#66 „Selbstständig sein heißt auch Nein sagen“ – Ulrike Steiger über Disziplin, Grenzen und Erfolg

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Grenzen setzen als Selbstständige: Erfahrungen einer erfolgreichen Unternehmensberaterin

Der Weg in die Selbstständigkeit ist oft geprägt von dem Wunsch nach mehr Freiheit und Selbstbestimmung. Doch genau diese Freiheit kann zur Herausforderung werden, wenn es darum geht, klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen. Ulrike Steiger, Unternehmensberaterin für HR-Management und Organisationsentwicklung, hat diesen Weg gemeistert und teilt ihre wertvollen Erfahrungen mit uns.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Ulrike Steiger kam über Umwege zu ihrer heutigen Tätigkeit. Mit einem ursprünglichen Hintergrund im Maschinenbau und langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Head of HR in der IT- und Kraftwerksbranche wagte sie 2022 den Schritt in die Selbstständigkeit.

Der Hauptgrund für diesen Wechsel? “Der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung”, erklärt sie. Nach vielen Jahren in Konzernen wollte sie ihre eigenen Ziele und Projekte vorantreiben, statt nur die Vorgaben des Konzerns umzusetzen.

Typische Herausforderungen beim Übergang:

  • Lange Entscheidungsphase aufgrund von Sicherheitsdenken
  • Hybride Phase mit parallelem Angestelltenverhältnis
  • Zunächst nur wenige Stunden pro Woche für die Selbstständigkeit
  • Allmähliche Steigerung bis zur 50:50-Aufteilung
  • Letztendlich der Sprung in die Vollzeit-Selbstständigkeit

Interessanterweise dauerte der Entscheidungsprozess mehrere Jahre – ein Hinweis darauf, dass Gründen oft kein spontaner Entschluss ist, sondern ein reifender Prozess. Den endgültigen Ausschlag gab schließlich ein großer Auftrag, der das nötige Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärkte.

Die Herausforderung der Grenzsetzung

Eine der größten Herausforderungen für viele Selbstständige ist die Balance zwischen Beruf und Privatleben, besonders wenn der Unternehmensstandort auch der Wohnort ist. Die typische Annahme “Du bist ja zu Hause, kannst du nicht schnell…?” kennen viele Solopreneure nur zu gut.

Typische Grenzüberschreitungen:

  • Nachbarn, die Pakete abgeben möchten
  • Familienmitglieder, die spontane Kinderbetreuung erwarten
  • Freunde, die zu Kaffeekränzchen einladen
  • Eigene Versuchung, private Aufgaben während der Arbeitszeit zu erledigen

Ulrike Steiger begegnet diesen Herausforderungen mit klarer Kommunikation: “Ganz offen und ehrlich Nein zu sagen und zu erklären, warum ich jetzt nicht verfügbar bin, ist entscheidend.” Sie macht ihrem Umfeld deutlich, dass sie zwar physisch zu Hause, aber nicht frei ist.

Selbstmanagement durch klare Strukturen

Was Ulrike Steiger besonders auszeichnet, ist ihr durchdachtes Regelwerk für den Arbeitsalltag. Vor ihrer vollständigen Selbstständigkeit hat sie sich intensiv mit der Gestaltung ihres Arbeitsalltags beschäftigt:

Elemente ihres persönlichen Arbeitsvertrags:

  • Festgelegte Arbeitszeiten
  • Fixe Telefonzeiten
  • Transparent kommunizierte Erreichbarkeit
  • Geplante Essens- und Pausenzeiten
  • Klare Regel: Keine Arbeit nach 19 Uhr und am Wochenende

“Ich habe im Grunde eine Arbeitszeitrichtlinie für mich aufgestellt”, erklärt sie. Diese Selbstverpflichtung hat sie nicht nur visualisiert und aufgeschrieben, sondern sogar unterschrieben und neben ihrem Schreibtisch an die Wand geheftet – ein starkes Symbol für die Verbindlichkeit dieser Vereinbarung mit sich selbst.

Gesundheit und Work-Life-Balance

Die Einhaltung dieser Grenzen ist für Ulrike Steiger nicht nur eine Frage der Disziplin, sondern auch der Gesundheit. “Ich habe es auf die harte Tour gelernt”, erzählt sie. Übermäßiges Arbeiten schlug sich bei ihr auf die Gesundheit und damit einhergehend auf die Motivation nieder.

Gesundheitsfördernde Routinen in ihrem Alltag:

  • Feste Essenszeiten mit gesunden Mahlzeiten statt “Zwischendurch-Häppchen”
  • Kurzes Mittagsschläfchen (15 Minuten) zum “Hirn durchlüften”
  • Tägliche Bewegung im Freien (Spaziergang, Laufen oder andere Sporteinheiten)
  • Wöchentliche Planung am Montagmorgen
  • Zeitblöcke für verschiedene Aufgabenbereiche (Buchhaltung, Akquise, etc.)

Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg

Eine häufige Sorge von Selbstständigen ist, dass klare Grenzen den geschäftlichen Erfolg beeinträchtigen könnten. Ulrike Steigers Erfahrung zeigt jedoch das Gegenteil: “Kundenseitig wird das nicht als Einschränkung wahrgenommen. Da ist man gewohnt, dass es Geschäftszeiten gibt.”

Sie weist darauf hin, dass im HR-Beratungsbereich “keine Leben gerettet” werden. Wenn sie am Freitagnachmittag eine Anfrage bekommt, antwortet sie schlicht, dass sie sich am Montag melden wird. Die befürchteten negativen Reaktionen bleiben aus – ein Hinweis darauf, dass viele Sorgen bezüglich ständiger Verfügbarkeit oft nur in unseren eigenen Köpfen existieren.

Flexibilität bewahren trotz klarer Struktur

Ein wichtiger Aspekt in Ulrike Steigers Ansatz ist die regelmäßige Überprüfung und Anpassung ihrer Regeln. “Ich schaue einmal im Jahr drauf, ob das noch passt. Hat sich meine Lebenssituation geändert? Hat sich meine Auslastungssituation geändert?”

Sie betont, dass diese Regeln nicht in Stein gemeißelt sind, sondern ein lebendiges Konstrukt, das sich mit den eigenen Bedürfnissen und der geschäftlichen Entwicklung verändern darf und soll. Je nach Lebenssituation kann diese Überprüfung auch häufiger stattfinden.

Ein Tipp für angehende Selbstständige

Auf die Frage nach einem Ratschlag für Menschen, die mit dem Gedanken an Selbstständigkeit spielen, antwortet Ulrike Steiger ohne zu zögern: “Red drüber. Je mehr Menschen du davon erzählst, umso sicherer wirst du dir selbst, umso mehr Feedback bekommst du auch. Teil die Ideen. Hör zu, was die anderen sagen.”

Dieser Rat unterstreicht, wie wichtig der Austausch und die Reflexion mit anderen sind – nicht nur für die Geschäftsidee selbst, sondern auch für die persönliche Sicherheit im Entscheidungsprozess.

Erste Schritte für besseres Selbstmanagement

Für alle, die sich mit dem Thema Grenzsetzung schwertun, hat Ulrike Steiger einen einfachen Einstiegstipp: “Jeder kann sagen, was er nicht will. Das niederzuschreiben und zu visualisieren – ob handschriftlich oder digital – ist ein wichtiger erster Schritt.”

Diese Herangehensweise über die “Negativ-Definition” kann oft leichter fallen als die positive Formulierung von Regeln und bietet einen niederschwelligen Einstieg in das bewusste Selbstmanagement.

Ein Wort zum Schluss

Ulrike Steigers Erfahrungen zeigen eindrucksvoll, dass klare Grenzen in der Selbstständigkeit kein Hindernis für den Erfolg sind, sondern im Gegenteil die Grundlage für nachhaltiges Arbeiten, Gesundheit und Zufriedenheit bilden. Ihr strukturierter Ansatz mit einem persönlichen “Arbeitsvertrag” bietet wertvolle Anregungen für alle, die den Spagat zwischen beruflicher Freiheit und notwendiger Struktur meistern wollen.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup unterstützen wir dich dabei, deinen eigenen Weg in die Selbstständigkeit zu finden und passende Strukturen für deine individuelle Situation zu entwickeln. Gemeinsam schaffen wir die Grundlage für deinen nachhaltigen Erfolg als Selbstständige/r!

Die Links

Ulrike Steigers Website
Ulrike Steiger auf LinkedIn

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#65: Wie kann mir KI beim Gründen helfen?

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Wie kann mir künstliche Intelligenz beim Gründen helfen?

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde – doch was bedeutet dieser Trend tatsächlich für Gründer und angehende Selbstständige? Kann ChatGPT deine Geschäftsidee revolutionieren oder deinen Businessplan schreiben? Lassen wir gemeinsam einen realistischen Blick auf die Chancen und Grenzen von KI in der Gründungsphase werfen.

KI als Gesprächspartner für deine Geschäftsidee

Eine der größten Stärken von KI-Tools wie ChatGPT liegt in ihrer Rolle als geduldiger und urteilsfreier Sparringspartner. Im Gegensatz zu menschlichen Gesprächspartnern haben diese Tools einige besondere Qualitäten:

  • Unbegrenzte Geduld für deine Fragen
  • Keine Skepsis oder negative Reaktionen
  • Freundliches und konstruktives Feedback
  • Möglichkeit, “dumme Fragen” ohne Hemmungen zu stellen
  • Verfügbarkeit rund um die Uhr

Besonders in der frühen Phase einer Gründung, wenn die eigene Idee noch verletzlich ist und negative Reaktionen besonders entmutigend wirken können, bietet KI einen geschützten Raum zum Experimentieren.

Kreatives Brainstorming und Ideenentwicklung

KI-Tools können hervorragende Brainstorming-Partner sein und dir helfen, deine Geschäftsidee aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten:

  • Erweiterung einer vagen Idee mit ergänzenden Aspekten
  • Identifikation von Lücken in deinem Konzept
  • Generierung alternativer Ansätze und Szenarien
  • Überwindung von kreativen Blockaden

Wichtig ist dabei zu verstehen: Die Qualität der Antworten hängt stark von deinen Eingaben (Prompts) ab. Je gezielter und detaillierter deine Fragen, desto nützlicher werden die Antworten sein.

Unterstützung bei formalen Dokumenten

Ein praktischer Anwendungsbereich liegt in der Erstellung formaler Dokumente wie Businesspläne:

  • Strukturierung und Gliederung von Dokumenten
  • Ausformulierung deiner eigenen Ideen
  • Überprüfung auf Vollständigkeit
  • Identifikation fehlender Informationen oder Aspekte

Jedoch ist Vorsicht geboten: KI-generierte Businesspläne sind oft erkennbar und enthalten standardisierte Antworten. Sie helfen dir am besten, wenn du bereits eine klare Vorstellung von deinem Geschäftsmodell hast und die KI nur zur Ausformulierung und Strukturierung nutzt.

Typische Fallstricke beim Einsatz von KI

Bei aller Begeisterung für KI ist es wichtig, die Grenzen dieser Technologie zu kennen:

  • “Halluzinationen”: KI kann manchmal fehlerhafte oder erfundene Informationen liefern
  • Standardisierte Antworten ohne echten Tiefgang
  • Kritiklose Übernahme von Vorschlägen ohne eigene Reflexion
  • Gefahr, sich in endlosen Gesprächen mit der KI zu verlieren

Besonders bei rechtlichen oder steuerlichen Fragen solltest du die Antworten einer KI immer durch Fachleute überprüfen lassen. Die künstliche Intelligenz kann nicht die Verantwortung für deine Geschäftsentscheidungen übernehmen.

Praktische Anwendungsbereiche in der Gründungsphase

Neben den bereits genannten Aspekten gibt es weitere konkrete Anwendungsmöglichkeiten:

1. Kundenperspektive simulieren

Du kannst KI-Tools nutzen, um deine Wunschkunden zu simulieren und Feedback einzuholen:

  • Erstellung von Kundenpersonas
  • Simulation von Kundengesprächen
  • Test von Verkaufsargumenten
  • Einwandbehandlung üben

2. Produktentwicklung und -planung

KI kann dir helfen, dein Produkt oder deine Dienstleistung zu konzipieren:

  • Plausibilitätsprüfung für Workshops und Zeitpläne
  • Ausarbeitung von Produktbeschreibungen
  • Identifikation von Schwachstellen oder fehlenden Elementen

3. Webpräsenz und Kommunikation

Die Erstellung von Texten und Inhalten wird durch KI erheblich erleichtert:

  • Entwurf einfacher Landingpages
  • Überprüfung von Webseiteninhalten auf Kundentauglichkeit
  • Ausarbeitung von Marketingtexten

4. Prozessautomatisierung

Bereits in der Gründungsphase können verschiedene Prozesse automatisiert werden:

  • Transkription von Gesprächen und Meetings
  • Automatisiertes Video- und Audioediting
  • Überarbeitung und Korrektur von Texten

Der richtige Einsatz von KI-Tools

Um das Beste aus KI-Tools herauszuholen, solltest du einige Grundprinzipien beachten:

  1. Klare Zielsetzung: Nutze KI gezielt für konkrete Aufgaben statt allgemeines “Herumspielen”
  2. Kritisches Denken beibehalten: Hinterfrage die Antworten und überprüfe Fakten
  3. Fokus auf Mehrwert: Nicht jedes KI-Tool bringt auch tatsächlich einen Mehrwert für dein Business
  4. Kombination mit menschlicher Expertise: Die besten Ergebnisse entstehen, wenn KI und menschliches Know-how zusammenkommen

Ein Wort zum Schluss

Künstliche Intelligenz kann ein wertvolles Werkzeug in der Gründungsphase sein, aber sie ersetzt nicht deine eigene Denkarbeit. Die Essenz deiner Geschäftsidee, die kritische Auseinandersetzung mit deinem Markt und die Leidenschaft für dein Projekt – all das muss nach wie vor von dir kommen.

KI-Tools können dir helfen, schneller voranzukommen, Prozesse zu optimieren und neue Perspektiven zu gewinnen. Doch am Ende des Tages bleibt der Erfolg deines Unternehmens von deinem Einsatz, deiner Vision und deiner Fähigkeit abhängig, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup besprechen wir gerne mit dir, wie du KI-Tools sinnvoll in deiner individuellen Gründungssituation einsetzen kannst und welche spezifischen Anwendungen für dein Business den größten Mehrwert bieten!

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#64: Was tun, wenn man den Fokus verliert?

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Was tun, wenn man als Solopreneur den Fokus verliert?

Als Solopreneur kennst du sicherlich dieses Phänomen: Du startest mit einer klaren Vision, doch plötzlich prasseln neue Geschäftsideen auf dich ein. Ein Gespräch hier, ein Podcast dort, und schon fragst du dich: Sollte ich nicht lieber etwas anderes machen? Diese Fokusverschiebung ist ein klassisches Problem für Einzelunternehmer. Lass uns gemeinsam betrachten, wie du damit umgehen kannst.

Die Herausforderung des verlorenen Fokus

Im Kern geht es um ein grundlegendes Dilemma: Als Solopreneur hast du mehr Möglichkeiten als Kapazitäten. Zeit, Geld und andere Ressourcen sind begrenzt, während die Ideen scheinbar endlos sprudeln. Das Tückische daran: Es sind oft gute Ideen! Wären es schlechte, würde die Entscheidung leichter fallen.

Typische Auslöser für Fokusverlust:

  • Gespräche mit Familie, Freunden oder anderen Unternehmern
  • Inspirationen aus Podcasts, Büchern oder Workshops
  • Beobachtungen von erfolgreichen Mitbewerbern
  • Kundenfeedback mit neuen Vorschlägen
  • Plötzliche Marktchancen, die verlockend erscheinen

Die Kosten der Sprunghaftigkeit

Das größte Problem vieler Solopreneure: Sie sind zu sprunghaft und geben ihren Projekten nicht genügend Zeit zum Reifen. Selbst gut durchdachte Strategien werden oft nach kurzer Zeit wieder verworfen – sei es, weil der Erfolg nicht schnell genug eintritt oder weil eine scheinbar bessere Idee lockt.

Diese ständigen Neuanfänge sind aus Business-Sicht ineffizient. Stell dir vor: Du läufst zehn Meter, findest Meter elf zu anstrengend und startest wieder von vorne. Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht einfach nicht auf.

Der Unterschied zum strukturierten Umfeld

Anders als etwa bei einem Studium oder in einem größeren Unternehmen fehlen einem Solopreneur die äußeren Strukturen:

  • Kein Curriculum, das Orientierung gibt
  • Keine festen Termine oder Deadlines
  • Keine großen Investitionen, die zum Durchhalten zwingen
  • Volle Flexibilität – ein Segen und zugleich ein Fluch

Diese Freiheit macht es leicht, morgens aufzustehen und plötzlich zu denken: “Heute mache ich etwas ganz anderes.”

Strategien zur Fokussierung

1. Zeitfenster definieren

Setze dir einen klaren Zeitrahmen, in dem du einer Strategie folgst – etwa sechs Monate oder ein Jahr. In dieser Zeit hinterfragst du die grundlegende Ausrichtung nicht mehr. Besonders wichtig: Gerade in Phasen, wo es nicht rund läuft, ist Durchhaltevermögen gefragt.

2. Sichtbare Erinnerung schaffen

Platziere deine Hauptziele sichtbar an deinem Arbeitsplatz – ähnlich wie ein Marathonläufer, der sich das Poster des Wettkampfs aufhängt. Diese visuelle Erinnerung hilft dir, den Fokus im Alltag zu bewahren.

3. Meetings mit dir selbst

Führe regelmäßige Reflexionsgespräche mit dir selbst – monatlich oder quartalsweise. Schau aus der Vogelperspektive auf dein Business und prüfe, ob du noch auf Kurs bist. Wichtig dabei: Beobachte nur, treffe aber nicht sofort Entscheidungen.

4. Ideen dokumentieren, nicht ignorieren

Wenn neue Ideen auftauchen, ignoriere sie nicht komplett. Schreibe sie stattdessen detailliert auf und lege sie mit einem Wiedervorlagedatum beiseite. Die Erfahrung zeigt: Mit zeitlichem Abstand verlieren viele Ideen ihren anfänglichen Glanz.

5. Einfache Pläne entwickeln

Je komplizierter dein Plan, desto schwieriger ist es, ihn einzuhalten. Entwickle daher möglichst einfache Strategien und halte dir diese regelmäßig vor Augen – idealerweise täglich oder zumindest wöchentlich.

Die richtige Balance finden

Es geht nicht darum, starr an einer einzigen Idee festzuhalten. In manchen Phasen – besonders zu Beginn – kann es durchaus sinnvoll sein, verschiedene Möglichkeiten zu erkunden. Der Effectuation-Ansatz etwa empfiehlt, von den vorhandenen Ressourcen auszugehen und zu schauen, welche Ziele damit erreichbar sind.

Die Kunst liegt darin, diese Explorationsphase bewusst zu gestalten und dann in eine Fokusphase überzugehen. Gönne dir vielleicht ein regelmäßiges Zeitfenster für kreatives Denken, während du den Rest der Zeit konsequent an deiner Hauptstrategie arbeitest.

Ein Wort zum Schluss

Der Fokus ist eines der wertvollsten Güter für Solopreneure. Deine größte Herausforderung ist nicht der Wettbewerb oder der Markt – es ist die Versuchung, dir selbst durch Sprunghaftigkeit im Weg zu stehen.

Nimm dir die Zeit für gute Planung, verpflichte dich zu konsequenter Umsetzung und finde die richtige Balance zwischen Standhaftigkeit und Flexibilität. So stellst du sicher, dass du deinen eigenen Erfolg nicht sabotierst.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup unterstützen wir dich dabei, deinen Fokus zu schärfen und die richtigen strategischen Entscheidungen zu treffen. Gemeinsam finden wir heraus, welcher Weg optimal zu deiner Situation passt!

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#63: Welche digitalen Tools helfen im Solo-Business?

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Weniger ist mehr: Digitale Tools für Solopreneure im Arbeitsalltag

In der Welt der Solopreneure ist Zeit eine knappe Ressource. Digitale Tools versprechen Unterstützung und Effizienz – doch die schiere Anzahl der Möglichkeiten kann überwältigend sein. Günter Schmatzberger und Camillo Patzl, beide erfahrene Gründungsberater, teilen ihre Erfahrungen mit digitalen Werkzeugen und erklären, warum manchmal weniger tatsächlich mehr ist. Ein Gespräch über sinnvollen Technologieeinsatz, verführerische Ablenkungen und die drei unverzichtbaren Tools für den Solo-Unternehmeralltag.

Die Herausforderung der Tool-Vielfalt

„Es gibt unüberschaubar viele Tools. Ich glaube, es ist teilweise sogar überfordernd für manche Gründer und Gründerinnen”, erklärt Camillo Patzl. Gerade für Solopreneure, die ohnehin mit dem Aufbau ihres Geschäfts, der Kundenakquise und dem Verkauf ihrer Produkte oder Dienstleistungen beschäftigt sind, kann die Suche nach den richtigen digitalen Werkzeugen eine zusätzliche Belastung darstellen.

Die Experten sind sich einig: Die besten Tools sind jene, die am wenigsten Zeit kosten. „Coole, tolle, bunte, schöne Sachen gibt es zahlreich. Und Achtung, sie verleiten sehr leicht, dass man sich damit ablenkt, dass man sich damit befasst und der Fokus in eine falsche Richtung rennt”, warnt Patzl.

Zwei grundlegende Probleme mit digitalen Tools

Günter Schmatzberger identifiziert zwei Hauptprobleme im Umgang mit digitalen Werkzeugen:

  1. Die Illusion der Problemlösung durch Kauf: „Mit dem Kauf eines neuen Tools kaufen wir uns gleichzeitig auch den Glauben, dass damit unsere Probleme gelöst sind.” Ähnlich wie beim Kauf eines Buches, bei dem man glaubt, mit dem Erwerb auch automatisch das Wissen zu besitzen, übersehen wir oft, dass Tools Zeit für Einarbeitung und regelmäßige Nutzung erfordern.
  2. Wachsende Komplexität durch Unwissenheit: „Es passiert uns so leicht, dass wir aufgrund unseres Unwissens über die bestehenden Tools uns neue Tools dazu kaufen, obwohl wir nicht wissen, dass wir das schon mit dem Tool lösen hätten können, das wir schon haben.”

Die Folge: Eine ständig wachsende Anzahl an Tools, die mehr Komplexität statt Vereinfachung bringen. „Wir kaufen immer mehr in der Hoffnung, dass wir uns damit leichter tun, aber in Wirklichkeit vergrößern wir nur die Komplexität.”

KI als Game Changer – mit einer wichtigen Einschränkung

Künstliche Intelligenz bietet für Solopreneure enormes Potenzial. „Anstatt dass wir uns jemanden einstellen, der uns hilft, unsere Workloads zu bewältigen, gibt es oder wird es immer schneller Möglichkeiten geben, sich hier Unterstützung zu holen”, erklärt Patzl.

Schmatzberger betont jedoch: „Es ist genauso wie bei einem neuen Mitarbeiter – wenn ich mir ein digitales Tool an Bord hole, dann braucht es genauso viel Zeit für die Einschulung. Ich kann nicht einfach sagen, jetzt habe ich die ChatGPT-Lizenz und jetzt bitte mach die Arbeit für mich, sondern es braucht ein Investment in dieses Tool.”

Der Vorteil gegenüber menschlichen Mitarbeitern liegt auf der Hand: „Das Tool geht nicht in den Krankenstand, braucht keinen Urlaub und arbeitet 24 Stunden am Tag, wenn ich das will.”

Die drei unverzichtbaren Tools der Experten

Günter Schmatzbergers Top 3:

  1. Notion: „Notion ist eine Mischung aus Notiz- und Datenbank-App. Alles, was ich manage, alle Informationen über mein Business – das ist alles in Notion.” Von der Videoclip-Verwaltung über Kundendaten bis zur Podcastplanung – Notion dient als zentrale Arbeitsoberfläche.
  2. ChatGPT: Als relativ neues, aber unverzichtbares Werkzeug schätzt Schmatzberger besonders die Möglichkeit, Custom-GPTs zu erstellen. „Ich füttere ChatGPT mit bestimmten Informationen von mir und kann mir dann meinen eigenen Gesprächspartner, meinen eigenen Marketingberater, meinen eigenen Kundenavatar bauen.”
  3. Kalender und E-Mail: „Das klingt sehr basic, aber es ist echt, echt wichtig.” Ein gut funktionierender digitaler Kalender, idealerweise verbunden mit einem Taskmanager, bildet die Grundlage für effizientes Zeitmanagement.

Camillo Patzls Top 3:

  1. Digitaler Kalender (Outlook): Nach langem Festhalten an einem handschriftlich geführten Kalender ist Patzl auf Outlook umgestiegen. „Digital, den habe ich immer bei mir. Den habe ich in der Hosentasche, den nehme ich mit und wenn ich irgendwo gefragt werde, kann ich Auskunft geben, wann das nächste Zeitfenster ist.”
  2. Remote-Verbindungs-Software: Als Prozessberater sind Tools wie TeamViewer oder Anydesk für Patzl unverzichtbar. „Ich schaue mir oft mit dem Kunden gemeinsam auf seinem Arbeitsplatz in der Software Beispiele an, wie wir da weiterarbeiten und gemeinsam eine Lösung finden.”
  3. Trello: Für die Projektplanung nutzt Patzl Trello als Kanban-Board. „Man kann seine offenen Projekte sehen, tracken und laufen lassen. Es kann zum Teil in Richtung Auftragsabwicklung gehen und gibt einen guten Überblick, wo man gerade steht.”

Bonus: Podcast-Produktion mit KI-Unterstützung

Beide Experten nutzen verschiedene KI-Tools für ihre gemeinsame Podcast-Produktion: zur Verbesserung der Tonqualität, für den Videoschnitt und für die Erstellung von Covers (mit Canva). „Das sind einfach digitale Helfer, die wir am Weg für uns erhoben haben und die sich gut etabliert haben. Die machen unser Leben leichter, dass wir uns wertvolle Minuten oder sogar Stunden sparen.”

Das Wichtigste für Solopreneure: Fokus bewahren

Die zentrale Botschaft der Experten ist klar: Weniger ist mehr. „Lieber weniger Tools haben, in denen ich mich gut auskenne und wo ich wirklich das Gefühl habe, ich kann das ausschöpfen und es hilft mir wirklich”, rät Schmatzberger.

Tools müssen Zeit sparen, nicht kosten. Sie sollten den Arbeitsalltag erleichtern, nicht verkomplizieren. Und vor allem sollten sie dem Solopreneur dienen – nicht umgekehrt.

Leitfragen für die Toolauswahl

Aus dem Gespräch lassen sich drei wichtige Leitfragen für die Auswahl digitaler Tools ableiten:

  1. Habe ich wirklich die Zeit, mich in dieses Tool einzuarbeiten?
  2. Kann ich mit den Tools, die ich bereits besitze, dasselbe erreichen?
  3. Wird dieses Tool tatsächlich meine Produktivität steigern oder mich nur ablenken?

Ein Wort zum Schluss

Die Digitalisierung bietet Solopreneuren enorme Chancen. Mit der richtigen Auswahl an Tools können auch Einzelkämpfer effizient arbeiten und mit größeren Unternehmen mithalten. Doch die Kunst liegt nicht im Besitz vieler Tools, sondern in der geschickten Nutzung weniger, gut ausgewählter Werkzeuge.

Oder wie Camillo Patzl es formuliert: „In der Solo-Selbstständigkeit habe ich den Vorteil, ich kann es selber entscheiden. Ich kann auswählen, was bringt mir etwas, was sortiere ich aus – und da wirklich teilweise rigoros ausmisten.”

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Camillo

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11 Fakten über mich

Ich habe knapp 200 Gründungen begleiten dürfen.

Mein angeheirateter Onkel ist selbstständig, meine Großeltern waren „künstlerisch“ unterwegs und da habe ich bis heute nicht verstanden, ob sie da selbstständig waren oder eigentlich nicht. 😅

Ich bin einer der wenigen, die Wirtschaftsingenieurwesen, also konkret die Unternehmensführung, Organisationsentwicklung und Prozessoptimierung reizvoll findet.

Ich bin auch Software-Trainer und Requirement-Engineer – dort unterstütze ich produzierende Unternehmen bei der Weiterentwicklung und Nutzung einer ERP-Software.

Ich bin ein sehr guter (und loyaler) Angestellter, wollte aber auch die Erfahrung als Selbstständiger (Unternehmer) sammeln – mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Ich gehe seit über 15 Jahren jede Woche klettern/bouldern..

Ich trinke fast täglich eine kleine Menge kaltes Cola – ähnlich wie Warren Buffet (nur ohne Kirschgeschmack) – weil es mir schmeckt und ich es als etwas besonders Prickelndes empfinde.

Dinge die ich nicht mag: Puh, keine Ahnung… Ich mag keinen Brokkoli! Unnötige Bürokratie, unklare Ziele, Dinge suchen müssen, Multitasking, wenn mir Toilettenpapier runter fällt und sich ausrollt.

Ich bin Camillo der 5., jeder 1. Sohn wurde Camillo genannt, so wie mein Vater, Opa, Ur-Opa, usw.

Ich bin 1984 geboren, lebe in Wien.

So schaue ich (manchmal) aus:

Lust bekommen, mit mir zu sprechen?

Ich freue mich auf dich!

Günter

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11 Fakten über mich

Ich bin Gründungsberater mit Leib und Seele, Herz und Hirn. Für mich ist das kein Beruf, sondern Berufung. Ich habe bereits über 250 Gründer*innen auf ihrem Weg in die Selbständigkeit begleitet.

Ich war in meiner Familie der Allererste, der sich selbständig gemacht hat, und zwar am 3. Februar 2014.

Ich habe Betriebswirtschaft studiert (Medienmanagement an der FH St. Pölten) und bin vielleicht einer der wenigen Menschen auf der Welt, die Betriebswirtschaft leiwand finden.

Ich bin auch Lehrbeauftragter an Fachhochschulen. Dort unterrichte ich BWL, Rechnungswesen und Entrepreneurship.

Ich war ein sehr guter Schüler, bin aber nicht gerne in die Schule gegangen.

Ich schreibe seit 1.804 Tagen tägliche einen Eintrag in mein Lerntagebuch in Form eines Daily Blogs.

Ich trinke 30 Mal mehr schwarzen und grünen Tee als der durchschnittliche Österreicher. Rund 750 Liter pro Jahr. Ich liebe das Zeug!

Dinge, die ich nicht mag: Hudeln, Multitasking, den Geruch von frischer Straßenmarkierungsfarbe, wenn ich ein Papiertaschentuch mitgewaschen habe und die Wäsche voller Papierfusel ist.

Mein ältester bekannter Vorfahre ist Jacob Schmadersberger, der um 1700 gelebt hat.

Ich bin 43 Jahre alt und lebe in Maria Enzersdorf, südlich von Wien. Mit meiner Frau und unseren zwei Kindern (8 und 6).

So schaue ich aus:

Fotografin: Die wunderbare Gabi Koy

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Ich freu mich auf dich!