eine unsichere Zukunft hinein.

Der beste Weg, mit einer Angst umzugehen, ist oft: durch sie hindurchzugehen. Das bedeutet nicht, blindlings zu handeln, sondern trotz berechtigter Sorgen den nächsten Schritt zu wagen – allerdings auf einer guten Vorbereitung aufbauend.

Praktische Schritte zur Angstbewältigung

  1. Vorbereitung maximieren: Nutze die Zeit vor der Gründung, um dich so gut wie möglich zu informieren und vorzubereiten
  2. Szenarien durchdenken: Erstelle konkrete Pläne für verschiedene Entwicklungen
  3. Risiken managen: Identifiziere managbare Risiken und entwickle Gegenmaßnahmen
  4. Netzwerk aufbauen: Suche dir Gesprächspartner mit unternehmerischer Erfahrung
  5. Realistische Einschätzung: Mache dir bewusst, was im schlimmsten Fall wirklich passieren würde
  6. Schrittweise vorgehen: Teste deine Idee in kleinen Schritten, statt alles auf einmal zu riskieren

Eine Restangst bleibt – und das ist gut so

Wichtig ist die Erkenntnis: Eine gewisse Restangst wirst du nie komplett loswerden. Das ist auch gut so, denn sie hält dich wachsam und verhindert Leichtsinn. Die Kunst liegt darin, diese Angst zu respektieren, ohne sich von ihr lähmen zu lassen.

Nach einem guten Gespräch, einer Nacht Schlaf oder einfach einem schönen Erlebnis sieht die Welt oft schon wieder viel freundlicher aus. Dann kann der Mut wieder wachsen für den nächsten Schritt auf deiner unternehmerischen Reise.

Ein Wort zum Schluss

Die Angst vor dem Scheitern ist ein natürlicher Begleiter im Gründungsprozess. Statt sie zu ignorieren oder zu verdrängen, können wir sie als Hinweis ernst nehmen: auf die Bedeutung unseres Vorhabens und auf Bereiche, die noch unsere Aufmerksamkeit brauchen.

Mit der richtigen Mischung aus sorgfältiger Vorbereitung, professioneller Herangehensweise und dem Mut, trotz Unsicherheit zu handeln, wird aus der lähmenden Angst ein produktiver Antrieb für eine gut durchdachte Gründung.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup helfen wir dir gerne dabei, deine Ängste und Sorgen zu reflektieren und einen realistischen Plan für deine Gründung zu entwickeln. Manchmal braucht es nur das Gespräch mit erfahrenen Beratern, um aus lähmender Angst produktive Vorbereitung zu machen.

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Folge #70: Wann soll ich noch durchhalten, und wann bin ich schon wahnsinnig?

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#75: Selbstständig mit Herz und Haltung – im Gespräch mit Anne Matthes

Der Podcast

Folge deinem Herzen, vertraue dem Prozess: Einblicke in eine erfolgreiche Gründungsreise

Manchmal sind es die ganz persönlichen Geschichten, die uns am meisten über das Gründen lehren. Anne Matthes, Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin sowie Yogalehrerin, hat ihren Weg in die Selbstständigkeit gefunden – zweimal sogar. Im Gespräch teilt sie wertvolle Einsichten über Werte, Vertrauen in den eigenen Prozess und die Kunst, sich nicht unter Wert zu verkaufen.

Von Chile nach Österreich: Zwei Gründungen, zwei Welten

Annes unternehmerische Reise begann eher zufällig in Santiago, Chile, wo sie zusammen mit ihrem damaligen Partner private Touren anbot – keine gewöhnlichen Sightseeing-Touren, sondern Erlebnisse mit Live-Cooking, Musik und individueller Betreuung. “Es ging halt wirklich um Erlebnis”, erzählt Anne. Diese erste Selbstständigkeit war spontan entstanden, aber sie vermittelte ihr einen wichtigen Geschmack: die Freiheit der Selbstbestimmung.

Zurück in Österreich folgte zunächst ein Angestelltenverhältnis. Doch die Strukturen ließen ihr keinen Raum zur Entfaltung. “Ich war einfach diese Strukturen, die konnte ich einfach nicht mehr so für mich vereinbaren”, reflektiert sie. Der Wunsch nach Freiheit war stärker – diesmal aber mit einem klaren Plan.

Die Mission: Kinder von innen heraus stärken

Annes Weg zu ihrer heutigen Tätigkeit als Resilienztrainerin begann durch ihre Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. “Ich bin schnell auf den Punkt gekommen, dass die halt sehr viele psychische Probleme schon haben und das in dem jungen Alter”, erklärt sie. Diese Beobachtung ließ sie nicht los: Wie können Kinder mental stark ins Leben starten?

Die Antwort fand sie in der Mobbingprävention und dem Resilienztraining. Ihr Ansatz: Kinder bereits im frühen Alter von innen heraus zu stärken, ihnen Handwerkszeug für den Umgang mit Konflikten zu geben und sie gegen Beleidigungen und schwierige Situationen zu wappnen.

Heute arbeitet Anne unter dem Namen “Unverwüstlich” auf zwei Säulen:

  • Roots and Wings: Selbstbehauptungs- und Resilienztraining für Kinder und Jugendliche
  • Soul and Flow: Yoga und Sound-Healing für Erwachsene

Gründen in Corona-Zeiten: Herausforderungen und Chancen

Anne startete ihre zweite Gründung während der Corona-Pandemie – eine Zeit, die für viele Gründer besondere Herausforderungen mit sich brachte. Workshops fanden nur digital statt, der persönliche Austausch fehlte. Doch Anne ließ sich nicht entmutigen. Stattdessen schuf sie sogar selbst eine Lösung: den UGP-Stammtisch (Unternehmensgründungsprogramm-Stammtisch), um Gründer miteinander zu vernetzen.

“Wir haben uns ja bei diesen Workshops getroffen und dann ist es einfach so ins Nichts verlaufen”, beschreibt sie die Ausgangssituation. Der Stammtisch wurde zu einem moderierten Austauschformat mit verschiedenen Themenschwerpunkten – von Elevator-Pitch-Tests bis hin zum gemeinsamen Feiern von Erfolgen.

Der Schlüssel: Bei den eigenen Werten bleiben

Ein zentraler Punkt in Annes Gründungsphilosophie ist die Werteorientierung. “Es ist enorm wichtig, seine Werte festzulegen. Also was möchte ich eigentlich? Was ist mir wichtig?”, betont sie. Diese Klarheit über die eigenen Werte hilft nicht nur bei wichtigen Entscheidungen, sondern auch dabei, sich nicht von den zahllosen Möglichkeiten und äußeren Einflüssen ablenken zu lassen.

Für Anne bedeutet Erfolg in erster Linie Freiheit – nicht primär Geld, sondern die Freiheit, jeden Tag selbst zu entscheiden, wann sie was tut, und auch die Möglichkeit zu haben, zu reisen und das Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Social Media: Wenn der Schuh nicht passt

Ein interessantes Beispiel für die Bedeutung der Werteorientierung ist Annes Umgang mit Social Media. “Ich habe das mit Social Media, da habe ich ja voll gestart erst und auch jedes Mal wieder einen Post gemacht. Aber es hat mich so viel Zeit gekostet, aber auch Kraft”, erzählt sie. Obwohl Social Media für viele Unternehmen funktioniert, erkannte Anne, dass es für sie nicht der richtige Weg war.

“Ich glaube immer, wenn Anstrengung, also viel Anstrengung ist, dann ist es nicht das Richtige”, ist ihre Erkenntnis. Diese Haltung zeigt: Erfolgreiche Selbstständigkeit bedeutet nicht, alle gängigen Marketing-Methoden zu kopieren, sondern die zu finden, die zur eigenen Persönlichkeit und zu den eigenen Werten passen.

Unternehmerische Resilienz: Flexibel, aber nicht beliebig

Als Resilienztrainerin wendet Anne ihre Expertise auch auf das Unternehmertum an. Die Kunst liegt darin, wie ein Bambus zu sein – flexibel, aber nicht beliebig. “Man sollte schon seinem Weg gehen, aber trotzdem sollte ich natürlich nach links und rechts schauen, eben um den Fluss überhaupt mitzubekommen”, erklärt sie.

Diese unternehmerische Resilienz zeigt sich auch in ihrer Haltung gegenüber Herausforderungen. Für Anne sind Unsicherheiten und Schritte aus der Komfortzone natürliche Bestandteile des Wachstums: “Was habe ich zu gewinnen und was habe ich zu verlieren? […] Es stecken einfach nur Chancen hinter so einen Schritt, den Schritt in die Unsicherheit quasi.”

Der Wert der eigenen Arbeit: Nicht unter Wert verkaufen

Eine der wichtigsten Lektionen aus ihrer ersten Gründung war die Erkenntnis, sich nicht unter Wert zu verkaufen. “Wir haben den Fehler gemacht, uns sehr unter Wert zu verkaufen, also um erstmal Kunden zu gewinnen”, reflektiert Anne. Der Gedanke, zunächst günstig zu sein und später die Preise zu erhöhen, erwies sich als Trugschluss.

Heute weiß sie: “Du wirst die richtigen Kunden finden, die auch das Geld investieren in dich, wenn du dir selber das wert bist.” Dahinter steht oft ein tiefer liegendes Thema: die eigene Selbstwertarbeit. Wer den eigenen Wert nicht erkennt, kann ihn auch anderen nicht vermitteln.

Vertrauen in den Prozess

Ein wiederkehrendes Thema in Annes Geschichte ist das Vertrauen in den eigenen Prozess. Während ihrer Gründungsphase machte sie eine Reise nach Australien – ein Schritt, den viele als “verrückt” bezeichnet hätten, da ihr Unternehmen noch nicht etabliert war.

Doch diese Auszeit erwies sich als wertvoll: “Als ich aus Australien zurückkam, haben diese Samen, die ich gesät hatte vor der Reise, dann angefangen zu wachsen.” Gleichzeitig gewann sie durch die Distanz eine neue Perspektive auf ihren Gründungsprozess und konnte die bereits erreichten Meilensteine würdigen.

Praktische Tipps für Gründer

Aus ihrer Erfahrung als Resilienztrainerin und Gründerin gibt Anne konkrete Empfehlungen:

  1. Wertearbeit leisten: Mit Hilfe von Wertelisten die eigenen Kernwerte identifizieren
  2. Ruhe und Abstand schaffen: Sich bewusst Inseln der Ruhe gönnen, um in sich hineinzuhören
  3. Bei sich bleiben: Nicht alle Trends mitmachen, sondern schauen, was wirklich zur eigenen Persönlichkeit passt
  4. Chancen in Herausforderungen sehen: Fragen “Was habe ich zu gewinnen?” statt nur auf Risiken zu fokussieren

Annes Drei-Punkte-Tipp für Gründer

Zum Abschluss fasst Anne ihre wichtigsten Erkenntnisse in drei Punkten zusammen:

  1. Folge deinem Herzen: Authentizität ist der Schlüssel zu nachhaltiger Selbstständigkeit
  2. Vertraue dem Prozess: Nicht alles läuft nach Plan, aber oft entwickeln sich die Dinge besser als gedacht
  3. Verkaufe dich nicht unter Wert: Wer den eigenen Wert nicht erkennt, kann ihn auch anderen nicht vermitteln

Ein Wort zum Schluss

Annes Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass erfolgreiche Selbstständigkeit nicht nur eine Frage der richtigen Strategie oder Technik ist, sondern vor allem eine Frage der inneren Haltung. Wer seine Werte kennt, dem eigenen Prozess vertraut und sich dabei nicht unter Wert verkauft, schafft die Grundlage für eine erfüllende und erfolgreiche Selbstständigkeit.

Ihre Entwicklung von “Unverwüstlich” – ursprünglich kantig und stark – hin zu einem Unternehmen mit zwei Säulen, das auch weiche, runde Aspekte integriert, zeigt außerdem: Solo-Businesses können und dürfen sich entwickeln, solange sie authentisch bleiben.

Für alle, die sich gerade auf dem Weg in die Selbstständigkeit befinden oder bereits mittendrin sind: Manchmal ist es wichtig, einen Schritt zurückzutreten, auf die eigenen Werte zu hören und dem eigenen Prozess zu vertrauen. Die Früchte kommen oft dann, wenn man sie am wenigsten erwartet.

Übrigens: Falls du Unterstützung bei der Klärung deiner eigenen Werte und deines Weges in die Selbstständigkeit suchst, bieten wir gerne einen kostenlosen Gründungs-Checkup an. Gemeinsam können wir schauen, wie du deinen authentischen Weg findest und dabei erfolgreich wirst!

Die Links

Anne Matthes’ Website, auf der sie ihre zwei Geschäftsbereiche vorstellt:

  • “Roots and Wings” (Selbstbehauptung und Resilienz)
  • “Soul and Flow” (Yoga und Sound)

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#74: Wie finde ich meine ersten zahlenden Kunden?

Der Podcast

Wie finde ich meine ersten zahlenden Kunden?

Die Frage nach den ersten zahlenden Kunden ist eine der kritischsten für Gründerinnen und Gründer. Während die meisten Aspekte der Unternehmensgründung planbar sind – vom Gewerbeschein bis zur Website – bleibt die Kundengewinnung oft ein mysteriöses Terrain. Dabei entscheidet gerade dieser Faktor maßgeblich über den Erfolg deines Starts in die Selbstständigkeit.

Die Kundenherausforderung: Zwei Seiten einer Medaille

Interessanterweise kann sowohl das Fehlen als auch das Vorhandensein erster Kunden beim Start eine Herausforderung darstellen:

Szenario 1: Kein Kunde beim Start

Viele Gründungen verlaufen zunächst nach Plan: Gewerbeanmeldung, Webseite, Visitenkarten – alles ist vorbereitet. Doch dann folgt die Stille. Keine Anfragen, keine Aufträge, keine Einnahmen. Diese Situation erzeugt nicht nur finanziellen Druck, sondern nagt auch am Selbstvertrauen: War die Geschäftsidee vielleicht doch nicht so gut?

Szenario 2: Bereits ein Kunde beim Start

Das scheinbar ideale Szenario – direkt mit einem zahlenden Kunden zu starten – birgt eigene Tücken. Wenn du dich zu stark auf diesen ersten Kunden konzentrierst und dein Angebot zu speziell darauf zuschneidest, stellst du möglicherweise erst nach Abschluss des Projekts fest, dass du keine klare Strategie für die Gewinnung weiterer Kunden hast. Du stehst dann, bildlich gesprochen, “im Tal ohne Ausrüstung für den nächsten Berg”.

Wo kommen die ersten Kunden wirklich her?

Die Erfahrung zeigt: Die ersten zahlenden Kunden kommen fast immer aus dem erweiterten persönlichen Umfeld. Aber Vorsicht – es gibt hier wichtige Unterscheidungen:

Nicht ideale Erstkundenmärkte:

  • Familie: Sie möchten dich unterstützen, sind aber selten objektiv und repräsentieren selten deine echte Zielgruppe
  • Enge Freunde: Ähnlich wie bei der Familie fehlt hier oft die kritische Distanz

Der ideale Nährboden für erste Kunden:

  • “Weak Ties” – die schwachen Bindungen: Diese Kontakte sind das Gold wert für deine ersten Kunden
    • Ehemalige Arbeitskollegen
    • Frühere Schulkollegen oder Studienkollegen
    • Vereinsmitglieder
    • Geschäftspartner aus früheren Projekten
    • Bekannte aus dem weiteren sozialen Umfeld

Diese “schwachen Bindungen” haben entscheidende Vorteile: Sie kennen und schätzen dich bereits, sind aber distanziert genug, um objektiv zu entscheiden, ob sie dein Angebot wirklich brauchen.

Der Schlüssel: Klarheit und Wiederholung

Um dein erweitertes Netzwerk effektiv zu nutzen, sind zwei Faktoren entscheidend:

1. Klarheit in deiner Botschaft

Je klarer du ausdrücken kannst, was genau du anbietest und für wen, desto einfacher ist es für andere, dich weiterzuempfehlen. Unklare oder komplizierte Botschaften werden durch “stille Post” noch verwässert, bis sie beim potenziellen Kunden ankommen.

2. Konsequente Wiederholung

Ein häufiger Fehler: Gründer erwähnen ihre Geschäftsidee ein- oder zweimal und wundern sich, warum nichts passiert. Die Wahrheit ist:

  • Das menschliche Gehirn braucht Wiederholung, um Informationen zu verankern
  • Deine Kontakte sind mit ihrem eigenen Leben beschäftigt und nehmen neue Informationen nur bruchstückhaft auf
  • Erst wenn du deine Botschaft so oft wiederholt hast, dass es dir “zum Hals raushängt”, beginnt sie bei anderen anzukommen

Ein Marketing-Grundsatz besagt: Wenn du denkst, dass jeder deine Botschaft kennt, haben die meisten sie gerade zum ersten Mal richtig wahrgenommen.

Der “Elterntest” als praktische Methode

Ein einfacher, aber effektiver Test zur Überprüfung deiner Kommunikationsklarheit ist der “Elterntest”:

Könnten deine Eltern einem Nachbarn korrekt erklären, was du beruflich machst?

Wenn ja, ist deine Botschaft klar genug. Wenn nicht, arbeitest du weiter an der Vereinfachung und Präzisierung.

Diese Methode funktioniert, weil sie den schwierigsten Fall simuliert: Menschen, die zwar wohlwollend, aber oft nicht tief in deiner Branche verankert sind, sollen dein Angebot verstehen und weitergeben können.

Jedes Gespräch ist eine Gelegenheit

Selbst wenn ein potenzieller Kunde nicht direkt zu einem Auftrag führt, kann jedes Gespräch wertvoll sein:

  • Die Person kann dich später weiterempfehlen
  • Du erhältst wertvolles Feedback zu deinem Angebot
  • Dein Netzwerk erweitert sich mit jedem Kontakt

Betrachte jedes Gespräch als Gelegenheit, nicht nur für direkte Geschäfte, sondern auch für die Erweiterung deines Netzwerks und die Verfeinerung deiner Botschaft.

Konkurrenten als potenzielle Türöffner

Ein oft übersehener Weg zu ersten Kunden führt über vermeintliche Konkurrenten. Etablierte Anbieter in deiner Branche können überraschende Verbündete sein:

  • Sie haben möglicherweise mehr Anfragen, als sie bewältigen können
  • Manche Kundenanfragen passen nicht ideal zu ihrem Angebot, aber vielleicht perfekt zu deinem
  • Sie spezialisieren sich möglicherweise auf andere Bereiche als du

Statt Konkurrenzdenken kann eine kooperative Haltung den Weg zu deinen ersten Kunden ebnen. Frage dich: “Wie kann ich anderen Anbietern in meiner Branche nützlich sein?”

Praktische Schritte zur Gewinnung erster Kunden

  1. Kartiere dein erweitertes Netzwerk: Erstelle eine Liste deiner “Weak Ties” – all jener Menschen, die dich kennen, aber nicht zu deinem engsten Kreis gehören
  2. Formuliere deine Botschaft glasklar: Arbeite so lange an deiner Selbstbeschreibung, bis sie in ein bis zwei Sätzen verständlich ist
  3. Teile konsequent und wiederholt: Kommuniziere dein Angebot kontinuierlich in allen geeigneten Kanälen – persönlich, auf LinkedIn, bei Netzwerkveranstaltungen
  4. Entwickle ein Empfehlungssystem: Mache es deinem Netzwerk leicht, dich weiterzuempfehlen (z.B. durch klare Beschreibungen, die sie kopieren können)
  5. Überprüfe mit dem “Elterntest”: Frage regelmäßig nach, wie andere dein Angebot verstehen und ob sie es weitergeben könnten
  6. Suche aktiv nach Kooperationsmöglichkeiten: Identifiziere etablierte Anbieter in deiner Branche und überlege, wie eine Win-Win-Zusammenarbeit aussehen könnte

Ein Wort zum Schluss

Der Weg zu den ersten zahlenden Kunden ist selten eine gerade Linie. Es ist ein Prozess aus Kommunikation, Geduld und strategischer Netzwerkarbeit. Die gute Nachricht: Diese ersten Kunden sind der schwerste Teil. Sobald du einige zufriedene Kunden hast, werden diese zu deinen besten Werbeträgern und erleichtern die Gewinnung weiterer Aufträge erheblich.

Denke daran: Fast jedes erfolgreiche Unternehmen hat mit einem ersten, oft mühsam gewonnenen Kunden begonnen. Die Kunst besteht darin, diesen ersten Schritt nicht dem Zufall zu überlassen, sondern systematisch daran zu arbeiten – mit Klarheit, Ausdauer und dem richtigen Netzwerk.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup unterstützen wir dich gerne dabei, deine individuelle Strategie zur Kundengewinnung zu entwickeln. Gemeinsam analysieren wir dein Netzwerk, schärfen deine Botschaft und identifizieren die vielversprechendsten Wege zu deinen ersten zahlenden Kunden!

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#73: Wann ist meine Geschäftsidee reif?

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Wann ist meine Geschäftsidee reif für den Markt?

Eine der häufigsten Fragen, die Gründungsberater hören, ist: “Ist meine Geschäftsidee reif?” Diese Frage ist mehr als verständlich – immerhin steht dahinter der Wunsch nach Sicherheit und die Hoffnung, den perfekten Zeitpunkt für den Start zu finden. Doch gibt es diesen magischen Moment überhaupt? Und woran erkennt man, dass eine Geschäftsidee wirklich “reif” ist?

Die Illusion des perfekten Timings

Stellen wir zunächst etwas Wichtiges klar: Den idealen Zeitpunkt, wie beim Skispringen genau im perfekten Moment abzuspringen, gibt es in der Gründungswelt nicht. Wer darauf wartet, am 15. April 2025 um exakt 10:34 Uhr seine reife Idee zu präsentieren, wird möglicherweise nie starten.

Die Wahrheit ist: Eine Geschäftsidee reift nicht von selbst zur Perfektion, sondern durch einen bewussten Prozess der Auseinandersetzung, Anpassung und Konkretisierung. Und selbst mit bester Vorbereitung bleibt ein Restrisiko – denn der Markt, die Wirtschaft und das eigene Leben sind dynamische Größen, die sich ständig verändern.

Von der ersten Idee zum individualisierten Konzept

Viele Gründer leiden an der “Ersten-Idee-itis” – der Tendenz, die allererste Idee sofort umsetzen zu wollen. Doch gerade im Reifungsprozess liegt die Chance, aus einer guten Idee eine wirklich herausragende zu machen:

  • Über den ersten Einfall hinausdenken: Statt der erstbesten Idee zu folgen, lohnt es sich, ein- oder mehrmals “um die Ecke zu denken”
  • Persönliche Note entwickeln: Eine reife Geschäftsidee trägt deine individuelle Handschrift und wird nicht einfach kopiert
  • Vom Modell zum Maßanzug: Der Reifungsprozess verwandelt eine allgemeine Idee in einen auf dich zugeschnittenen “Maßanzug”

Eine gereifte Geschäftsidee ist eine, die du nicht nur umsetzen kannst, sondern die wirklich zu dir passt – zu deinen Werten, deinen Stärken und deinem angestrebten Lebensmodell.

Die Tomaten-Analogie: Nicht zu früh, nicht zu spät

Wie bei Tomaten (Paradeisern) gibt es für Geschäftsideen unterschiedliche Reifegrade:

  • Unreif/grün: Die Idee ist noch im Anfangsstadium, braucht Entwicklung
  • Reif: Die Idee hat ihre optimale Form erreicht
  • Überreif: Die Idee wurde zu lange zurückgehalten, der Markt hat sich möglicherweise schon verändert

Interessanterweise kann man aus einer “grünen” Idee bereits etwas machen – wie man auch aus grünen Tomaten bestimmte Gerichte zubereiten kann. Andererseits kann eine überreife Idee genau zum richtigen Zeitpunkt kommen, wenn der Markt gerade bereit dafür ist.

Die Kunst liegt darin, den für dich und deine spezifische Idee passenden Reifegrad zu finden.

Die Hummeln im Hintern: Das innere Signal

Ein deutliches Zeichen für die Reife einer Geschäftsidee ist das, was der bekannte Entrepreneurship-Professor Günther Faltin als “Hummeln im Hintern” bezeichnet – dieses innere Kribbeln und die kaum zu bändigende Ungeduld, endlich starten zu wollen.

Wenn du diese Kombination erlebst:

  • Du hast deine Idee von allen Seiten betrachtet und durchdacht
  • Du findest keine fundamentalen Schwachstellen mehr
  • Du spürst dieses innere Kribbeln und die Begeisterung
  • Du hast das Gefühl, jetzt muss es endlich losgehen

…dann ist deine Geschäftsidee wahrscheinlich so reif, wie sie unter den gegebenen Umständen sein kann.

Mit wem über die Reife sprechen?

Eine entscheidende Erkenntnis: Die Einschätzung, ob deine Geschäftsidee reif ist, hängt stark davon ab, mit wem du darüber sprichst. Hier lauern potenzielle Fallstricke:

Vorsicht bei ausschließlich diesen Gesprächspartnern:

  • Familie und Freunde ohne unternehmerische Erfahrung: Sie meinen es gut, können aber die unternehmerischen Herausforderungen nicht richtig einschätzen
  • Rein theoretische Berater: Menschen, die selbst nie gegründet haben, fehlt oft das Gespür für den richtigen Zeitpunkt
  • Personen mit komplett anderer Risikobereitschaft: Sie projizieren ihre eigenen Ängste oder Übermut auf deine Situation

Die richtigen Sparringspartner finden:

  • Andere Selbstständige, die diesen Prozess bereits durchlaufen haben
  • Gründungsberater mit praktischer Erfahrung
  • Menschen aus deiner Zielgruppe (potenzielle Kunden)

Der Mythos der umfassenden Marktanalyse

Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass eine umfassende Marktanalyse Sicherheit über die Reife einer Geschäftsidee geben kann. Besonders für Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen ist dieser Ansatz oft ineffizient:

  • Excel-Tabellen vs. echte Gespräche: Eine wirklich wertvolle “Marktanalyse” besteht aus Gesprächen mit potenziellen Kunden, nicht aus theoretischen Berechnungen
  • Begrenzte Ressourcen sinnvoll einsetzen: Die Zeit, die in komplexe Analysen fließt, könnte oft besser für erste Kundenkontakte genutzt werden
  • Der “winzige Fisch im großen Ozean”: Als kleines Startup siehst du nur einen minimalen Ausschnitt des Marktes – deine Analyse ist zwangsläufig unvollständig

Die wirkliche Marktreife testest du am besten durch direkte Konfrontation mit dem Markt – so früh wie möglich.

Den Schritt wagen: Reif genug ist besser als perfekt

Letztendlich kommt der Punkt, an dem du einfach starten musst:

  • Es wird nie 100% reif sein: Warte nicht auf absolute Perfektion
  • Der Dialog mit Kunden reift die Idee weiter: Erst im Kundenkontakt erfährst du, was wirklich funktioniert
  • Reife ist ein fortlaufender Prozess: Auch nach dem Start entwickelt sich deine Geschäftsidee weiter

Die wahrscheinlich wichtigste Erkenntnis: Eine Geschäftsidee, die nie den Markt erreicht, kann niemals reif werden. Der echte Reifungsprozess beginnt erst mit dem Kundenkontakt.

Praktische Schritte zum Überprüfen der Reife

  1. Ehrliches Selbstgespräch: Stell dir die Frage, ob du wirklich an diese Idee glaubst und für sie brennst
  2. Sparring mit den richtigen Personen: Suche bewusst Feedback von Menschen mit relevanter Erfahrung
  3. Minimale Marktprüfung: Sprich mit 5-10 potenziellen Kunden über ihre Bedürfnisse und deine Lösungsidee
  4. Bauchgefühl beachten: Wenn die Hummeln kribbeln, ist das ein kraftvoller Indikator
  5. Ressourcencheck: Verfügst du über die nötigen Ressourcen (finanziell, zeitlich, emotional), um jetzt zu starten?

Die Frage neu formulieren

Vielleicht ist die bessere Frage nicht “Ist meine Geschäftsidee reif?”, sondern:

  • “Lohnt es sich, an dieser Idee weiterzufeilen?”
  • “Welche Perspektiven habe ich noch nicht bedacht?”
  • “Was ist mein nächster konkreter Schritt, um diese Idee zu testen?”

Die Umdeutung von einem passiven “Warten auf Reife” zu einem aktiven “Arbeiten an der Reife” macht dich vom Beobachter zum Gestalter deines Gründungsprozesses.

Ein Wort zum Schluss

Eine Geschäftsidee reift nicht wie eine Frucht am Baum – sie reift durch deine aktive Auseinandersetzung, durch Gespräche, durch Reflexion und letztlich durch den Mut, sie der Welt zu präsentieren. Der beste Indikator für Reife ist nicht eine Checkliste oder eine perfekte Analyse, sondern die Kombination aus gründlicher Überlegung und dieser unwiderstehlichen inneren Stimme, die sagt: “Jetzt ist es soweit.”

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup bieten wir dir gerne die Möglichkeit, deine Geschäftsidee auf Herz und Nieren zu prüfen und gemeinsam einzuschätzen, wo du im Reifungsprozess stehst. Manchmal braucht es nur diesen externen Blick, um die letzten Zweifel auszuräumen – oder um zu erkennen, woran du noch feilen solltest.

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Podcast-Folge: Welche versteckten Kosten sollte ich beim Start beachten?

Prof. Günter Faltin

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#72: Welche versteckten Kosten sollte ich beim Start beachten?

Der Podcast

Welche versteckten Kosten sollte ich beim Start in die Selbstständigkeit beachten?

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, hat meist die offensichtlichen Kosten im Blick: Gewerbeschein, Büroausstattung, Marketingmaterialien. Doch gerade die versteckten Kosten können zur unerwarteten Belastung werden und die Startphase erschweren. Ein genauer Blick hinter die Kulissen des Gründungsprozesses lohnt sich daher für jeden angehenden Unternehmer.

Die direkten Verwaltungskosten: Oft geringer als gedacht

Beginnen wir mit einer guten Nachricht: Die reinen administrativen Kosten der Gründung sind in vielen Fällen überraschend niedrig. Besonders bei einem Ein-Personen-Unternehmen (EPU) fallen folgende Kosten an:

Für Solo-Selbstständige mit freiem Gewerbe:

  • Gewerbeanmeldung: In der Regel kostenfrei für freie Gewerbe
  • Anmeldung bei der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS): Kostenfrei, jedoch folgt die Unfallversicherung (ca. 150 € jährlich)
  • Anmeldung beim Finanzamt: Kostenfrei

Bei reglementierten Gewerben:

  • Eventuell zusätzliche Kosten für Befähigungsnachweise, Prüfungen oder Ausbildungen
  • Mögliche Kosten für behördliche Genehmigungen je nach Branche

Bei Gesellschaftsgründungen (GmbH, KG etc.):

  • Kosten für den Gesellschaftsvertrag
  • Notarkosten
  • Firmenbucheintrag
  • Gegebenenfalls höhere Steuerberatungskosten durch komplexere Buchhaltung

Die Steuerberatungskosten: Abwägen zwischen Selbermachen und Outsourcing

Als Einzelunternehmer kannst du viele steuerliche Angelegenheiten selbst erledigen:

  • Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
  • Umsatzsteuermeldungen
  • Einkommensteuererklärung

Delegierst du diese Aufgaben an einen Steuerberater, entstehen Kosten, die je nach Umfang der Leistungen und Komplexität deines Geschäftsmodells variieren. Diese Kosten sollten als fixe monatliche oder quartalsweise Ausgaben eingeplant werden.

Die wahren versteckten Kosten: Opportunitätskosten

Die wohl bedeutendsten, aber am leichtesten übersehenen Kosten sind die sogenannten Opportunitätskosten. Diese entstehen nicht durch direkte Ausgaben, sondern durch entgangene Alternativen:

Entgangenes Einkommen

Jede Stunde, die du in deine Selbstständigkeit investierst:

  • Ist eine Stunde, in der du kein Gehalt aus einer Anstellung beziehst
  • Bedeutet möglicherweise mehrere Monate ohne regelmäßiges Einkommen
  • Kann in der Startphase zu einem erheblichen “Investment” werden, wenn du etwa drei Monate ohne Einkommen rechnest

Zeit als kostbare Ressource

Zeit, die du in den Aufbau deiner Selbstständigkeit steckst, steht nicht zur Verfügung für:

  • Familie und Freunde
  • Erholung und Gesundheit
  • Andere berufliche oder persönliche Projekte

Diese “weichen” Kosten werden oft unterschätzt, können aber auf lange Sicht erhebliche Auswirkungen haben – sowohl finanziell als auch auf deine Lebensqualität und Beziehungen.

Startinvestitionen: Je nach Branche unterschiedlich

Abhängig von deinem Geschäftsmodell können weitere Kosten hinzukommen:

  • Technische Ausstattung: Computer, Software, Spezialgeräte
  • Räumlichkeiten: Miete, Kaution, Betriebskosten
  • Marketing: Website, Visitenkarten, Werbeaktionen
  • Warenlager: Erstausstattung, Mindestbestand
  • Versicherungen: Berufshaftpflicht, Rechtsschutz, zusätzliche Krankenversicherung

Unsichtbare Kostenfallen im Gründungsprozess

Umwege und Lernkurven

Ohne professionelle Beratung oder Erfahrungsaustausch mit anderen Selbstständigen riskierst du:

  • Fehlinvestitionen in ungeeignete Tools oder Marketingmaßnahmen
  • Zeitverlust durch “Umwege” im Gründungsprozess
  • Kostspielige Fehlentscheidungen aus Unwissenheit

Wachstumsbedingte Mehrkosten

Mit steigendem Erfolg können unerwartete Kostensprünge entstehen:

  • Überschreiten der Umsatzsteuergrenze (35.000 €)
  • Höhere Sozialversicherungsbeiträge nach der ersten Nachbemessung
  • Notwendige Erweiterung der Infrastruktur

Praktische Tipps für den Umgang mit versteckten Kosten

1. Realistisches Finanzpolster einplanen

Sorge für ausreichende Rücklagen, um mindestens 3-6 Monate ohne substanzielle Einnahmen überbrücken zu können.

2. Zeit bewusst budgetieren

Plane feste Zeiten für dein Business, aber auch für Erholung und soziale Kontakte ein. Ein ausgewogenes Leben hilft, langfristig erfolgreich zu sein.

3. Fachwissen und Beratung nutzen

Investiere in gute Beratung – sei es durch:

  • Gründungsberater
  • Wirtschaftskammer-Angebote
  • Netzwerke mit anderen Selbstständigen

Diese Investition zahlt sich durch vermiedene Fehler und schnelleren Erfolg mehrfach aus.

4. Kosten-Nutzen-Rechnung bei Investitionen

Stelle dir bei jeder Ausgabe die Frage:

  • Welchen konkreten Mehrwert bringt mir diese Investition?
  • Gibt es günstigere Alternativen mit ähnlichem Nutzen?
  • Kann ich diese Investition zeitlich strecken oder später tätigen?

5. Regelmäßige Kostenüberprüfung

Überprüfe in regelmäßigen Abständen alle laufenden Kosten und passe sie bei Bedarf an:

  • Welche Abonnements und Services nutze ich wirklich?
  • Wo gibt es Einsparpotenzial ohne Qualitätsverlust?
  • Welche Aufgaben kann ich effizienter gestalten?

Ein Wort zum Schluss

Die versteckten Kosten einer Gründung haben oft weniger mit direkten Geldausgaben zu tun als mit bewussten Entscheidungen darüber, wie du deine Ressourcen – Zeit, Energie und Aufmerksamkeit – einsetzt. Eine interessante Perspektive ist, dass die meisten Gründer mehr Geld für ihr Auto ausgeben als für die direkten Kosten ihrer Gründung. Dies zeigt, dass es oft nicht die finanziellen Investitionen sind, die die größte Hürde darstellen.

Die wahre Investition liegt in deiner Bereitschaft, Zeit und Energie in dein Projekt zu stecken, und in deiner Fähigkeit, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen. Mit einem klaren Bewusstsein für diese “versteckten” Aspekte kannst du deine Gründung planvoller und nachhaltiger gestalten.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup unterstützen wir dich gerne dabei, alle Kosten deiner Gründung transparent zu machen. Mit unserem speziellen Tool können wir gemeinsam einen realistischen Finanzplan erstellen, der dir Sicherheit für deinen Start in die Selbstständigkeit gibt.

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