#91: Was ist eigentlich eine LEIWANDE Gründung?

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Was ist eigentlich eine leiwande Gründung? Das Erfolgsrezept für entspanntes Unternehmertum

“Was muss eigentlich sein, damit das Gründen leiwand ist?” Diese Frage begegnet mir in der Gründungsberatung immer wieder – manchmal direkt gestellt, manchmal zwischen den Zeilen. Und sie ist berechtigt: Was unterscheidet eigentlich eine leiwande Gründung von einer, die von Anfang an unter einem schlechten Stern steht?

Bevor wir tiefer einsteigen: Für alle, die mit dem Begriff noch nicht vertraut sind – “leiwand” ist ein österreichischer Ausdruck für alles, was richtig gut, stimmig und rund ist. Leiwand kann ein Mensch sein, Musik, ein Buch – oder eben eine Gründung. Es beschreibt etwas, das sich einfach gut anfühlt, an dem man nichts auszusetzen hat und das wie geschniert läuft.

Eigenzeit respektieren: Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

Der erste Grundpfeiler einer leiwanden Gründung ist die Bereitschaft, dem Projekt seine Eigenzeit zu geben. Jede Gründung hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigenen Entwicklungsphasen. Das bedeutet nicht, träge zu sein oder endlos zu zögern – sondern zu verstehen, dass manche Dinge einfach Zeit brauchen, um sich zu entwickeln.

Wer sich in die Selbstständigkeit hineinstürzt, ohne sich Gedanken zu machen, wer sozusagen “ins kalte Wasser springt” und hofft, dass es schon irgendwie funktionieren wird, der landet schnell im Stress. Plötzlich meldet sich das Finanzamt, die SVS will Unterlagen, Kunden haben Erwartungen – und man selbst steht da und denkt: “Ups, das hätte ich auch noch gebraucht.”

Durchdenken statt durchstarten: Die Kraft der Vorbereitung

Eine leiwande Gründung zeichnet sich durch sorgfältige Reflexion aus. Das ist wie beim Gärtnern: Wenn ich einfach irgendeinen Samen in die Erde werfe und hoffe, dass schon was wächst, werde ich wahrscheinlich enttäuscht. Aber wenn ich mir Gedanken mache – braucht die Pflanze mehr oder weniger Wasser, welche Erde, wie viel Licht, wo ist sie geschützt – dann stehen die Chancen auf ein gutes Ergebnis deutlich besser.

Je mehr Gedanken ich mir im Vorfeld zu meiner Geschäftsidee mache, je sorgfältiger ich plane und vorbereite, desto entspannter wird sich das spätere Umsetzen anfühlen. Es geht nicht um Perfektion, sondern um bewusste Auseinandersetzung mit dem, was ich vorhabe.

Authentizität: Wir gründen, was wir sein wollen

Hier kommen wir zu einem zentralen Punkt: Eine leiwande Gründung hat sehr viel mit den GründerInnen selbst zu tun. Wir gründen, was wir sein wollen. Eine wirklich stimmige Gründung ist eine, wo das Potenzial der Person zum Ausdruck kommt, wo Herzblut drin liegt und wo sehr viel von dem, was einem persönlich wichtig ist, Platz findet.

Das heißt nicht, dass man keine chinesischen Badematten auf Amazon verkaufen kann, wenn man das will. Aber eine leiwande Gründung ist eine, die sich anfühlt, als müsste sie aus einem selbst herauskommen – weil es gar nicht anders geht. Diese Geschäftsideen sind idiosynkratisch: Sie kommen so aus der Person heraus, dass sie gar nicht wer anderer haben könnte. Das lässt sich auch nicht kopieren, weil dieses Engagement und dieser Sinn dahinter einzigartig sind.

Smart sein: Einmal, zweimal, dreimal um die Ecke denken

Eine leiwande Gründung ist selten das Offensichtliche. Sie entsteht durch kreative Kombination bestehender Elemente, durch einen besonderen Blickwinkel oder durch die Anwendung der eigenen Erfahrungen auf neue Bereiche. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden – aber darum, den eigenen speziellen Zugang zu finden.

0815-Gründungen sind nicht leiwand. 0815 geht besser – und in dem Moment, wo 0815 zu 0816, 0817 oder 0818 wird, beginnt es leiwand zu werden. Für 0815-Beratung braucht es uns nicht, da kann man zur Wirtschaftskammer gehen. Aber der Markt braucht auch keine 0815-Gründungen – die gibt es schon zur Genüge.

Sicherheit schaffen: Mit Rückenwind starten statt gegen den Wind zu segeln

Ein entscheidender Aspekt einer leiwanden Gründung ist die Reduktion von Unsicherheitsfaktoren im Vorfeld. Das bedeutet nicht, dass man alle Risiken eliminieren kann – das geht nicht. Aber man kann dafür sorgen, dass das Boot mit Rückenwind startet.

Konkret heißt das:

  • Ein finanzielles Polster ansparen, um nicht sofort unter Umsatzdruck zu stehen
  • Mit den wichtigsten Menschen im Leben über die Gründung sprechen und Unterstützung sichern
  • Sich ein Netzwerk aufbauen: Wer kann helfen? Bei wem kann ich mir Rat holen?
  • Expertise für Bereiche organisieren, die ich selbst nicht abdecken kann

Eine Gründung ist dann nicht leiwand, wenn man vom ersten Tag an Gegenwind aus allen Richtungen hat. Das ist wahnsinnig anstrengend und mühsam – und es ist kein Wunder, dass man irgendwann fragt, ob es Sinn macht, ständig gegen den Wind zu segeln.

Die Harmonie von Lebens- und Geschäftsmodell

Ein Idealzustand ist erreicht, wenn das Lebensmodell zum Geschäftsmodell passt – oder umgekehrt. Wir gründen ja nicht ins Nichts hinein, sondern in unser bestehendes Leben. Wir haben schon Vorgeschichte, soziale Beziehungen, Dinge, die uns als Person ausmachen.

Die Gründung soll sich harmonisch in dieses Leben einfügen. Sie soll uns natürlich neue Herausforderungen bringen und Dinge in Bewegung setzen – aber sie soll nicht das andere, was auch gut ist, gefährden. Diese Balance zwischen dem, was wir aufbauen wollen, und dem, was wir uns unter einem guten Leben vorstellen, ist ein wichtiges Kennzeichen einer leiwanden Gründung.

Kreativität aus Einschränkungen

Manchmal ist die Ist-Situation nicht ideal für die Traumvorstellung vom Business. Vielleicht kann ich nicht durch ganz Österreich reisen und Workshops geben, weil Familie zu Hause ist oder andere Verpflichtungen bestehen. Aber auch das kann eine leiwande Gründung werden – weil die Kreativität gefordert ist.

Die Einschränkungen zwingen einen dazu, schlau nachzudenken: Wie kann ich es mir so richten, dass es für mich leiwand ist, aber auch für meine Kunden? Oft entstehen durch solche kreativen Lösungen die interessantesten Geschäftsmodelle.

Der Stolz-Test: Rückblickende Bewertung

Woran erkenne ich am Ende, dass eine Gründung leiwand war? Der Test wäre: Wenn ich später mit meinen Enkeln zusammensitze und die mich fragen: “Was hast du eigentlich so gemacht?” – kann ich dann voller Stolz sagen: “Ich habe mich selbstständig gemacht”?

Eine leiwande Gründung ist eine, auf die man in der Rückblende mit einem gewissen Stolz zurückschauen kann. Nicht, weil alles perfekt gelaufen ist – das ist es nie. Nicht, weil es zu jedem Moment leiwand war – das ist unrealistisch. Aber insgesamt war es dann doch ziemlich cool.

Die Essenz: Was leiwande Gründungen ausmacht

Zusammengefasst sind die Charakteristika einer leiwanden Gründung:

  • Eigenzeit respektieren: Dem Projekt die Zeit geben, die es braucht
  • Sorgfältige Vorbereitung: Durchdenken statt einfach loslegen
  • Authentizität: Die Gründung kommt aus der Person heraus
  • Kreativität: Ein- oder mehrmals um die Ecke denken
  • Sicherheit schaffen: Unsicherheitsfaktoren im Vorfeld reduzieren
  • Balance: Harmonie zwischen Lebens- und Geschäftsmodell
  • Stolz: Langfristig mit Zufriedenheit auf den Weg zurückblicken können

Ein Wort zum Schluss

Eine leiwande Gründung ist kein Zufall – sie entsteht durch bewusste Gestaltung. Es geht nicht darum, auf den perfekten Moment zu warten, sondern darum, die Bedingungen so zu schaffen, dass die Gründung mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit gelingt.

Wenn bei dir gerade etwas unleiwand ist, wenn du das Gefühl hast, dass der Flow fehlt oder dass du ständig gegen den Wind segelst, dann lass uns schauen, wie wir wieder Leichtigkeit und Freude in deinen Gründungsprozess bekommen.

Übrigens: In einem kostenlosen Gründungs-Checkup sprechen wir gerne mit dir über deine Geschäftsidee – egal ob schon realisiert oder noch in der Entwicklung. Wir schauen gemeinsam, was schon leiwand ist und woran wir noch feilen können. Ganz unverbindlich und ohne Verkaufs-Schmähs – dafür mit wertvollen Impulsen, die dir auf deinem Weg zur leiwanden Gründung weiterhelfen.

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#90: Kann ich mehrere Ideen gleichzeitig verfolgen?

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Mehrere Geschäftsideen gleichzeitig? Der Multipreneur-Guide für angehende Gründer

“Ich bin Unternehmensberater, möchte aber auch Reitunterricht geben und einen Würstelstand eröffnen” – kommt dir das bekannt vor? Die Frage nach dem Multipreneur-Dasein beschäftigt viele Gründungsinteressierte. Eine “Leiwand gründen” Analyse über die Möglichkeiten und Fallstricke des Multi-Business-Ansatzes.

Das Multipreneur-Dilemma

Die Ausgangssituation: Du hast nicht nur eine, sondern mehrere Geschäftsideen, die dich begeistern. Verschiedene Interessensfelder, unterschiedliche Leidenschaften – und der Wunsch, alles unter einen Hut zu bringen, statt sich auf eine Sache zu fokussieren.

Das Problem: Sollst du dich auf eine Idee konzentrieren oder kannst du wirklich mehrere Businesses gleichzeitig starten?

Der klassische Bauchladen-Effekt

Typische Szenarien aus der Beratungspraxis:

  • Unternehmensberatung + Reitunterricht + Würstelstand
  • Coaching + Online-Shop + Kunsthandwerk
  • IT-Dienstleistungen + Gastronomie + Fitness-Training

Das Problem: Lauter Dinge, die vordergründig nichts miteinander zu tun haben, aber alle unter dem Dach “meiner Selbstständigkeit” vereint werden sollen.

Die Ressourcen-Realität

Die harte Wahrheit: Als Solopreneur sind deine Ressourcen begrenzt. Wenn jede einzelne Geschäftsidee bereits mehr als genug Arbeit für eine Person bedeutet, führt die Aufteilung zu einem mathematischen Problem:

3 Geschäftsmodelle = 1/3 der Aufmerksamkeit für jedes

Die Gefahr: Wenn du drei Sachen gleichzeitig verfolgst, funktioniert möglicherweise keine davon richtig – oder du brauchst dreimal so lange für den Erfolg.

Wann Multipreneur-Sein funktionieren kann

Die Ausnahmen von der Regel:

  • Menschen mit ausgeprägten Multiprojektmanagement-Fähigkeiten
  • Natürliche Multitasking-Talente (seltener als man denkt)
  • Sehr erfahrene Gründer mit mehreren erfolgreichen Exits

Wichtiger Hinweis: Das sind eher Ausnahmen als die Regel.

Der Julia-Mack-Ansatz: Spezialisierung auf Multipreneure

Die andere Perspektive: Es gibt Gründungsberater, die speziell mit Multipreneuren arbeiten und einen wichtigen Punkt machen:

Für echte Multipreneure funktioniert Fokussierung nicht, weil:

  • Die Vielfalt ein wesentlicher Motivationsfaktor ist
  • Beschränkung auf eine Sache die Freude an der Selbstständigkeit zerstört
  • Langeweile und fehlende Stimulation entstehen

Die besonderen Herausforderungen des Multipreneur-Wegs

Was dich erwartet:

1. Unplanbare Geschäftsentwicklung

  • Verschiedene Businesses haben unterschiedliche Zyklen
  • Täler und Wellen kommen versetzt
  • Planung wird komplexer und unsicherer

2. Langsamere Entwicklung

  • Insgesamt dauert alles länger
  • Weniger schneller Fortschritt pro Business
  • Geduld wird zum kritischen Erfolgsfaktor

3. Mehrfacher Aufwand

  • Verschiedene Geschäftsmodelle müssen separat durchdacht werden
  • Unterschiedliche Businesspläne erforderlich
  • Verschiedene Förderungen, Zielgruppen, Konkurrenten

Der Prototyp-Ansatz für Künstler und Kreative

Praktisches Vorgehen: Auch wenn du später als Multipreneur agierst, beginne mit einem “Muster”:

Schritt 1: Wähle ein Herzensprojekt als Gedankenexperiment 

Schritt 2: Durchdenke dieses eine Business vollständig

Schritt 3: Lerne die Grundlagen (Gewerbeschein, Netzwerkaufbau, etc.) 

Schritt 4: Wende das Gelernte auf weitere Geschäftsfelder an

Der Vorteil: Du schaffst “Autobahnen” für spätere Gründungen und verstehst den Gründungsprozess.

Die Synergie-Frage

Entscheidend: Je enger deine verschiedenen Geschäftsideen verknüpft sind, desto leichter wird das Multipreneur-Leben.

Beispiele für gute Synergien:

  • Berater + Trainer (ähnliche Zielgruppe)
  • Koch + Catering + Kochkurse (verwandte Tätigkeiten)
  • Fotograf + Grafikdesigner + Social Media (überlappende Skills)

Problematische Kombinationen:

  • Unternehmensberater + Würstelstand-Betreiber
  • IT-Consultant + Massage-Praxis
  • Anwalt + Blumenladen

Portfolio-Business vs. Multipreneur

Die fließenden Grenzen: Viele Selbstständige haben bereits mehrere Standbeine:

  • Saisongeschäft + Zusatzangebot
  • Hauptbusiness + Nebenerwerb
  • Dienstleistung + Produktverkauf
  • Selbstständigkeit + Teilzeit-Anstellung

Die Erkenntnis: Multipreneurship ist eher die Regel als die Ausnahme – nur in unterschiedlicher Ausprägung.

Das Timing-Problem: Parallel vs. sequenziell

Option 1: Parallel starten (schwieriger)

  • Alle Businesses gleichzeitig aufbauen
  • Hoher Stress, viel Koordination
  • Für erfahrene Multipreneure

Option 2: Sequenziell entwickeln (empfohlen)

  • Eines nach dem anderen
  • Erstes Business stabilisieren
  • Dann weitere Standbeine hinzufügen
  • Langfristige Strategie über Jahre/Jahrzehnte

Die Hobby-Business-Falle

Wichtige Unterscheidung: Nicht alles, was du gerne machst, sollte zum Business werden.

Warum Hobbys Hobbys bleiben sollten:

  • Manche Tätigkeiten verlieren ihren Reiz, wenn Geld im Spiel ist
  • Das Hobby als Energiequelle geht verloren
  • Balance und Ausgleich werden zerstört
  • “Das Hobby zum Beruf machen” ist oft ein schlechter Ratschlag

Die Funktion von Hobbys:

  • Energien aufladen
  • Kopf frei bekommen
  • Neue Ideen entwickeln
  • Ausgleich zum Business-Stress

Strategien für angehende Multipreneure

Vor der Gründung:

  1. Ein Herzensprojekt auswählen für den Start
  2. Synergien identifizieren zwischen den Ideen
  3. Hobby vs. Business klar trennen
  4. Ressourcen realistisch einschätzen

Nach der ersten Gründung:

  1. Erstes Business stabilisieren
  2. Erfahrungen sammeln und Prozesse etablieren
  3. Schritt für Schritt erweitern
  4. Synergien nutzen bei weiteren Geschäftsfeldern

Lektionen aus der Praxis

Für Multipreneur-Typen:

  • Akzeptiere langsamere Entwicklung
  • Plane mit Unsicherheiten
  • Unterschätze den Aufwand nicht
  • Suche Synergien zwischen deinen Businesses

Für Fokus-Typen:

  • Eine Sache richtig ist besser als drei halb
  • Du kannst später immer noch erweitern
  • Erfolg im ersten Business öffnet Türen für weitere

Die individuelle Antwort

Es kommt darauf an:

  • Deine Persönlichkeit und Arbeitsweise
  • Deine verfügbaren Ressourcen
  • Die Art deiner Geschäftsideen
  • Deine Ziele und Prioritäten

Kein Patentrezept: Was für einen funktioniert, muss für den anderen nicht passen.

Fazit: Kenne dich selbst

Multipreneur-Sein ist weder grundsätzlich gut noch schlecht – es ist eine Frage des Typs und der Umstände. Wichtig ist, ehrlich zu sich selbst zu sein über die eigenen Fähigkeiten und Grenzen.

Der Schlüssel liegt darin: Zu verstehen, ob du wirklich ein Multipreneur-Typ bist oder ob der Wunsch nach Vielfalt andere Ursachen hat.

Manchmal ist weniger mehr – manchmal braucht es die Vielfalt für die Motivation. Die Kunst liegt darin, den für dich richtigen Weg zu finden.

Ein Wort zum Schluss

Egal ob Multipreneur oder Fokus-Gründer – beide Wege können erfolgreich sein. Wichtig ist, dass du den Weg wählst, der zu deiner Persönlichkeit und deinen Lebensumständen passt.

Übrigens: Wenn du vor der Entscheidung stehst, ob du mehrere Geschäftsideen gleichzeitig verfolgen sollst, dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf deine Ideen und helfen dir dabei zu unterscheiden, was ins Business gehört und was besser als Hobby aufgehoben ist. Manchmal bringt schon das Aussprechen und Sortieren die nötige Klarheit.

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Julia Mack-Amanatidis: Der Multipreneur Podcast

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#89: Große Idee, kleine Ressourcen – wenn Sologründer an ihre Grenzen stoßen (Sommergespräche 2025)

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Große Idee, kleine Ressourcen: Warum Right-Sizing der Schlüssel zum Gründungserfolg ist

Eine Online-Plattform für nachbarschaftliches Teilen – genial! Ein komplettes Bildungsinstitut von null auf – ambitioniert! Doch manchmal sind die besten Ideen einfach zu groß für eine Person. Eine “Leiwand gründen” Geschichte über das Right-Sizing von Geschäftsideen und warum weniger manchmal mehr ist.

Die Share-Economy-Vision: Genial, aber gigantisch

Ein Gründer aus England wollte eine Online-Plattform schaffen, die es Nachbarn ermöglicht, sich Dinge auszuborgen – Werkzeug, Küchengeräte, Sportausrüstung. Statt alles zu kaufen, könnte man ressourcenschonend teilen und gegen eine Leihgebühr nutzen.

Die Idee war brilliant:

  • Nachhaltigkeit durch Sharing Economy
  • Kosteneinsparung für Nutzer
  • Community-Building in der Nachbarschaft
  • Einnahmen durch Leihgebühren

Das Problem: Ein Solo-Gründer wollte das komplett alleine stemmen.

Was alles dahintersteckt

Technische Anforderungen:

  • Plattform-Entwicklung und -wartung
  • Mobile App für iOS und Android
  • Zahlungssystem und Sicherheit
  • Bewertungs- und Vertrauenssystem

Operative Herausforderungen:

  • Customer Support und Konfliktlösung
  • Versicherungsabwicklung bei Schäden
  • Marketing und Community-Aufbau
  • Rechtliche Absicherung

Die Realität: Was normalerweise ein ganzes Team beschäftigt, wollte eine Person alleine machen.

Das Bildungsinstitut-Trauma

Eine ähnliche Geschichte aus den Anfängen der Gründungsberatung: Eine junge, engagierte Frau wollte ein komplettes Bildungsinstitut alleine gründen. Seminarplanung, Kurse leiten, Verwaltung, Marketing, Behördenwege – alles in einer Person.

Die schmerzhafte Wahrheit: “So wird das nicht funktionieren. Ich rate davon ab.”

Die Reaktion: Erste Enttäuschung, dann Dankbarkeit. Eine Woche später kam ein E-Mail: “Danke, dass Sie mir das gesagt haben. Sie hatten recht. Ich habe einen anderen Weg gefunden.”

Das Konzept des Right-Sizing

Right-Sizing stammt aus der Kostenrechnung und bedeutet: etwas in die richtige Größe bringen, damit es optimal funktioniert.

Bei Gründungen heißt das:

  • Grenzen so setzen, dass es für eine Person passt
  • Raum zum Reinwachsen schaffen
  • Vom ersten Tag an nicht völlig überfordert sein
  • Stress reduzieren statt verstärken

Moderne Möglichkeiten für Solopreneure

Die gute Nachricht: Heute haben Solo-Gründer mehr Optionen als früher:

  • Software-Tools für fast alles
  • Künstliche Intelligenz als Unterstützung
  • Outsourcing für Spezialbereiche
  • No-Code/Low-Code-Plattformen

Aber: Auch mit diesen Tools kann ein Projekt für eine Person zu komplex sein.

Die Kunst der richtigen Größe

Statt zu groß zu starten:

  • Mit den vorhandenen Skills beginnen
  • Erste Umsätze mit bestehenden Mitteln generieren
  • Step-by-Step wachsen lassen
  • Das Fundament Stück für Stück ausbauen

Der Vorteil: Weniger Demotivation, weniger Hürden, schnellere erste Erfolge.

An Bestehendes andocken

Die oft übersehene Option: Nicht alles neu erfinden, sondern an bestehende Strukturen anknüpfen.

Beispiele:

  • Nachbarschaftshilfe-Vereine gibt es bereits
  • Bestehende Plattformen könnten erweitert werden
  • Kooperationen mit ähnlichen Initiativen
  • Als Puzzlestück zu einem größeren Ganzen beitragen

Der Marktanalyse-Mythos

Typischer Gründer-Glaube: “Das gibt es nicht am Markt!”

Die Realität: Es ist extrem unwahrscheinlich, dass man der erste Mensch ist, der ein bestimmtes Problem erkannt hat.

Was wahrscheinlich existiert:

  • Ähnliche Lösungsansätze
  • Menschen mit demselben Problem
  • Teilweise umgesetzte Ideen
  • Verwandte Projekte in anderen Bereichen

Die Recherche-Falle

Eine Stunde Internet-Recherche gibt noch kein vollständiges Marktbild. Oberflächliches Suchen führt oft zu falschen Schlüssen: “Gibt es nicht” statt “Habe ich nicht richtig gesucht.”

Hilfreiche Tools:

  • WKO-Standortanalyse für Konkurrenz und Kooperationspartner
  • Tiefere Marktanalyse über mehrere Tage
  • Gespräche mit potenziellen Kunden
  • Besuch von Branchenveranstaltungen

Der Selbstständigkeits-Pendel

Das Dilemma: Nach Jahren der Fremdbestimmung schlägt der Pendel oft zu weit aus. “Jetzt mache ich alles alleine” wird zum Dogma.

Besser: Selektive Unabhängigkeit – unabhängig in den wichtigen Bereichen, kooperativ wo es Sinn macht.

Markt als Mitstreiter, nicht nur Konkurrenz

Umdenken erforderlich: Der Markt besteht nicht nur aus Konkurrenz, sondern auch aus potenziellen Partnern.

Möglichkeiten:

  • Kooperationen statt Konkurrenz
  • Gemeinsame Ressourcen nutzen
  • Voneinander lernen
  • Zusammen größere Projekte stemmen

Das Happy End der Plattform-Geschichte

Plot Twist: Der Gründer hat nicht die ursprüngliche Plattform gebaut, sondern ist mit seinen vorhandenen Skills sehr erfolgreich geworden.

Die Lektion: Manchmal führt das “Scheitern” der ursprünglichen Idee zum besseren Weg.

Das Dankeschön: Ein E-Mail nach Jahren: “Es geht mir gut und ich bin dankbar für das Gespräch damals.”

Wann ist eine Idee zu groß?

Warnsignale:

  • Man bräuchte ein ganzes Team vom ersten Tag an
  • Fünf verschiedene Expertenbereiche sind nötig
  • Die To-Do-Liste ist endlos lang
  • Man weiß nicht, womit anfangen
  • Behördliche Hürden sind komplex

Die Alternative: Nicht die Idee aufgeben, sondern clever verkleinern.

Right-Sizing in der Praxis

Schritt 1: Kernkompetenz identifizieren Schritt 2: Minimal Viable Product definieren
Schritt 3: Erste Version mit vorhandenen Mitteln umsetzen Schritt 4: Schritt für Schritt erweitern Schritt 5: Bei Erfolg skalieren oder Team aufbauen

Lektionen für angehende Gründer

Größe ist nicht alles: Eine kleine, funktionierende Lösung ist besser als eine große, die nie fertig wird.

Kooperation statt Isolation: Anderen auf die Schulter zu klopfen kann klüger sein als alles alleine zu machen.

Marktanalyse ernst nehmen: Eine Stunde googeln reicht nicht – investiere Zeit in echte Recherche.

Ego zurückstellen: “Mein Baby” muss nicht revolutionär neu sein, sondern funktionieren.

Fazit: Weniger ist oft mehr

Die besten Gründungsideen scheitern nicht an mangelnder Qualität, sondern an überzogenen Größenvorstellungen. Right-Sizing bedeutet nicht, klein zu denken, sondern realistisch zu planen.

Der Schlüssel liegt darin: Den Mut zu haben, erstmal kleiner anzufangen – und später größer zu werden.

Eine gut dimensionierte Gründung, die funktioniert, ist infinitiv wertvoller als eine gigantische Vision, die nie umgesetzt wird.

Ein Wort zum Schluss

Große Träume sind wichtig – aber sie müssen in machbare Schritte heruntergebrochen werden. Das ist keine Niederlage, sondern strategische Klugheit.

Übrigens: Wenn du eine große Geschäftsidee hast und unsicher bist, ob sie zu groß für den Anfang ist, dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup machen wir gemeinsam ein Right-Sizing und schauen, wie aus deiner Vision ein umsetzbarer erster Schritt wird. Manchmal ist der beste Weg zum großen Ziel ein kleiner Anfang.

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#88: Wer gründet hier eigentlich? Verloren im Gründungsnebel (Sommergespräche 2025)

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Wer gründet hier eigentlich? Verloren im Gründungsnebel

Eine Gründung scheint manchmal ganz klar zu sein: Da ist eine Person mit einer Geschäftsidee, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte. Doch die Realität zeigt oft ein anderes Bild. Wer wirklich gründet und wer nur dabei ist, das ist nicht immer so eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Die mysteriöse Waschanlage: Ein Fallbeispiel

Stell dir vor: Du sitzt als Gründungsberater einem interessanten Franchise-Projekt gegenüber – eine mobile Waschanlage, die ihre Dienste direkt in Einkaufszentren oder Tiefgaragen anbietet. Der Businessplan liegt vor, alles wirkt durchdacht. Doch dann merkst du etwas Seltsames: Die Person, die mit dir spricht, ist gar nicht der eigentliche Gründer.

Der wahre Gründer sitzt zurückgelehnt im Hintergrund, während jemand anderes das Gespräch führt, Fragen beantwortet und Entscheidungen zu treffen scheint. Jedes Mal, wenn du versuchst, direkten Kontakt aufzunehmen, springt der “Sprecher” ein. Das Gefühl bleibt: Wer gründet hier eigentlich wirklich?

Wenn Helfer zu Entscheidern werden

Solche Situationen sind häufiger, als du denkst. Es beginnt oft harmlos: Ein Freund, Bekannter oder Geschäftspartner möchte helfen. Er übernimmt die Kommunikation, erkundigt sich über Gründungsschritte, sammelt Informationen. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes – Unterstützung bei der Gründung ist wertvoll.

Problematisch wird es, wenn diese Hilfsperson zunehmend die Führung übernimmt. Sie trifft Vorannahmen, entscheidet über Richtungen und behandelt die Gründung, als wäre es ihr eigenes Projekt. Der eigentliche Gründer wird zur ausführenden Person für fremde Ideen.

Typische Warnsignale:

  • Eine andere Person antwortet auf alle Fragen zum Business
  • Der “Gründer” wirkt passiv oder zurückhaltend
  • Entscheidungen werden ohne Rücksprache getroffen
  • Die Motivation wirkt von außen “eingeredet”

Wenn es ernst wird: Die Trennung der Geister

Das Spannende passiert meist dann, wenn die Gründung konkret wird. Sobald es um Gesellschaftsverträge, Rechtsformen oder echte finanzielle Verpflichtungen geht, zeigt sich die Realität. Plötzlich zieht sich der vermeintliche “Co-Gründer” zurück.

“Das ist mir zu aufwendig”, “Ich habe doch mein Anstellungsverhältnis”, “So habe ich mir das nicht vorgestellt” – die Ausreden sind vielfältig. Übrig bleibt der eigentliche Gründer, der nun allein mit einer Geschäftsidee dasteht, die möglicherweise gar nicht seine ursprüngliche Vision war.

Der Gründungsnebel: Was wir nicht sehen

Die Gründungsforschung kennt dafür einen treffenden Begriff: den Gründungsnebel. Damit ist gemeint, dass wir als Außenstehende – auch als Berater – nie das komplette Bild sehen. Wir wissen nicht, was im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis besprochen wird. Wer redet ein? Wer redet zu? Wer arbeitet mit?

Das unsichtbare Netzwerk:

  • Partner und Familie mit ihren Meinungen
  • Freunde mit “gut gemeinten” Ratschlägen
  • Andere Unternehmer mit ihren Erfahrungen
  • Bekannte mit vermeintlich einfachen Lösungen

All diese Stimmen beeinflussen eine Gründung, auch wenn sie nicht am Beratungstisch sitzen.

Das Modelleisenbahn-Phänomen

Es erinnert an die klassische Weihnachtsgeschichte: Der Vater schenkt dem Sohn eine Modelleisenbahn – aber eigentlich möchte der Vater damit spielen. Ähnlich verhält es sich manchmal bei Gründungen. Jemand möchte ein Business aufbauen, aber nicht selbst die Verantwortung tragen. Also wird ein “Strohmann” vorgeschickt, der das Risiko und die Arbeit übernimmt.

Die Franchise-Falle: Kritisches Hinterfragen ist wichtig

Zurück zur Waschanlage: Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass das Franchise-Modell möglicherweise gar nicht nötig war. Das Geschäftsmodell war einfach, die Investitionen überschaubar. Die Frage war berechtigt: Was rechtfertigt die hohen Franchise-Gebühren, wenn man das Business genauso gut eigenständig aufbauen könnte?

Solche kritischen Fragen sind essentiell – aber sie müssen von der richtigen Person gestellt und beantwortet werden: vom eigentlichen Gründer.

Die Verantwortung bleibt bei dir

Egal wer dir bei der Gründung hilft, eines bleibt unveränderlich: Die Verantwortung trägst du allein. Du stehst im Firmenbuch, dein Name steht im Impressum, du hast den Gewerbeschein. Wenn etwas schiefgeht, sind die Berater und Helfer schnell weg – aber die rechtlichen und finanziellen Konsequenzen bleiben bei dir.

Praktische Tipps: So behältst du die Kontrolle

1. Das erste Gespräch alleine führen

Auch wenn du Co-Gründer hast oder Unterstützung bekommst – führe das erste Beratungsgespräch allein. So kannst du für dich klären: Will ich das wirklich? Ist das meine Vision?

2. Deine eigenen Fragen stellen

Lass nicht andere für dich fragen. Entwickle deine eigenen Zweifel, deine eigenen Prioritäten. Nur so behältst du die Kontrolle über deine Gründung.

3. Motivation hinterfragen

Woher kommt der Impuls für diese Gründung? Von dir oder von außen? Eine ehrliche Selbstreflexion kann späteren Ärger ersparen.

4. Grenzen ziehen

Hilfe anzunehmen ist gut – aber die finalen Entscheidungen müssen bei dir liegen. Lass dir nichts einreden, was nicht deiner Überzeugung entspricht.

Der Weg durch den Nebel

Eine Gründung ist nie nur eine individuelle Entscheidung. Sie passiert in einem Netzwerk von Beziehungen, Meinungen und Interessen. Das ist normal und oft auch hilfreich. Wichtig ist nur, dass du trotz aller Einflüsse deine eigene Richtung behältst.

Wenn du merkst, dass du die Kontrolle über deine Gründungsidee verlierst, ist es Zeit, einen Schritt zurückzutreten. Manchmal braucht es Mut, zu sagen: “Das ist meine Gründung, und ich entscheide.”

Fazit: Deine Gründung, deine Entscheidung

Der Gründungsnebel wird nie ganz verschwinden – und das muss er auch nicht. Wichtig ist, dass du lernst, durch ihn hindurchzusehen. Dass du erkennst, welche Stimmen hilfreich sind und welche dich von deinem Weg abbringen.

Lass dir gerne helfen, aber lass dir nichts einreden. Am Ende des Tages gründest du – und die Verantwortung für Erfolg und Misserfolg liegt bei dir.


Wenn du Klarheit über deine Gründungsidee bekommen möchtest – ganz ohne Nebel und fremde Einflüsse –, dann nutze unseren kostenlosen Gründungs-Checkup. Hier geht es nur um dich, deine Vision und deinen Weg in die Selbstständigkeit.

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#87: Kampfgeist, Können, Kunden – wenn Herz und Haltung gründen (Sommergespräche 2025)

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Meister und Anfänger zugleich: Was ein Capoeira-Trainer über erfolgreiche Gründungen lehrt

Seine Augen leuchteten, wenn er über Capoeira sprach – eine Mischung aus brasilianischem Kampfsport und Tanz. Dieser Capoeira-Meister aus Brasilien schaffte es, seine Leidenschaft in Wien zu einem erfolgreichen Business zu machen. Seine Geschichte aus der “Leiwand gründen” Beratung zeigt zwei entscheidende Erfolgsfaktoren: echte Leidenschaft und die Bereitschaft, in neuen Bereichen wieder Anfänger zu sein.

Der Brasilianer mit der ansteckenden Leidenschaft

Ein Capoeira-Meister aus Brasilien kam aus Liebe nach Wien und wollte hier das tun, was naheliegend war: eine eigene Capoeira-Schule eröffnen. Er hatte bereits Erfahrung gesammelt, indem er bei einer bestehenden Schule gearbeitet und den österreichischen Markt kennengelernt hatte.

Seine Ausgangssituation:

  • Meisterschaftliches Können in Capoeira
  • Erfahrung mit Kindern und Erwachsenen
  • Kenntnis des österreichischen Marktes
  • Sprachkenntnisse in Deutsch

Doch was diese Geschichte zu einer Erfolgsgeschichte machte, waren nicht nur diese rationalen Faktoren.

Erfolgsfaktor 1: Authentische Leidenschaft

Die Kraft der echten Begeisterung: Wenn er über Capoeira sprach, leuchteten seine Augen. Seine Leidenschaft war so authentisch und ansteckend, dass selbst Gründungsberater plötzlich Lust bekamen, Capoeira auszuprobieren.

Diese Art von Leidenschaft kann man nicht herstellen oder durch Marketingpläne vermitteln. Sie kommt aus dem Menschen selbst und hat eine Kraft, die schwer zu beschreiben ist. Wenn Gründer von etwas sprechen, wovon sie hundertprozentig überzeugt sind, spüren das auch die Kunden.

Das beste Verkaufsargument der Welt

“Ich würde es selber auch kaufen” – wenn man Angebote entwickelt, von denen man selbst Fan ist, weil man sie erlebt hat, dann ist das ein Verkaufsargument, das durch nichts zu ersetzen ist. Diese Überzeugung schwingt mit und kommt beim Gegenüber an.

Das Gegenteil: “Ich brauche den Auftrag unbedingt” – diese Verzweiflung spüren Kunden sofort und wirkt abstoßend.

Erfolgsfaktor 2: Unermüdlichkeit ohne Jammern

Der Weg zum Erfolg war nicht einfach:

  • Turnhallen in Wien finden
  • Erste Kurse organisieren
  • Sich bekannt machen
  • Kommunikation mit Eltern
  • Website aufbauen
  • Kurse füllen und Teilnehmer bei Laune halten

Das Besondere: Er hat sich nie beschwert oder gejammert. Es war spürbar schwierig am Anfang, aber er zweifelte nie daran, dass es funktionieren würde. Diese sportliche Haltung – vielleicht geprägt durch Capoeira – half ihm dabei, die anfänglichen Herausforderungen zu meistern.

Meister in einem, Anfänger im anderen

Die wunderbare Kombination: Echter Meister in Capoeira, völliger Anfänger im Business. Und genau diese Kombination war der Schlüssel zum Erfolg.

In Capoeira: Jahrelange Expertise, Meisterschaft, Können Im Business: Demütige Haltung, Lernbereitschaft, Offenheit

Die größte Herausforderung der Gründungsphase

Das Dilemma des Könnens: Als Selbstständiger macht man sich meist mit etwas selbstständig, was man gut kann. Man hat einen gewissen Expertenlevel erreicht. Die große Herausforderung ist dann zu akzeptieren, dass man in der Selbstständigkeit wieder Anfänger ist.

Die Gefahr der Selbstüberschätzung: Wir überschätzen oft unsere Fähigkeiten als Unternehmer, weil wir es noch nie gemacht haben. Fachliches Können hilft nicht automatisch beim Unternehmertum.

Der Anfängergeist (Beginner’s Mind)

Aus dem Zen-Buddhismus: “Ich weiß, dass ich nichts weiß” – eine Haltung völliger Offenheit ohne Vorannahmen.

Praktisch bedeutet das:

  • Den Stolz ablegen
  • Zugeben können, dass man keine Ahnung hat
  • Um Hilfe bitten, bevor man Fehler macht
  • Nicht vorgeben zu wissen, was man nicht weiß

Von der Arroganz zur Stärke

Die typische Falle: “Das kann ich schon irgendwie” oder “Das kann ja nicht so schwer sein” oder “Ich bin eh schon auf Instagram, also kann ich Social Media Marketing.”

Die Realität: Dreimal auf Facebook zu posten ist etwas völlig anderes als professionelles Social Media Marketing zu betreiben.

Die Lösung: Ehrlich zugeben, dass man wahrscheinlich keine Ahnung hat. Das macht nicht schwach oder inkompetent – im Gegenteil, daraus entsteht Kraft, weil man sich nicht mehr selbst im Weg steht.

Souveränität durch Demut

Das Paradox: Der Capoeira-Meister wirkte nicht schwach, als er zugab, vom Business nichts zu verstehen. Er wirkte souverän, kompetent und beeindruckend – “stolz in seiner Demütigkeit.”

Der Grund: Wenn das Ego nicht ständig im Weg ist, können Lösungen gefunden und Hilfe angenommen werden. Klarheit über den Ist-Stand ermöglicht es, gezielte Maßnahmen zu ergreifen.

Was andere Gründer lernen können

Vorsicht vor pauschalen Lektionen: Jeder muss seine eigene Geschichte finden und entwickeln. Trotzdem gibt es zwei universelle Prinzipien:

1. Leidenschaft entwickeln: Wenn möglich, Angebote schaffen, von denen man selbst hundertprozentig überzeugt ist. Diese Authentizität ist durch nichts zu ersetzen.

2. Anfängergeist kultivieren: In neuen Bereichen demütig bleiben und zugeben, wenn man etwas nicht kann. Das ermöglicht echtes Lernen und Wachstum.

Der Unterschied zwischen Amateur und Profi

Die Anfangsphase: Auch wenn nur zwei Leute zum Kurs kommen, macht man ihn trotzdem. Nicht weil es sich auszahlt, sondern weil man es ernst meint mit dem Business.

Das Fundament: Bis dieses aufgebaut ist, dauert es oft ziemlich lange. Durchhaltevermögen und Geduld sind entscheidend.

Kleine Schritte, große Wirkung

Wie beim Capoeira-Training: Man wird durch viele kleine Schritte zum Meister. Genauso funktioniert erfolgreiches Unternehmertum – ein Schritt nach dem anderen, ohne aufzugeben.

Die Kraft der richtigen Einstellung

Höhen und Tiefen: Gehören dazu, wie beim Erlernen jeder neuen Fähigkeit. Erfolge und Misserfolge: Sammeln sich an, bis es “passt.” Die entscheidende Haltung: Nie zweifeln, aber auch nie beschönigen.

Fazit: Die perfekte Balance

Diese Erfolgsgeschichte zeigt die perfekte Balance zwischen zwei Polen:

  • Meisterschaft dort, wo man sich wirklich auskennt
  • Anfängergeist dort, wo man tatsächlich am Anfang steht

Der Schlüssel liegt darin: Beide Haltungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort einzusetzen.

Echte Leidenschaft kombiniert mit demütiger Lernbereitschaft – das ist eine Kombination, die schwer zu schlagen ist. Sie macht nicht nur erfolgreich, sondern auch glaubwürdig und authentisch.

Ein Wort zum Schluss

Nicht jeder hat das Glück, seine größte Leidenschaft zum Beruf machen zu können. Aber die Haltung des “Meisters und Anfängers zugleich” lässt sich auf jede Gründung übertragen: Expertise in der Sache, Demut im Business.

Übrigens: Wenn du einen kleinen Deep Dive über deine Geschäftsidee machen möchtest – egal ob du schon ein Meister in deinem Fach bist oder noch ganz am Anfang stehst – dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf deine Situation und helfen dir dabei, den richtigen Mix aus Expertise und Lernbereitschaft zu finden.

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#86: Schicksal, Stillstand, Stopp-Taste – wenn das Leben dazwischenfunkt (Sommergespräche 2025)

Der Podcast

Wenn das Leben dazwischenfunkt: Warum manchmal die Stopp-Taste die beste Entscheidung ist

Das Telefon klingelt mitten im Gründungsgespräch. Die Nachricht: Ein Familienmitglied ist gestorben. Was als Krönung einer durchdachten Gründungsberatung geplant war, wird zum Wendepunkt. Eine “Leiwand gründen” Geschichte über Schicksalsschläge, Lebenswenden und warum manchmal Pausieren wichtiger ist als Gründen.

Die Friseurin: Perfekt vorbereitet, aber das Leben hatte andere Pläne

Sie war eine opportunistische Gründerin par excellence: Eine Friseurin, die sich aus ihrem Berufsumfeld heraus selbstständig machen wollte. Durch ihr Netzwerk hatte sie bereits Kontakte zu einem Nagelstudio gefunden, wo sie sich einmieten konnte. Zusätzlich plante sie mobile Hausbesuche für weniger mobile Kunden.

Alles war perfekt vorbereitet:

  • Durchdachter Businessplan
  • Realistische Umsatzplanung
  • Solide Kalkulation
  • Bodenständige, kompetente Gründerin

Dann kam der Anruf mitten im Beratungsgespräch.

Der Moment, der alles verändert

Ein Todesfall in der Familie – und plötzlich ist nichts mehr wie vorher. Das Gründungsvorhaben wurde “über den Hafen geworfen”, weil sich die Prioritäten völlig verschoben.

Die Kettenreaktion:

  • Erbschaftsangelegenheiten
  • Veränderte Wohnsituation
  • Pflegebedürftige Angehörige
  • Neue Verantwortungen

Ein Stein kam ins Rollen, der das gesamte Lebensgefüge durcheinanderbrachte.

Das Berater-Dilemma: Zuhören oder Stoppen?

Als Gründungsberater erlebt man nicht nur Geschäftsideen, sondern ganze Lebensgeschichten: Scheidungen, Familienzwist, Betriebsübernahmen, Schwangerschaften – und eben auch Schicksalsschläge.

Das typische Muster:

  1. Schock und Stillstand (erste Wochen)
  2. Euphorie und Trotz (“Ich mache es trotzdem!”)
  3. Die kritische Frage: Pausetaste drücken oder weitermachen lassen?

Störungen haben Vorrang

Wie es im Trainingsjargon heißt: “Störungen haben Vorrang.” Man kann nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Lebensverändernde Ereignisse brauchen Raum und Zeit.

Die harte Realität: In 250+ begleiteten Gründungen gab es kein einziges Beispiel, wo eine Gründung in einer lebensverändernden Situation tatsächlich funktioniert hätte.

Warum die Stopp-Taste oft die beste Entscheidung ist

Energiemangel: Wenn man nicht voll bei der Sache sein kann, was aber in der Anfangszeit nötig ist, um ein Business hochzuziehen, dann funktioniert es nicht.

Mentale Kapazität: Es funktioniert nicht nur zeitlich nicht, sondern auch “vom Kopf her nicht mehr”, weil die Gründung einfach nicht mehr das Wichtigste ist.

Risiko der Überforderung: Eine weitere Baustelle aufzumachen, könnte im schlimmsten Fall das ganze “Kartenhaus zum Einsturz bringen.”

Die Gedankenfallen der Betroffenen

Menschen in solchen Situationen sehen oft nicht, dass eine Pause hilfreich wäre. Stattdessen denken sie:

  • “Jetzt oder nie!”
  • “Wenn nicht jetzt, wann dann?”
  • “Sonst nimmt mir jemand die Geschäftsidee weg”
  • “Die Gelegenheit am Markt ist jetzt da”

Gesundheit als weiterer Faktor

Nicht nur Schicksalsschläge, auch gesundheitliche Probleme sollten Vorrang haben. Oft hört man nur nebenbei: “Da ist noch eine OP geplant” – und dann folgen wochenlange Ausfälle und Folgethemen.

Die klare Botschaft: Wenn der Körper bereits “schreit”, dann ist Zeit für Selbstfürsorge, nicht für Gründungsstress.

Der Unterschied: Vor vs. während der Selbstständigkeit

Vor der Gründung: Das Risiko lässt sich rausnehmen – man gründet einfach nicht.

Während der Selbstständigkeit: Hier ist die Situation komplexer, da bereits Verpflichtungen und Verantwortungen bestehen.

Österreichs Vorteil: Das soziale Netz gibt Menschen die Chance, Zeit zu gewinnen und nicht unter Zeitdruck zu handeln.

Der Mensch hinter der Gründung

In solchen Momenten wird besonders deutlich: Gründungsberatung ist Menschenberatung. Es geht nicht nur um objektive Geschäftspläne, sondern um Menschen mit ihren Sorgen, Ängsten und Lebenssituationen.

Die schwierige Rolle des Beraters: Manchmal muss man ehrlich sagen: “Ich kann dir nicht sagen, was die nächsten Schritte sind, aber die Gründung ist es nicht.”

Die Befreiung durch die Pause

Paradoxerweise kann die Entscheidung zur Pause befreiend wirken. Wenn das Gründungsthema “vom Tisch ist”, entsteht mentaler Freiraum für die wirklich wichtigen Themen.

Die Erkenntnis: “Gott sei Dank ist das Thema wenigstens mal erledigt, damit ich einen freien Kopf für alles andere habe.”

Jenseits der Erfolgsgeschichten

In Biografien und Medien liest man meist nur die Erfolgsgeschichten – “heile Wonne” überall. Die Realität ist anders: Jeder hat seine “Päckchen zu tragen”, und gewisse Dinge passieren einfach.

Wichtig ist: Dass man jemanden hat, mit dem man darüber sprechen kann.

Die Geschäftsidee läuft nicht davon

Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Gute Geschäftsideen sind auch in einem, zwei oder drei Jahren noch genauso gut. Aber “jetzt ist einfach nicht die Zeit.”

Der richtige Zeitpunkt: Wenn das störende Thema nicht behandelt ist, wird es sich “immer reindrängen” und die Gründung sabotieren.

Lektionen für Gründer und Berater

Für Gründer:

  • Ehrlich zu sich selbst sein über die aktuelle Lebenssituation
  • Akzeptieren, dass manche Dinge Vorrang haben
  • Verstehen, dass Pausen keine verlorene Zeit sind
  • Sich Unterstützung holen, statt alleine zu kämpfen

Für Berater:

  • Den Menschen hinter der Geschäftsidee sehen
  • Mut haben, unpopuläre Wahrheiten auszusprechen
  • Verstehen, dass “Nein” manchmal die beste Beratung ist
  • Raum für Emotionen und Lebenswirklichkeiten schaffen

Fazit: Menschlichkeit vor Businessplan

Diese Geschichte zeigt: Gründungsberatung ist mehr als Zahlen und Strategien. Es geht um Menschen in all ihren Lebenssituationen. Manchmal ist die beste Beratung, jemandem zu sagen, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist.

Der Schlüssel liegt darin: Zu erkennen, wann das Leben Vorrang hat – und den Mut zu haben, die Stopp-Taste zu drücken.

Das ist keine Niederlage, sondern Weisheit. Denn nur wer ehrlich mit sich selbst ist, kann später erfolgreich gründen – wenn die Zeit dafür reif ist.

Ein Wort zum Schluss

Das Leben ist unberechenbar, und manchmal durchkreuzt es unsere besten Pläne. Das ist normal und menschlich. Wichtig ist, dass man in solchen Momenten nicht alleine ist.

Übrigens: Wenn sich in deinem Leben gerade etwas Großes verändert und du dir unsicher bist, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Gründung ist – oder auch wenn du einfach jemanden zum Sprechen brauchst – dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf deine Situation. Manchmal ist es auch in Ordnung, eine Geschäftsidee in die Schublade zu legen und später wieder herauszuholen. Wir sind da, wenn du bereit bist.

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#85: Gestalten, beraten, schmücken – wenn Business zum Hobby wird (Sommergespräche 2025)

Der Podcast

Wenn Geld keine Rolle spielt: Gründungen ohne Umsatzdruck

“Das Einkommen ist eigentlich ziemlich wurscht” – ein Satz, den man in der Gründungsberatung nicht oft hört. Doch manchmal gibt es Situationen, wo Menschen sich selbstständig machen, ohne dass das Geld im Vordergrund steht. Eine “Leiwand gründen” Geschichte über Gründungen in der zweiten Lebenshälfte und warum nicht jedes Business um Umsatz kämpfen muss.

Die zweite berufliche Hälfte: Wenn Geld zur Nebensache wird

Es ist ein Muster, das sich in der Gründungsberatung immer wieder zeigt: Frauen in der zweiten beruflichen Lebenshälfte, deren Kinder aus dem Haus sind, die endlich Zeit für eigene Projekte haben. Die finanzielle Situation ist entspannt – das Haus ist abbezahlt, der Partner verdient gut, die großen Ausgaben sind vorbei.

Typische Ausgangssituation:

  • Eigenes Haus, keine Miete
  • Partner mit gutem Einkommen
  • Kinder finanziell selbstständig
  • Ersparnisse vorhanden
  • Wunsch nach sinnvoller Beschäftigung

Beispiele aus der Praxis

Die Lebens- und Sozialberaterin: Eine Frau wollte anderen Menschen helfen, hatte aber keinen Druck, viele Kunden zu akquirieren. Hauptsache, die Tätigkeit war erfüllend.

Die Schmuckdesignerin: Kunsthandwerk war ihre Leidenschaft. Ob sie fünf oder zehn Stücke pro Monat verkauft, spielte keine Rolle – solange sie ihre Kreativität ausleben konnte.

Beiden gemeinsam: Ihre Geschäftsideen ergaben, betriebswirtschaftlich betrachtet, “eine schwarze Null” – ein Hobby, das sich selbst finanziert.

Der Betriebswirt vs. die Lebenspraxis

Der strenge Betriebswirt würde sagen: “Was am Markt keine Berechtigung hat, verschwindet wieder.” Aber hier zeigt sich: Gott sei Dank geht es im Leben um mehr als Betriebswirtschaft.

Diese Gründungen sind nicht schlechter, nur weil sie kein Geld verdienen müssen. Sie sind vollwertige Businesses mit einem anderen Zweck: der Suche nach Gestaltungsmöglichkeiten und sinnvoller Beschäftigung.

Die Vorteile des druckfreien Gründens

Keine Kompromisse bei der Kundenauswahl: Man kann sich die “leibenden” Kunden aussuchen und muss nicht jeden Auftrag annehmen.

Kein permanenter Marketingdruck: Wenn drei Kunden diesen Monat reichen, ist das völlig in Ordnung.

Normale Preise: Nur weil kein Umsatzdruck herrscht, muss man nicht billiger sein. Die Leistung hat ihren Wert.

Gestaltungsfreiheit: Man kann das Business so entwickeln, wie es einem entspricht, ohne ständige Wachstumsziele.

Störungen im Marktgefüge?

Eine berechtigte Frage: Macht das nicht den Markt für andere kaputt? Die Antwort: Nicht unbedingt. Diese Gründer verlangen normale Honorare und Preise. Der Unterschied liegt nur darin, dass sie keinen Umsatzdruck haben und sich entspannte Entscheidungen leisten können.

Die Herausforderung: Verlust der Marktorientierung

Wenn der Einkommensdruck wegfällt, kann auch die Marktorientierung leiden. Die Fragen ändern sich:

  • Statt: “Was brauchen meine Kunden?”
  • Zu: “Was will ich machen?”

Das kann dazu führen, dass man sich von den tatsächlichen Kundenbedürfnissen entfernt und hauptsächlich das macht, was einem selbst Spaß macht.

Weniger unternehmerische Entwicklung?

Ein wichtiger Aspekt: Die unternehmerische Weiterentwicklung findet weniger statt, weil sie nicht stattfinden muss. Der Marktdruck, der normalerweise zu Innovation und Verbesserung zwingt, fehlt.

Die Persönlichkeitsreise der Selbstständigkeit – normalerweise ein intensiver Lernprozess – verläuft entspannter, aber auch weniger intensiv.

Professionalität ohne Umsatzdruck

Interessant: Die beobachteten Gründerinnen waren trotzdem sehr professionell und kundenorientiert. Sie achteten darauf, wirklichen Nutzen zu stiften. Der einzige Unterschied: Es war egal, ob drei oder zehn Kunden kamen.

Skin in the Game: Braucht es den Druck?

“Skin in the Game” – ein eigenes Risiko zu haben – führt oft zu kreativerem Denken und besseren Lösungen. Wenn der eigene “Säckel” spürbar ist, handelt man anders. Aber ist das immer notwendig?

Die Gegenfrage: Ist es wirklich besser, ständig Umsatzdruck zu haben? Macht einen das zu einem besseren Unternehmer oder nur zu einem gestressten Menschen?

Das Kundendilemma

Ein möglicher Konflikt: Ein gestresster Unternehmer mit wenig Zeit trifft auf einen entspannten Dienstleister ohne Zeitdruck. Kann das funktionieren?

Die Erfahrung zeigt: Ja, wenn die Professionalität stimmt. Entspannte Dienstleister können oft sogar bessere Lösungen bieten, weil sie nicht unter Druck stehen.

Vollwertige Businesses mit anderem Zweck

Das Learning: Ein Business muss sich nicht nur über Umsatz definieren. Manchmal geht es einfach darum, eine Tätigkeit in eine Form zu gießen, die einem entspricht, ohne Verluste zu machen.

Kriterien für ein vollwertiges Business ohne Umsatzdruck:

  • Die Tätigkeit ist gesellschaftlich nützlich
  • Es wird professionell gearbeitet
  • Die Kosten werden gedeckt
  • Kunden erhalten echten Mehrwert
  • Der Gründer ist zufrieden

Das Ideal: Druckfreies Arbeiten

Vielleicht ist das sogar ein Ziel, das sich alle Gründer setzen sollten: Irgendwann so erfolgreich zu sein, dass man ohne Umsatzdruck arbeiten kann. Zusätzliche Einnahmequellen, passives Einkommen oder finanzielle Sicherheit ermöglichen es, nur noch Projekte anzunehmen, die wirklich passen.

Verschiedene Phasen der Selbstständigkeit

Phase 1: Überleben – jeder Auftrag wird angenommen 

Phase 2: Wachsen – strategische Kundenauswahl 

Phase 3:Gestalten – druckfreies Arbeiten wird möglich

Manche haben das Glück, direkt in Phase 3 starten zu können – meist haben sie es sich aber in anderen Lebensbereichen verdient.

Nicht nur ein Frauen-Phänomen

Obwohl das Muster häufig bei Frauen in der zweiten Lebenshälfte beobachtet wird, ist es nicht darauf beschränkt. Auch Männer oder jüngere Menschen können sich in solchen Situationen befinden – durch Erbschaften, erfolgreiche Investments oder andere Umstände.

Fazit: Business ist mehr als BWL

Diese Gründungen zeigen, dass es verschiedene Definitionen von Erfolg gibt. Ein Business muss nicht ständig wachsen oder maximale Gewinne erzielen, um wertvoll zu sein.

Der Schlüssel liegt darin zu verstehen: Selbstständigkeit kann verschiedene Zwecke erfüllen – von der Existenzsicherung bis zur Selbstverwirklichung.

Wichtig ist nur, ehrlich zu sich selbst zu sein über die eigenen Ziele und Möglichkeiten.

Ein Wort zum Schluss

Ob mit oder ohne Umsatzdruck – jede Form der Selbstständigkeit hat ihre Berechtigung. Entscheidend ist, dass sie zu den persönlichen Umständen und Zielen passt.

Übrigens: Egal ob du gerade die Kinder aus dem Haus hast und endlich deine Geschäftsidee umsetzen möchtest, oder ob du unter Erfolgsdruck ein Business aufbauen willst – wir sind ansprechbar. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf deine Situation und entwickeln den für dich passenden Weg in die Selbstständigkeit. Denn jeder Weg ist anders – und das ist auch gut so.

Die Links

#78: Ist Gründen mit 40 das neue 30? – Über Gründungen in der zweiten Karriere-Hälfte

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#84: Sägen, schleifen, scheitern? Vom Tischler zum Unternehmer (Sommergespräche 2025)

Der Podcast

Vom Handwerker zum Unternehmer: Warum fachliches Können allein nicht reicht

“Das, was mein Chef da macht, das kann ich auch – oder sogar besser!” Dieser Satz fällt häufig, wenn erfahrene Handwerker über eine Selbstständigkeit nachdenken. Doch wie die “Leiwand gründen” Gründungsberatung zeigt, ist der Weg vom Angestellten zum erfolgreichen Unternehmer komplexer als gedacht. Eine Geschichte über Tischler, Schlosser und die unsichtbare Seite der Selbstständigkeit.

Die Werkstattgemeinschaft: Innovation im Handwerk

Ein Tischler hatte eine clevere Geschäftsidee: Anstatt alleine hohe Investitionen in Maschinen und Werkstätte zu stemmen, schloss er sich mit anderen Tischlern zu einer Werkstattgemeinschaft zusammen. Gemeinsame Nutzung von Equipment, geteilte Kosten, gegenseitige Unterstützung bei großen Aufträgen – ohne feste Anstellungen.

Diese innovative Herangehensweise zeigt, wie kreativ Handwerker mit den Herausforderungen der Selbstständigkeit umgehen können. Doch selbst bei so durchdachten Konzepten bleiben wichtige Fragen offen.

Was Gründungsberater (nicht) sind

Interessant ist oft die Wahrnehmung, was ein Gründungsberater eigentlich tut. Er ist nicht:

  • Die Gewerbeordnung (stellt keine Gewerbescheine aus)
  • Das Finanzamt (kann keine Steuern erlassen)
  • Eine Förderbank (verteilt keine Förderungen)
  • Die Sozialversicherung (bietet keine Versicherungen an)

Trotzdem fühlt man sich manchmal “wie ein Klotz am Bein” – bis der Mehrwert klar wird.

Der wahre Wert der Beratung

Im Fall des Tischlers wurde durch gezielte Fragen und Erfahrungsaustausch deutlich, wie wichtig es ist, am “Rahmen” der Selbstständigkeit zu arbeiten. Der Gründer erkannte, dass er zwar von seinen Kollegen fachlich lernen konnte, aber für sein eigenes Business spezifische Herausforderungen zu meistern hatte.

Die entscheidende Erkenntnis: Es reicht nicht, ein guter Handwerker zu sein – man muss auch ein guter Unternehmer werden.

Erfolgreich durch Spezialisierung: Der Sicherheitstüren-Spezialist

Ein anderes Beispiel aus der Beratungspraxis: Ein Schlosser, der sich auf Sicherheitstüren spezialisierte. Er hatte:

  • Alle nötigen Zertifikate
  • Eine klare Nischenstrategie
  • Ein durchdachtes Geschäftsmodell
  • Eigenes Mini-Netzwerk
  • Konkrete Marketing-Strategie

Sein Erfolgsgeheimnis: Er war nicht “der Schlosser für alles”, sondern der Experte für einen spezifischen Bereich. Er wusste genau, was er leisten konnte und was nicht.

Die unsichtbare Arbeit des Chefs

Das Grundproblem vieler Handwerker auf dem Weg in die Selbstständigkeit: Sie sehen nur die sichtbare Arbeit ihres Chefs. Was sie oft übersehen:

Die unsichtbaren Aufgaben:

  • Kundenakquise und Netzwerkaufbau (über Jahre aufgebaut)
  • Projektplanung und Koordination
  • Rechnungswesen und Buchhaltung
  • Angebotserstellung und Kalkulation
  • Mitarbeiterführung und -einteilung
  • Zertifikate und Weiterbildungen
  • Strategische Unternehmensführung

Vieles, was selbstverständlich erscheint, musste der Chef in 10, 20 oder 30 Jahren erst aufbauen.

Die drei Rollen des Selbstständigen

Nach Stefan Merath gibt es drei entscheidende Rollen in jedem Unternehmen:

Der Fachexperte: Macht die handwerkliche Arbeit Der Manager: Organisiert Abläufe und Prozesse
Der Unternehmer: Entwickelt Vision und Strategie

Als Angestellter war man meist nur in der ersten Rolle tätig. Als Selbstständiger muss man alle drei Rollen beherrschen – besonders als Solo-Selbstständiger.

Vom Angestellten zum Unternehmer: Der Rollenwechsel

Die Transformation ist tiefgreifend:

Als Angestellter:

  • Montag bis Freitag auf der Baustelle
  • Fokus auf fachliche Exzellenz
  • Klare Arbeitszeiten und Aufgaben
  • Jemand anderer kümmert sich um den “Rest”

Als Selbstständiger:

  • Projektplanung und Koordination
  • Kundenbetreuung und Akquise
  • Administrative Tätigkeiten
  • Strategische Entscheidungen
  • Risiko und Verantwortung

Der Markt für Betriebsübernahmen

Ein interessanter Trend: Viele erfahrene Mitarbeiter haben das Potenzial, kleinere Familienbetriebe zu übernehmen. Ihnen fehlt aber oft das Know-how für die Selbstständigkeit. Hier liegt ein wachsender Markt für professionelle Unterstützung.

Die Kundenfrage: Der Kern jeder Gründung

Egal wie gut die handwerklichen Fähigkeiten sind – ohne Kunden gibt es kein Überleben. Die entscheidenden Fragen:

  • Wie finden Kunden zu mir?
  • Wie unterscheide ich mich vom Wettbewerb?
  • Welchen Mehrwert biete ich?
  • Wie kommuniziere ich meine Leistungen?

Lektionen für angehende Handwerks-Unternehmer

Vor der Gründung:

  • Analysiere nicht nur die sichtbare, sondern auch die unsichtbare Arbeit deines Chefs
  • Entwickle ein klares Geschäftsmodell
  • Spezialisiere dich auf eine Nische
  • Sammle erste unternehmerische Erfahrungen

Nach der Gründung:

  • Arbeite bewusst an allen drei Rollen (Fachexperte, Manager, Unternehmer)
  • Investiere Zeit in Kundenakquise und Marketing
  • Baue systematisch dein Netzwerk auf
  • Vergiss nicht die Vogelperspektive auf dein Unternehmen

Das Geschäftsmodell im Fokus

Die zentrale Frage lautet immer: “Wie wird hier Geld verdient?” Diese Frage zu beantworten ist oft schwieriger als gedacht und erfordert eine ehrliche Analyse von:

  • Zielgruppe und Markt
  • Alleinstellungsmerkmalen
  • Preisgestaltung
  • Vertriebswegen
  • Kostenstruktur

Fazit: Respekt vor der unternehmerischen Leistung

Wenn ein Handwerksbetrieb schon lange erfolgreich am Markt ist, hat der Chef vieles richtig gemacht – auch wenn er vielleicht kein perfekter Chef ist. Diese Anerkennung kommt oft erst, wenn man selbst versucht hat, es genauso gut oder besser zu machen.

Der Schlüssel liegt darin, sowohl die fachliche als auch die unternehmerische Seite der Selbstständigkeit ernst zu nehmen.

Der Weg vom Handwerker zum Unternehmer ist eine spannende Reise – aber sie erfordert mehr als nur handwerkliches Können. Wer beide Seiten meistert, hat die besten Chancen auf nachhaltigen Erfolg.

Ein Wort zum Schluss

Die Selbstständigkeit im Handwerk bietet große Chancen – von innovativen Kooperationsmodellen bis hin zu spezialisierten Nischenmärkten. Wichtig ist, die Komplexität der unternehmerischen Aufgaben nicht zu unterschätzen und sich professionelle Unterstützung zu holen.

Übrigens: Wenn du als Handwerker mit einer Geschäftsidee spielst oder bereits ein laufendes Business hast und das Gefühl hast, dass ein externer Blick hilfreich wäre, dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf dein Vorhaben und geben dir wertvolle Inputs für deinen Weg in die oder durch die Selbstständigkeit.

Die Links

Stefan Merath: Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer (das erwähnte Buch über die drei Rollen Fachkraft, Manager:in, Unternehmer:in) – Amazon

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#83: Wenn das Herz Ja sagt, aber der Taschenrechner Nein (Sommergespräche 2025)

Der Podcast

Wenn das Herz Ja sagt, aber der Taschenrechner Nein: Warum Zahlen manchmal Träume platzen lassen

Manchmal ist eine Geschäftsidee so schön, so durchdacht und so sinnvoll, dass man sie am liebsten sofort umsetzen möchte. Doch dann kommt der Moment der Wahrheit: die Kalkulation. Eine “Leiwand gründen” Geschichte über eine polnische Kreislerin zeigt, warum der Taschenrechner manchmal der härteste Kritiker ist – und warum das auch gut so ist.

Die Greisslerin: Ein Traum von Community und Nahversorgung

Eine sympathische Polin war mit ihrem Mann in ein neues Wiener Stadtentwicklungsgebiet gezogen. Ihre Beobachtung: Viele junge Familien, aber keine Nahversorgung. Im Erdgeschoss ihres Hauses stand eine Gewerbefläche leer – die perfekte Gelegenheit für eine moderne Kreislerei.

Die Vision war wunderschön: Ein kleiner Kaufmannsladen, der nicht nur Lebensmittel verkauft, sondern als Community-Treffpunkt fungiert. Mit einem kleinen Bistro, wo sich Nachbarn austauschen können. Eine Neuinterpretation der traditionellen Greisslerei als Herzstück des Grätzls.

Die Gründerin war perfekt geeignet: Offen, gesprächig, nett – genau der Typ Mensch, der eine solche Kreislerei zum Leben erwecken könnte.

Der Moment der Wahrheit: Zahlen haben keine Gefühle

Dann kam der Moment, wo Träume auf Realität treffen: die Kalkulation. Und hier zeigt sich eine unangenehme Wahrheit über Gründungsberatung – manchmal muss man Träume platzen lassen.

Das ernüchternde Ergebnis:

  • Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 8:00 bis 20:00 Uhr
  • Arbeitszeit: Jeden Tag, durchgehend
  • Personal: Nur die Gründerin und gelegentlich ihr Mann
  • Einkommen: Gerade mal “halbwegs akzeptabel”

Das Dilemma des Lebensmitteleinzelhandels

Die Mathematik des kleinen Lebensmittelhandels ist gnadenlos:

  • Geringe Margen aufgrund kleiner Einkaufsmengen
  • Konsumenten sind niedrige Preise gewohnt (Billa, Spar etc.)
  • Hohe Konkurrenz durch Großketten
  • Notwendige lange Öffnungszeiten für ausreichenden Umsatz

Das Resultat: Um zu überleben, müsste man sehr, sehr viel verkaufen und sehr, sehr lange arbeiten.

Geschäftsmodell vs. Lebensmodell

Das eigentliche Problem lag tiefer: Die Gründerin wollte nicht nur ein Business aufbauen, sondern auch eine Familie gründen. Das Geschäftsmodell “Kreislerei” passte nicht zum gewünschten Lebensmodell.

Der Konflikt:

  • Geschäftsmodell: 84 Stunden/Woche, 7 Tage die Woche
  • Lebensmodell: Zeit für Familie, Wochenenden frei

Als Gründungsberater blieb nur eine ehrliche Empfehlung: “Ich glaube, es ist besser, diese Gründung nicht zu verfolgen.”

Ähnliche Geschichten: Das Muster wiederholt sich

Der nachhaltige Lebensmittelhändler: Wollte ein Unverpackt-Laden eröffnen, komplett alleine führen und trotzdem genug Zeit für die Familie haben. Die Rechnung ging nicht auf – wer bestellt, wer putzt, wer verkauft, wenn er bei der Familie ist?

Die Unternehmensberaterin: Wollte sich selbstständig machen, aber ungern ständig auf Reisen sein. Ihr Geschäftsmodell erforderte jedoch permanente Reisetätigkeit.

Die harte Realität der Selbstständigkeit

Ein Business ist “wie ein kleines Kind” – es ist bedürftig, braucht Aufmerksamkeit und fordert diese auch ein. Wenn man diese Aufmerksamkeit nicht geben kann oder will, verkümmert das Unternehmen.

Wichtige Erkenntnisse:

  • Jede Selbstständigkeit hat ihren Preis
  • Ressourcen müssen verfügbar sein, um sie zu geben
  • Das “gesamte Spektrum” der Selbstständigkeit betrachten

Wenn die Realität zu spät kommt

Besonders tragisch wird es, wenn diese Erkenntnis erst nach Jahren der Selbstständigkeit kommt – wenn bereits hohe Summen in Geschäftslokal, Einrichtung und Waren investiert wurden. Dann hat der Lernprozess einen viel höheren Preis.

Die Bedeutung des richtigen Gesprächspartners

Problematische Ratgeber:

  • Andere Unternehmer (deren Lebenssituation ist anders)
  • Familie und Freunde (“Super Idee, mach einfach!”)
  • Menschen ohne Branchenerfahrung

Was fehlt: Jemand, der sich die Zahlen ansieht und ehrlich durchrechnet, ob das Geschäftsmodell zum Lebensmodell passt.

Lektionen für angehende Gründer

Vor der Gründung prüfen:

  • Passt das Geschäftsmodell zu meinem gewünschten Lebensstil?
  • Bin ich bereit, die notwendige Zeit und Energie zu investieren?
  • Sind meine Erwartungen an Arbeitszeiten und Einkommen realistisch?
  • Habe ich alle “versteckten” Aufgaben bedacht?

Ehrliche Kalkulation:

  • Realistische Umsatzprognosen
  • Alle Kosten berücksichtigen
  • Arbeitszeit ehrlich kalkulieren
  • Verschiedene Szenarien durchrechnen

Der schmerzhafte, aber notwendige Service

Als Gründungsberater manchmal “Nein” zu sagen, ist schmerzhaft – besonders bei so sympathischen Menschen mit guten Absichten. Aber es ist ein notwendiger Service.

Die Alternative wäre:

  • Falsche Hoffnungen wecken
  • Finanzielle Verluste riskieren
  • Jahre des Leidens in Kauf nehmen
  • Familie und Gesundheit gefährden

Nicht alle Träume sind schlechte Geschäftsideen

Wichtig zu verstehen: Eine Idee kann wunderbar und gesellschaftlich wertvoll sein, ohne ein gutes Business zu werden. Die Kreislerei wäre großartig für das Grätzl gewesen – aber kein nachhaltiges Geschäftsmodell für die Gründerin.

Alternativen finden

Manchmal lassen sich Geschäftsmodelle anpassen:

  • Online-Angebote statt Reiseberatung
  • Franchising statt Eigenständigkeit
  • Kooperationen zur Risikoteilung
  • Andere Zielgruppen oder Märkte

Fazit: Träume und Realität in Einklang bringen

Der Taschenrechner ist nicht der Feind der Träume – er ist ihr Realitätscheck. Eine ehrliche Kalkulation zu Beginn erspart später viel Leid und finanzielle Verluste.

Der Schlüssel liegt darin, Geschäfts- und Lebensmodell von Anfang an aufeinander abzustimmen.

Manchmal bedeutet das, eine schöne Idee aufzugeben. Manchmal bedeutet es, sie anzupassen. Aber immer bedeutet es, ehrlich zu sich selbst zu sein über das, was man wirklich leben möchte.

Ein Wort zum Schluss

Es gibt viele Unterstützungsstellen in Wien und Österreich, die bei solchen Entscheidungen helfen können. Der wichtigste Service ist oft nicht die Ermutigung, sondern die ehrliche Einschätzung.

Übrigens: Wenn du das Gefühl hast, dass ein klarer, ehrlicher Blick auf dein Geschäfts- und Lebensmodell hilfreich wäre, dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam drauf – mit der nötigen Erfahrung und der Bereitschaft, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, wenn sie dir langfristig helfen.

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#82: Donuts, Englischkurse & andere Luftschlösser (Sommergespräche 2025)

Der Podcast

Luftschlösser in der Gründung: Warum du deine Geschäftsidee vorher testen solltest

“Ich möchte Englischlehrer werden” – “Haben Sie schon mal unterrichtet?” – “No, not yet.” Diese Situation aus der “Leiwand gründen” Gründungsberatung zeigt ein weit verbreitetes Phänomen: Menschen wollen sich in Bereichen selbstständig machen, die sie noch nie ausprobiert haben. Was dahinter steckt und wie man es besser macht.

Der Irische Englischlehrer: Ein klassisches Beispiel

Ein sympathischer Ire, der aus Liebe nach Wien gekommen war, wollte seine Gastronomie-Karriere beenden. Nach Jahren im Irish Pub sehnte er sich nach geregelten Arbeitszeiten und weniger Stress. Seine Lösung: Englischkurse anbieten. Ein ressourcenbasierter Ansatz – schließlich ist er Muttersprachler.

Doch auf die Frage, ob er schon einmal unterrichtet habe, kam die ernüchternde Antwort: “No, not yet.” Auch sonst hatte er noch nie versucht, jemandem etwas beizubringen. Hier wollte sich jemand als Lehrer selbstständig machen, ohne je das Unterrichten ausprobiert zu haben.

Das Muster: Geschäftsideen ohne Praxiserfahrung

Diese Situation ist kein Einzelfall. Aus der Gründungsberatung kennt man ähnliche Szenarien:

Der Gebäudereiniger: Wollte Stiegenhäuser putzen, hatte aber noch nie ein sechsstöckiges Stiegenhaus von oben bis unten geputzt.

Der Donut-Verkäufer: Plante einen Imbissstand mit “geschmückten Donuts” (gekauft beim Metro und dann dekoriert), hatte aber noch nie in seinem Leben etwas gebacken oder dekoriert.

Der Lebensmittelhändler: Wollte einen Laden eröffnen, gab aber zu, nicht gerne mit Menschen zu reden.

Die Psychologie dahinter

Warum passiert das so häufig? Menschen sehen eine Geschäftsmöglichkeit und projizieren ihre Vorstellungen darauf, ohne die Realität zu testen. Sie fokussieren sich auf das Ergebnis (selbstständig sein, Geld verdienen) und übersehen den Prozess (die tägliche Arbeit).

Typische Denkfehler:

  • “Ich kann das schon irgendwie”
  • “Andere machen das auch”
  • “So schwer kann es nicht sein”
  • “Ich lerne das dann schon”

Das Herz der Gründungsberater

Für Gründungsberater sind solche Situationen besonders schmerzhaft. Da sitzt ein netter Mensch mit guten Absichten, der sich beruflich verändern möchte – aber die Geschäftsidee ist praktisch zum Scheitern verurteilt. Das Dilemma: Wie ehrlich kann man sein, ohne den Traum zu zerstören?

Der Lernprozess: Scheitern als Chance

Manchmal ist es wichtig, dass Menschen selbst herausfinden, ob ihre Idee funktioniert. Besonders wenn nicht viel Geld im Spiel ist, kann “Learning by Doing” wertvoll sein. Der Lerneffekt einer Gründung – auch einer gescheiterten – ist oft unbezahlbar.

Aber: Bei hohen Investitionen (100.000 Euro Bankkredit) muss man sich dreimal überlegen, ob das Risiko vertretbar ist.

Die Lösung: Vorher testen, dann gründen

Bevor du dich in einem Bereich selbstständig machst, solltest du die Tätigkeit ausgiebig testen:

Praktische Schritte:

  • Stiegenhaus putzen? Putz erst mal ein sechsstöckiges Stiegenhaus!
  • Donuts verkaufen? Back und dekoriere erst mal Donuts!
  • Englisch unterrichten? Gib erst mal Nachhilfe oder biete kostenlosen Unterricht an!

Einfache Wege zum Testen

Schnuppertage: Fast jeder Beruf lässt sich durch Schnuppertage erkunden.

Ehrenamtliche Tätigkeit: Viele Vereine bieten Möglichkeiten, neue Fähigkeiten auszuprobieren.

Anstellung vor Selbstständigkeit: Arbeite erst ein halbes Jahr angestellt in dem Bereich. Wenn es dir nach sechs Monaten immer noch gefällt, dann mach dich selbstständig. In der Lernphase wirst du sogar bezahlt!

Nebentätigkeit: Teste deine Geschäftsidee erst mal nebenbei, bevor du den Hauptjob aufgibst.

Skin in the Game

Wie Vera Birkenbihl es ausdrückte: Du brauchst “Skin in the Game” – echte Erfahrung in dem Bereich, in dem du dich selbstständig machen willst. Diese Erfahrung ist Gold wert, egal ob du später eine berufliche Karriere oder eine Selbstständigkeit darauf aufbaust.

Ehrliche Selbstreflexion

Frage dich ehrlich:

  • Habe ich die Tätigkeit schon mal gemacht?
  • Macht sie mir Spaß?
  • Kann ich mir vorstellen, das jahrelang zu tun?
  • Bin ich gut darin?
  • Gibt es einen Markt dafür?

Es geht nicht darum, dass die Arbeit dich glücklich machen muss – aber sie sollte dir zumindest liegen und du solltest sie dir über Jahre hinweg vorstellen können.

Die Realität der Selbstständigkeit

Selbstständigkeit ist mehr als nur die fachliche Tätigkeit. Du musst auch:

  • Kunden akquirieren
  • Rechnungen schreiben
  • Marketing betreiben
  • Buchführung machen
  • Mit Behörden kommunizieren

Auch diese Aspekte solltest du vor der Gründung durchdenken.

Fazit: Träume sind wichtig – aber teste sie

Jeder Mensch sollte sich einmal im Leben selbstständig machen, weil es die beste Persönlichkeitsentwicklung ist, die es gibt. Aber mach es klug: Teste deine Idee vorher ausgiebig, sammle Erfahrungen und lerne den Markt kennen.

Der Schlüssel liegt darin, zwischen Träumen und Realität zu unterscheiden – und die Realität vorher zu testen.

Träume sind wichtig und berechtigt. Aber sie sollten auf einem soliden Fundament aus Erfahrung und Können stehen. Dann werden aus Luftschlössern echte, erfolgreiche Unternehmen.

Ein Wort zum Schluss

Eine Geschäftsidee zu haben ist nur der erste Schritt. Sie zu testen, zu verfeinern und auf einem soliden Erfahrungsschatz aufzubauen, ist der Weg zum Erfolg. Nimm dir die Zeit dafür – sie ist gut investiert.

Übrigens: Wenn du eine Geschäftsidee hast und diese gerne einmal reflektieren möchtest, oder wenn du dir Feedback wünschst, dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam, ob deine Idee Hand und Fuß hat und wie du sie am besten testen kannst.

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