#88: Wer gründet hier eigentlich? Verloren im Gründungsnebel (Sommergespräche 2025)

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Wer gründet hier eigentlich? Verloren im Gründungsnebel

Eine Gründung scheint manchmal ganz klar zu sein: Da ist eine Person mit einer Geschäftsidee, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte. Doch die Realität zeigt oft ein anderes Bild. Wer wirklich gründet und wer nur dabei ist, das ist nicht immer so eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Die mysteriöse Waschanlage: Ein Fallbeispiel

Stell dir vor: Du sitzt als Gründungsberater einem interessanten Franchise-Projekt gegenüber – eine mobile Waschanlage, die ihre Dienste direkt in Einkaufszentren oder Tiefgaragen anbietet. Der Businessplan liegt vor, alles wirkt durchdacht. Doch dann merkst du etwas Seltsames: Die Person, die mit dir spricht, ist gar nicht der eigentliche Gründer.

Der wahre Gründer sitzt zurückgelehnt im Hintergrund, während jemand anderes das Gespräch führt, Fragen beantwortet und Entscheidungen zu treffen scheint. Jedes Mal, wenn du versuchst, direkten Kontakt aufzunehmen, springt der “Sprecher” ein. Das Gefühl bleibt: Wer gründet hier eigentlich wirklich?

Wenn Helfer zu Entscheidern werden

Solche Situationen sind häufiger, als du denkst. Es beginnt oft harmlos: Ein Freund, Bekannter oder Geschäftspartner möchte helfen. Er übernimmt die Kommunikation, erkundigt sich über Gründungsschritte, sammelt Informationen. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes – Unterstützung bei der Gründung ist wertvoll.

Problematisch wird es, wenn diese Hilfsperson zunehmend die Führung übernimmt. Sie trifft Vorannahmen, entscheidet über Richtungen und behandelt die Gründung, als wäre es ihr eigenes Projekt. Der eigentliche Gründer wird zur ausführenden Person für fremde Ideen.

Typische Warnsignale:

  • Eine andere Person antwortet auf alle Fragen zum Business
  • Der “Gründer” wirkt passiv oder zurückhaltend
  • Entscheidungen werden ohne Rücksprache getroffen
  • Die Motivation wirkt von außen “eingeredet”

Wenn es ernst wird: Die Trennung der Geister

Das Spannende passiert meist dann, wenn die Gründung konkret wird. Sobald es um Gesellschaftsverträge, Rechtsformen oder echte finanzielle Verpflichtungen geht, zeigt sich die Realität. Plötzlich zieht sich der vermeintliche “Co-Gründer” zurück.

“Das ist mir zu aufwendig”, “Ich habe doch mein Anstellungsverhältnis”, “So habe ich mir das nicht vorgestellt” – die Ausreden sind vielfältig. Übrig bleibt der eigentliche Gründer, der nun allein mit einer Geschäftsidee dasteht, die möglicherweise gar nicht seine ursprüngliche Vision war.

Der Gründungsnebel: Was wir nicht sehen

Die Gründungsforschung kennt dafür einen treffenden Begriff: den Gründungsnebel. Damit ist gemeint, dass wir als Außenstehende – auch als Berater – nie das komplette Bild sehen. Wir wissen nicht, was im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis besprochen wird. Wer redet ein? Wer redet zu? Wer arbeitet mit?

Das unsichtbare Netzwerk:

  • Partner und Familie mit ihren Meinungen
  • Freunde mit “gut gemeinten” Ratschlägen
  • Andere Unternehmer mit ihren Erfahrungen
  • Bekannte mit vermeintlich einfachen Lösungen

All diese Stimmen beeinflussen eine Gründung, auch wenn sie nicht am Beratungstisch sitzen.

Das Modelleisenbahn-Phänomen

Es erinnert an die klassische Weihnachtsgeschichte: Der Vater schenkt dem Sohn eine Modelleisenbahn – aber eigentlich möchte der Vater damit spielen. Ähnlich verhält es sich manchmal bei Gründungen. Jemand möchte ein Business aufbauen, aber nicht selbst die Verantwortung tragen. Also wird ein “Strohmann” vorgeschickt, der das Risiko und die Arbeit übernimmt.

Die Franchise-Falle: Kritisches Hinterfragen ist wichtig

Zurück zur Waschanlage: Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass das Franchise-Modell möglicherweise gar nicht nötig war. Das Geschäftsmodell war einfach, die Investitionen überschaubar. Die Frage war berechtigt: Was rechtfertigt die hohen Franchise-Gebühren, wenn man das Business genauso gut eigenständig aufbauen könnte?

Solche kritischen Fragen sind essentiell – aber sie müssen von der richtigen Person gestellt und beantwortet werden: vom eigentlichen Gründer.

Die Verantwortung bleibt bei dir

Egal wer dir bei der Gründung hilft, eines bleibt unveränderlich: Die Verantwortung trägst du allein. Du stehst im Firmenbuch, dein Name steht im Impressum, du hast den Gewerbeschein. Wenn etwas schiefgeht, sind die Berater und Helfer schnell weg – aber die rechtlichen und finanziellen Konsequenzen bleiben bei dir.

Praktische Tipps: So behältst du die Kontrolle

1. Das erste Gespräch alleine führen

Auch wenn du Co-Gründer hast oder Unterstützung bekommst – führe das erste Beratungsgespräch allein. So kannst du für dich klären: Will ich das wirklich? Ist das meine Vision?

2. Deine eigenen Fragen stellen

Lass nicht andere für dich fragen. Entwickle deine eigenen Zweifel, deine eigenen Prioritäten. Nur so behältst du die Kontrolle über deine Gründung.

3. Motivation hinterfragen

Woher kommt der Impuls für diese Gründung? Von dir oder von außen? Eine ehrliche Selbstreflexion kann späteren Ärger ersparen.

4. Grenzen ziehen

Hilfe anzunehmen ist gut – aber die finalen Entscheidungen müssen bei dir liegen. Lass dir nichts einreden, was nicht deiner Überzeugung entspricht.

Der Weg durch den Nebel

Eine Gründung ist nie nur eine individuelle Entscheidung. Sie passiert in einem Netzwerk von Beziehungen, Meinungen und Interessen. Das ist normal und oft auch hilfreich. Wichtig ist nur, dass du trotz aller Einflüsse deine eigene Richtung behältst.

Wenn du merkst, dass du die Kontrolle über deine Gründungsidee verlierst, ist es Zeit, einen Schritt zurückzutreten. Manchmal braucht es Mut, zu sagen: “Das ist meine Gründung, und ich entscheide.”

Fazit: Deine Gründung, deine Entscheidung

Der Gründungsnebel wird nie ganz verschwinden – und das muss er auch nicht. Wichtig ist, dass du lernst, durch ihn hindurchzusehen. Dass du erkennst, welche Stimmen hilfreich sind und welche dich von deinem Weg abbringen.

Lass dir gerne helfen, aber lass dir nichts einreden. Am Ende des Tages gründest du – und die Verantwortung für Erfolg und Misserfolg liegt bei dir.


Wenn du Klarheit über deine Gründungsidee bekommen möchtest – ganz ohne Nebel und fremde Einflüsse –, dann nutze unseren kostenlosen Gründungs-Checkup. Hier geht es nur um dich, deine Vision und deinen Weg in die Selbstständigkeit.

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#87: Kampfgeist, Können, Kunden – wenn Herz und Haltung gründen (Sommergespräche 2025)

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Meister und Anfänger zugleich: Was ein Capoeira-Trainer über erfolgreiche Gründungen lehrt

Seine Augen leuchteten, wenn er über Capoeira sprach – eine Mischung aus brasilianischem Kampfsport und Tanz. Dieser Capoeira-Meister aus Brasilien schaffte es, seine Leidenschaft in Wien zu einem erfolgreichen Business zu machen. Seine Geschichte aus der “Leiwand gründen” Beratung zeigt zwei entscheidende Erfolgsfaktoren: echte Leidenschaft und die Bereitschaft, in neuen Bereichen wieder Anfänger zu sein.

Der Brasilianer mit der ansteckenden Leidenschaft

Ein Capoeira-Meister aus Brasilien kam aus Liebe nach Wien und wollte hier das tun, was naheliegend war: eine eigene Capoeira-Schule eröffnen. Er hatte bereits Erfahrung gesammelt, indem er bei einer bestehenden Schule gearbeitet und den österreichischen Markt kennengelernt hatte.

Seine Ausgangssituation:

  • Meisterschaftliches Können in Capoeira
  • Erfahrung mit Kindern und Erwachsenen
  • Kenntnis des österreichischen Marktes
  • Sprachkenntnisse in Deutsch

Doch was diese Geschichte zu einer Erfolgsgeschichte machte, waren nicht nur diese rationalen Faktoren.

Erfolgsfaktor 1: Authentische Leidenschaft

Die Kraft der echten Begeisterung: Wenn er über Capoeira sprach, leuchteten seine Augen. Seine Leidenschaft war so authentisch und ansteckend, dass selbst Gründungsberater plötzlich Lust bekamen, Capoeira auszuprobieren.

Diese Art von Leidenschaft kann man nicht herstellen oder durch Marketingpläne vermitteln. Sie kommt aus dem Menschen selbst und hat eine Kraft, die schwer zu beschreiben ist. Wenn Gründer von etwas sprechen, wovon sie hundertprozentig überzeugt sind, spüren das auch die Kunden.

Das beste Verkaufsargument der Welt

“Ich würde es selber auch kaufen” – wenn man Angebote entwickelt, von denen man selbst Fan ist, weil man sie erlebt hat, dann ist das ein Verkaufsargument, das durch nichts zu ersetzen ist. Diese Überzeugung schwingt mit und kommt beim Gegenüber an.

Das Gegenteil: “Ich brauche den Auftrag unbedingt” – diese Verzweiflung spüren Kunden sofort und wirkt abstoßend.

Erfolgsfaktor 2: Unermüdlichkeit ohne Jammern

Der Weg zum Erfolg war nicht einfach:

  • Turnhallen in Wien finden
  • Erste Kurse organisieren
  • Sich bekannt machen
  • Kommunikation mit Eltern
  • Website aufbauen
  • Kurse füllen und Teilnehmer bei Laune halten

Das Besondere: Er hat sich nie beschwert oder gejammert. Es war spürbar schwierig am Anfang, aber er zweifelte nie daran, dass es funktionieren würde. Diese sportliche Haltung – vielleicht geprägt durch Capoeira – half ihm dabei, die anfänglichen Herausforderungen zu meistern.

Meister in einem, Anfänger im anderen

Die wunderbare Kombination: Echter Meister in Capoeira, völliger Anfänger im Business. Und genau diese Kombination war der Schlüssel zum Erfolg.

In Capoeira: Jahrelange Expertise, Meisterschaft, Können Im Business: Demütige Haltung, Lernbereitschaft, Offenheit

Die größte Herausforderung der Gründungsphase

Das Dilemma des Könnens: Als Selbstständiger macht man sich meist mit etwas selbstständig, was man gut kann. Man hat einen gewissen Expertenlevel erreicht. Die große Herausforderung ist dann zu akzeptieren, dass man in der Selbstständigkeit wieder Anfänger ist.

Die Gefahr der Selbstüberschätzung: Wir überschätzen oft unsere Fähigkeiten als Unternehmer, weil wir es noch nie gemacht haben. Fachliches Können hilft nicht automatisch beim Unternehmertum.

Der Anfängergeist (Beginner’s Mind)

Aus dem Zen-Buddhismus: “Ich weiß, dass ich nichts weiß” – eine Haltung völliger Offenheit ohne Vorannahmen.

Praktisch bedeutet das:

  • Den Stolz ablegen
  • Zugeben können, dass man keine Ahnung hat
  • Um Hilfe bitten, bevor man Fehler macht
  • Nicht vorgeben zu wissen, was man nicht weiß

Von der Arroganz zur Stärke

Die typische Falle: “Das kann ich schon irgendwie” oder “Das kann ja nicht so schwer sein” oder “Ich bin eh schon auf Instagram, also kann ich Social Media Marketing.”

Die Realität: Dreimal auf Facebook zu posten ist etwas völlig anderes als professionelles Social Media Marketing zu betreiben.

Die Lösung: Ehrlich zugeben, dass man wahrscheinlich keine Ahnung hat. Das macht nicht schwach oder inkompetent – im Gegenteil, daraus entsteht Kraft, weil man sich nicht mehr selbst im Weg steht.

Souveränität durch Demut

Das Paradox: Der Capoeira-Meister wirkte nicht schwach, als er zugab, vom Business nichts zu verstehen. Er wirkte souverän, kompetent und beeindruckend – “stolz in seiner Demütigkeit.”

Der Grund: Wenn das Ego nicht ständig im Weg ist, können Lösungen gefunden und Hilfe angenommen werden. Klarheit über den Ist-Stand ermöglicht es, gezielte Maßnahmen zu ergreifen.

Was andere Gründer lernen können

Vorsicht vor pauschalen Lektionen: Jeder muss seine eigene Geschichte finden und entwickeln. Trotzdem gibt es zwei universelle Prinzipien:

1. Leidenschaft entwickeln: Wenn möglich, Angebote schaffen, von denen man selbst hundertprozentig überzeugt ist. Diese Authentizität ist durch nichts zu ersetzen.

2. Anfängergeist kultivieren: In neuen Bereichen demütig bleiben und zugeben, wenn man etwas nicht kann. Das ermöglicht echtes Lernen und Wachstum.

Der Unterschied zwischen Amateur und Profi

Die Anfangsphase: Auch wenn nur zwei Leute zum Kurs kommen, macht man ihn trotzdem. Nicht weil es sich auszahlt, sondern weil man es ernst meint mit dem Business.

Das Fundament: Bis dieses aufgebaut ist, dauert es oft ziemlich lange. Durchhaltevermögen und Geduld sind entscheidend.

Kleine Schritte, große Wirkung

Wie beim Capoeira-Training: Man wird durch viele kleine Schritte zum Meister. Genauso funktioniert erfolgreiches Unternehmertum – ein Schritt nach dem anderen, ohne aufzugeben.

Die Kraft der richtigen Einstellung

Höhen und Tiefen: Gehören dazu, wie beim Erlernen jeder neuen Fähigkeit. Erfolge und Misserfolge: Sammeln sich an, bis es “passt.” Die entscheidende Haltung: Nie zweifeln, aber auch nie beschönigen.

Fazit: Die perfekte Balance

Diese Erfolgsgeschichte zeigt die perfekte Balance zwischen zwei Polen:

  • Meisterschaft dort, wo man sich wirklich auskennt
  • Anfängergeist dort, wo man tatsächlich am Anfang steht

Der Schlüssel liegt darin: Beide Haltungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort einzusetzen.

Echte Leidenschaft kombiniert mit demütiger Lernbereitschaft – das ist eine Kombination, die schwer zu schlagen ist. Sie macht nicht nur erfolgreich, sondern auch glaubwürdig und authentisch.

Ein Wort zum Schluss

Nicht jeder hat das Glück, seine größte Leidenschaft zum Beruf machen zu können. Aber die Haltung des “Meisters und Anfängers zugleich” lässt sich auf jede Gründung übertragen: Expertise in der Sache, Demut im Business.

Übrigens: Wenn du einen kleinen Deep Dive über deine Geschäftsidee machen möchtest – egal ob du schon ein Meister in deinem Fach bist oder noch ganz am Anfang stehst – dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf deine Situation und helfen dir dabei, den richtigen Mix aus Expertise und Lernbereitschaft zu finden.

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#86: Schicksal, Stillstand, Stopp-Taste – wenn das Leben dazwischenfunkt (Sommergespräche 2025)

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Wenn das Leben dazwischenfunkt: Warum manchmal die Stopp-Taste die beste Entscheidung ist

Das Telefon klingelt mitten im Gründungsgespräch. Die Nachricht: Ein Familienmitglied ist gestorben. Was als Krönung einer durchdachten Gründungsberatung geplant war, wird zum Wendepunkt. Eine “Leiwand gründen” Geschichte über Schicksalsschläge, Lebenswenden und warum manchmal Pausieren wichtiger ist als Gründen.

Die Friseurin: Perfekt vorbereitet, aber das Leben hatte andere Pläne

Sie war eine opportunistische Gründerin par excellence: Eine Friseurin, die sich aus ihrem Berufsumfeld heraus selbstständig machen wollte. Durch ihr Netzwerk hatte sie bereits Kontakte zu einem Nagelstudio gefunden, wo sie sich einmieten konnte. Zusätzlich plante sie mobile Hausbesuche für weniger mobile Kunden.

Alles war perfekt vorbereitet:

  • Durchdachter Businessplan
  • Realistische Umsatzplanung
  • Solide Kalkulation
  • Bodenständige, kompetente Gründerin

Dann kam der Anruf mitten im Beratungsgespräch.

Der Moment, der alles verändert

Ein Todesfall in der Familie – und plötzlich ist nichts mehr wie vorher. Das Gründungsvorhaben wurde “über den Hafen geworfen”, weil sich die Prioritäten völlig verschoben.

Die Kettenreaktion:

  • Erbschaftsangelegenheiten
  • Veränderte Wohnsituation
  • Pflegebedürftige Angehörige
  • Neue Verantwortungen

Ein Stein kam ins Rollen, der das gesamte Lebensgefüge durcheinanderbrachte.

Das Berater-Dilemma: Zuhören oder Stoppen?

Als Gründungsberater erlebt man nicht nur Geschäftsideen, sondern ganze Lebensgeschichten: Scheidungen, Familienzwist, Betriebsübernahmen, Schwangerschaften – und eben auch Schicksalsschläge.

Das typische Muster:

  1. Schock und Stillstand (erste Wochen)
  2. Euphorie und Trotz (“Ich mache es trotzdem!”)
  3. Die kritische Frage: Pausetaste drücken oder weitermachen lassen?

Störungen haben Vorrang

Wie es im Trainingsjargon heißt: “Störungen haben Vorrang.” Man kann nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Lebensverändernde Ereignisse brauchen Raum und Zeit.

Die harte Realität: In 250+ begleiteten Gründungen gab es kein einziges Beispiel, wo eine Gründung in einer lebensverändernden Situation tatsächlich funktioniert hätte.

Warum die Stopp-Taste oft die beste Entscheidung ist

Energiemangel: Wenn man nicht voll bei der Sache sein kann, was aber in der Anfangszeit nötig ist, um ein Business hochzuziehen, dann funktioniert es nicht.

Mentale Kapazität: Es funktioniert nicht nur zeitlich nicht, sondern auch “vom Kopf her nicht mehr”, weil die Gründung einfach nicht mehr das Wichtigste ist.

Risiko der Überforderung: Eine weitere Baustelle aufzumachen, könnte im schlimmsten Fall das ganze “Kartenhaus zum Einsturz bringen.”

Die Gedankenfallen der Betroffenen

Menschen in solchen Situationen sehen oft nicht, dass eine Pause hilfreich wäre. Stattdessen denken sie:

  • “Jetzt oder nie!”
  • “Wenn nicht jetzt, wann dann?”
  • “Sonst nimmt mir jemand die Geschäftsidee weg”
  • “Die Gelegenheit am Markt ist jetzt da”

Gesundheit als weiterer Faktor

Nicht nur Schicksalsschläge, auch gesundheitliche Probleme sollten Vorrang haben. Oft hört man nur nebenbei: “Da ist noch eine OP geplant” – und dann folgen wochenlange Ausfälle und Folgethemen.

Die klare Botschaft: Wenn der Körper bereits “schreit”, dann ist Zeit für Selbstfürsorge, nicht für Gründungsstress.

Der Unterschied: Vor vs. während der Selbstständigkeit

Vor der Gründung: Das Risiko lässt sich rausnehmen – man gründet einfach nicht.

Während der Selbstständigkeit: Hier ist die Situation komplexer, da bereits Verpflichtungen und Verantwortungen bestehen.

Österreichs Vorteil: Das soziale Netz gibt Menschen die Chance, Zeit zu gewinnen und nicht unter Zeitdruck zu handeln.

Der Mensch hinter der Gründung

In solchen Momenten wird besonders deutlich: Gründungsberatung ist Menschenberatung. Es geht nicht nur um objektive Geschäftspläne, sondern um Menschen mit ihren Sorgen, Ängsten und Lebenssituationen.

Die schwierige Rolle des Beraters: Manchmal muss man ehrlich sagen: “Ich kann dir nicht sagen, was die nächsten Schritte sind, aber die Gründung ist es nicht.”

Die Befreiung durch die Pause

Paradoxerweise kann die Entscheidung zur Pause befreiend wirken. Wenn das Gründungsthema “vom Tisch ist”, entsteht mentaler Freiraum für die wirklich wichtigen Themen.

Die Erkenntnis: “Gott sei Dank ist das Thema wenigstens mal erledigt, damit ich einen freien Kopf für alles andere habe.”

Jenseits der Erfolgsgeschichten

In Biografien und Medien liest man meist nur die Erfolgsgeschichten – “heile Wonne” überall. Die Realität ist anders: Jeder hat seine “Päckchen zu tragen”, und gewisse Dinge passieren einfach.

Wichtig ist: Dass man jemanden hat, mit dem man darüber sprechen kann.

Die Geschäftsidee läuft nicht davon

Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Gute Geschäftsideen sind auch in einem, zwei oder drei Jahren noch genauso gut. Aber “jetzt ist einfach nicht die Zeit.”

Der richtige Zeitpunkt: Wenn das störende Thema nicht behandelt ist, wird es sich “immer reindrängen” und die Gründung sabotieren.

Lektionen für Gründer und Berater

Für Gründer:

  • Ehrlich zu sich selbst sein über die aktuelle Lebenssituation
  • Akzeptieren, dass manche Dinge Vorrang haben
  • Verstehen, dass Pausen keine verlorene Zeit sind
  • Sich Unterstützung holen, statt alleine zu kämpfen

Für Berater:

  • Den Menschen hinter der Geschäftsidee sehen
  • Mut haben, unpopuläre Wahrheiten auszusprechen
  • Verstehen, dass “Nein” manchmal die beste Beratung ist
  • Raum für Emotionen und Lebenswirklichkeiten schaffen

Fazit: Menschlichkeit vor Businessplan

Diese Geschichte zeigt: Gründungsberatung ist mehr als Zahlen und Strategien. Es geht um Menschen in all ihren Lebenssituationen. Manchmal ist die beste Beratung, jemandem zu sagen, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist.

Der Schlüssel liegt darin: Zu erkennen, wann das Leben Vorrang hat – und den Mut zu haben, die Stopp-Taste zu drücken.

Das ist keine Niederlage, sondern Weisheit. Denn nur wer ehrlich mit sich selbst ist, kann später erfolgreich gründen – wenn die Zeit dafür reif ist.

Ein Wort zum Schluss

Das Leben ist unberechenbar, und manchmal durchkreuzt es unsere besten Pläne. Das ist normal und menschlich. Wichtig ist, dass man in solchen Momenten nicht alleine ist.

Übrigens: Wenn sich in deinem Leben gerade etwas Großes verändert und du dir unsicher bist, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Gründung ist – oder auch wenn du einfach jemanden zum Sprechen brauchst – dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf deine Situation. Manchmal ist es auch in Ordnung, eine Geschäftsidee in die Schublade zu legen und später wieder herauszuholen. Wir sind da, wenn du bereit bist.

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#85: Gestalten, beraten, schmücken – wenn Business zum Hobby wird (Sommergespräche 2025)

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Wenn Geld keine Rolle spielt: Gründungen ohne Umsatzdruck

“Das Einkommen ist eigentlich ziemlich wurscht” – ein Satz, den man in der Gründungsberatung nicht oft hört. Doch manchmal gibt es Situationen, wo Menschen sich selbstständig machen, ohne dass das Geld im Vordergrund steht. Eine “Leiwand gründen” Geschichte über Gründungen in der zweiten Lebenshälfte und warum nicht jedes Business um Umsatz kämpfen muss.

Die zweite berufliche Hälfte: Wenn Geld zur Nebensache wird

Es ist ein Muster, das sich in der Gründungsberatung immer wieder zeigt: Frauen in der zweiten beruflichen Lebenshälfte, deren Kinder aus dem Haus sind, die endlich Zeit für eigene Projekte haben. Die finanzielle Situation ist entspannt – das Haus ist abbezahlt, der Partner verdient gut, die großen Ausgaben sind vorbei.

Typische Ausgangssituation:

  • Eigenes Haus, keine Miete
  • Partner mit gutem Einkommen
  • Kinder finanziell selbstständig
  • Ersparnisse vorhanden
  • Wunsch nach sinnvoller Beschäftigung

Beispiele aus der Praxis

Die Lebens- und Sozialberaterin: Eine Frau wollte anderen Menschen helfen, hatte aber keinen Druck, viele Kunden zu akquirieren. Hauptsache, die Tätigkeit war erfüllend.

Die Schmuckdesignerin: Kunsthandwerk war ihre Leidenschaft. Ob sie fünf oder zehn Stücke pro Monat verkauft, spielte keine Rolle – solange sie ihre Kreativität ausleben konnte.

Beiden gemeinsam: Ihre Geschäftsideen ergaben, betriebswirtschaftlich betrachtet, “eine schwarze Null” – ein Hobby, das sich selbst finanziert.

Der Betriebswirt vs. die Lebenspraxis

Der strenge Betriebswirt würde sagen: “Was am Markt keine Berechtigung hat, verschwindet wieder.” Aber hier zeigt sich: Gott sei Dank geht es im Leben um mehr als Betriebswirtschaft.

Diese Gründungen sind nicht schlechter, nur weil sie kein Geld verdienen müssen. Sie sind vollwertige Businesses mit einem anderen Zweck: der Suche nach Gestaltungsmöglichkeiten und sinnvoller Beschäftigung.

Die Vorteile des druckfreien Gründens

Keine Kompromisse bei der Kundenauswahl: Man kann sich die “leibenden” Kunden aussuchen und muss nicht jeden Auftrag annehmen.

Kein permanenter Marketingdruck: Wenn drei Kunden diesen Monat reichen, ist das völlig in Ordnung.

Normale Preise: Nur weil kein Umsatzdruck herrscht, muss man nicht billiger sein. Die Leistung hat ihren Wert.

Gestaltungsfreiheit: Man kann das Business so entwickeln, wie es einem entspricht, ohne ständige Wachstumsziele.

Störungen im Marktgefüge?

Eine berechtigte Frage: Macht das nicht den Markt für andere kaputt? Die Antwort: Nicht unbedingt. Diese Gründer verlangen normale Honorare und Preise. Der Unterschied liegt nur darin, dass sie keinen Umsatzdruck haben und sich entspannte Entscheidungen leisten können.

Die Herausforderung: Verlust der Marktorientierung

Wenn der Einkommensdruck wegfällt, kann auch die Marktorientierung leiden. Die Fragen ändern sich:

  • Statt: “Was brauchen meine Kunden?”
  • Zu: “Was will ich machen?”

Das kann dazu führen, dass man sich von den tatsächlichen Kundenbedürfnissen entfernt und hauptsächlich das macht, was einem selbst Spaß macht.

Weniger unternehmerische Entwicklung?

Ein wichtiger Aspekt: Die unternehmerische Weiterentwicklung findet weniger statt, weil sie nicht stattfinden muss. Der Marktdruck, der normalerweise zu Innovation und Verbesserung zwingt, fehlt.

Die Persönlichkeitsreise der Selbstständigkeit – normalerweise ein intensiver Lernprozess – verläuft entspannter, aber auch weniger intensiv.

Professionalität ohne Umsatzdruck

Interessant: Die beobachteten Gründerinnen waren trotzdem sehr professionell und kundenorientiert. Sie achteten darauf, wirklichen Nutzen zu stiften. Der einzige Unterschied: Es war egal, ob drei oder zehn Kunden kamen.

Skin in the Game: Braucht es den Druck?

“Skin in the Game” – ein eigenes Risiko zu haben – führt oft zu kreativerem Denken und besseren Lösungen. Wenn der eigene “Säckel” spürbar ist, handelt man anders. Aber ist das immer notwendig?

Die Gegenfrage: Ist es wirklich besser, ständig Umsatzdruck zu haben? Macht einen das zu einem besseren Unternehmer oder nur zu einem gestressten Menschen?

Das Kundendilemma

Ein möglicher Konflikt: Ein gestresster Unternehmer mit wenig Zeit trifft auf einen entspannten Dienstleister ohne Zeitdruck. Kann das funktionieren?

Die Erfahrung zeigt: Ja, wenn die Professionalität stimmt. Entspannte Dienstleister können oft sogar bessere Lösungen bieten, weil sie nicht unter Druck stehen.

Vollwertige Businesses mit anderem Zweck

Das Learning: Ein Business muss sich nicht nur über Umsatz definieren. Manchmal geht es einfach darum, eine Tätigkeit in eine Form zu gießen, die einem entspricht, ohne Verluste zu machen.

Kriterien für ein vollwertiges Business ohne Umsatzdruck:

  • Die Tätigkeit ist gesellschaftlich nützlich
  • Es wird professionell gearbeitet
  • Die Kosten werden gedeckt
  • Kunden erhalten echten Mehrwert
  • Der Gründer ist zufrieden

Das Ideal: Druckfreies Arbeiten

Vielleicht ist das sogar ein Ziel, das sich alle Gründer setzen sollten: Irgendwann so erfolgreich zu sein, dass man ohne Umsatzdruck arbeiten kann. Zusätzliche Einnahmequellen, passives Einkommen oder finanzielle Sicherheit ermöglichen es, nur noch Projekte anzunehmen, die wirklich passen.

Verschiedene Phasen der Selbstständigkeit

Phase 1: Überleben – jeder Auftrag wird angenommen 

Phase 2: Wachsen – strategische Kundenauswahl 

Phase 3:Gestalten – druckfreies Arbeiten wird möglich

Manche haben das Glück, direkt in Phase 3 starten zu können – meist haben sie es sich aber in anderen Lebensbereichen verdient.

Nicht nur ein Frauen-Phänomen

Obwohl das Muster häufig bei Frauen in der zweiten Lebenshälfte beobachtet wird, ist es nicht darauf beschränkt. Auch Männer oder jüngere Menschen können sich in solchen Situationen befinden – durch Erbschaften, erfolgreiche Investments oder andere Umstände.

Fazit: Business ist mehr als BWL

Diese Gründungen zeigen, dass es verschiedene Definitionen von Erfolg gibt. Ein Business muss nicht ständig wachsen oder maximale Gewinne erzielen, um wertvoll zu sein.

Der Schlüssel liegt darin zu verstehen: Selbstständigkeit kann verschiedene Zwecke erfüllen – von der Existenzsicherung bis zur Selbstverwirklichung.

Wichtig ist nur, ehrlich zu sich selbst zu sein über die eigenen Ziele und Möglichkeiten.

Ein Wort zum Schluss

Ob mit oder ohne Umsatzdruck – jede Form der Selbstständigkeit hat ihre Berechtigung. Entscheidend ist, dass sie zu den persönlichen Umständen und Zielen passt.

Übrigens: Egal ob du gerade die Kinder aus dem Haus hast und endlich deine Geschäftsidee umsetzen möchtest, oder ob du unter Erfolgsdruck ein Business aufbauen willst – wir sind ansprechbar. In einem kostenlosen Gründungs-Checkup schauen wir gemeinsam auf deine Situation und entwickeln den für dich passenden Weg in die Selbstständigkeit. Denn jeder Weg ist anders – und das ist auch gut so.

Die Links

#78: Ist Gründen mit 40 das neue 30? – Über Gründungen in der zweiten Karriere-Hälfte

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